Gesundheitsapp Vivy auf Smartphone | Bildquelle: dpa

Pro und Contra Gesundheits-App Lebensretter oder Datenschutz-Alptraum?

Stand: 17.09.2018 20:21 Uhr

Eine App, die alle Daten über Krankheit, Medikamente und Arztbesuche speichert - für Andreas Josef ist das eine lebensrettende Idee, für Philipp Wundersee ein weiterer Schritt zum gläsernen Patienten.

Pro: Eine App, die Leben retten kann

Von Andreas Josef, WDR

Kaum geht es um persönliche Daten, ist das Geschrei schon groß. Und die Lautstärke der Datenschützer übertönt dann schon mal schnell die immensen Vorteile. Eine App, die zentral all unsere Gesundheitsdaten speichert, ist in erster Linie ein Gewinn.

Jeder Arztbesuch, jedes Röntgenbild, Medikamente und Allergien werden gespeichert und helfen dem Haus- oder Facharzt sofort, ein vollständiges Bild des Patienten zu bekommen. Unverträglichkeiten können berücksichtigt werden, doppelte Untersuchungen mit vielleicht überflüssigen Röntgenaufnahmen würden der Vergangenheit angehören.

Laut einer Studie der beteiligten Krankenkassen wurde jeder vierte Befragte schon einmal doppelt untersucht und teilweise doppelt geröntgt - eine unnötige Belastung für den Körper. 70 Prozent wussten nicht, wann die nächste Impfung fällig ist - ein kleiner Termin, der gravierende gesundheitliche Folgen haben kann.

Unsere europäischen Nachbarn machen es schon vor. In Österreich gibt es ein zentrales Verzeichnis, in das alle Gesundheitsdaten einfließen. Die Patienten können dabei selbst entscheiden, wer ihre Daten sehen kann. In Estland erhält jeder automatisch die elektronische Akte - sogar Apotheken tragen hier die verabreichten Medikamente ein.

Der Datenschutz ist kein Argument - schließlich geben wir willig an jeder Supermarktkasse, in jedem Kaufhaus unser Daten über Kundenkarten weiter. Für kleine Rabatte und Vorteile ist die Weitergabe kein Problem, für die Gesundheit aber schon? Eine App, die im Notfall sogar Leben retten kann, weil der Arzt sofort weiß, woran er ist, ist das kleine Risiko der Datenspeicherung wert.

Pro und Contra: Ist die digitale Gesundheitsapp sinnvoll?
17.09.2018, Andreas Josef/Philipp Wundersee, WDR

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Contra: Eine App, die gläsern macht

Von Philipp Wundersee, WDR

Eine App, die zentral alle Gesundheitsdaten speichert, erscheint auf den ersten Blick verlockend. Die beteiligten Krankenkassen verkaufen diese Idee als Erfolg. Aber sollten sich Bürger wirklich freiwillig zum gläsernen Patienten machen?

Die Probleme von Krankenhäusern und ihrer digitalen Sicherheit sind bekannt: Die Computersysteme in vielen Praxen und Kliniken sind häufig nur sehr unzureichend gesichert. Zwei von drei deutschen Kliniken wurden nach einer Studie des Beratungsunternehmens Roland Berger bereits zum Opfer von Cyberkriminellen.

Wenn diese anfälligen Systeme dann Zugang zu allen Daten haben, wird das zum Problem. Dabei werden nicht nur Krankenhäuser angegriffen, sondern auch Ambulanzen und medizinische Forschungseinrichtungen.

Gesundheitsdaten sind höchst sensibel. In den USA existiert ein Schwarzmarkt für gestohlene Patientendaten. In Großbritannien werden Daten bereits zentral gespeichert und für Studien ausgewertet. Sicherheitsexperten berichten von Online-Kriminellen, die Diagnosen, Rezepte und Krankengeschichten erbeuten - auch in Deutschland. Die Experten warnen, dass zum Beispiel hochrangige Politiker so erpressbar werden. Sie berichten von Fällen, bei denen Gesundheitsdaten von Politikern verwendet wurden, um diese unter Druck zu setzen. Krankheiten können so politisch instrumentalisiert werden.

Auch wenn die Entwickler beteuern, dass die Daten dank mehrstufiger Sicherheitsprozesse und einer Verschlüsselung sicher seien, werden auch diejenigen nicht schlafen, die an die Daten gelangen wollen. Gesundheitsdaten dürfen nicht zu einem Risiko werden - weder für Politiker noch für jeden einzelnen Bürger.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. September 2018 um 19:45 Uhr.

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