Bundesfamilienministerin Franziska Giffey in Brandenburg. | Bildquelle: dpa

Sommerreise der Familienministerin Die Methode Giffey

Stand: 22.08.2019 02:59 Uhr

Im Osten geht es der SPD besonders mies. Brandenburg, Sachsen - bei beiden Landtagswahlen drohen den Sozialdemokraten empfindliche Verluste. Ausgerechnet dort ist Familienministerin Giffey jetzt auf Sommerreise.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Großes Hallo in Riesa. Die Kindergartenkinder quirlen durcheinander. Eine volle Stunde haben sie in Sachsen auf die Ministerin gewartet. Franziska Giffey geht in die Hocke und entschuldigt sich bei den Knirpsen:

„Wir sind mit dem großen Bus nicht so schnell durchgekommen. Die Autobahn war nämlich zu…“

Dann gibt es doch noch das späte Begrüßungsständchen für die Familienministerin, die sich ein Mehrgenerationenhaus in Riesa in Sachsen anschaut. Giffey verschenkt kleine Stoffadler an die Kinder.

Besuch in der AfD-Hochburg

Die 41-jährige ist in ihrem Element. Rund 70 Riesaer warten derweil auf Bierbänken etwas weiter hinten im Garten. Sie haben einigen Frust mitgebracht. Die Stadt gilt als AfD-Hochburg, auf 30 Prozent ist die Partei zuletzt bei der Europawahl gekommen. Die SPD nur kurz über 8 Prozent. Zu viel Bürokratie, zu wenig Rente, Alterseinsamkeit. Was sie denn konkret zu tun gedenkt, für sie hier in Riesa, fragen die Bürgerinnen und Bürger Giffey. Wir sind schon dran, Anträge und Formulare einfacher zu machen, sagt die Ministerin.

"Ich nehme das mit und werde das meinen Leuten sagen. Ich werde sagen: Hier, ich war in Riesa, die haben sich wieder beschwert über die Bürokratie - guckt, das wir das einfacher hinkriegen!"

Aber - ein bisschen Arbeit bleibt, wenn man öffentliches Geld will, für Demokratie-Förderung zum Beispiel - auch das macht Giffey den Riesaern klar. Sie redet viel und mit Schwung - und bekommt Applaus. Dass da eine steht, die sich gerade selbst den Weg verbaut hat, gen Kandidatur zum SPD-Parteivorsitz, über diese Frage schüttelt Giffey nur den Kopf: "Ich bin ja nicht weg, ich bin ja da, also ich bin ja da - gucken Sie mal!"

Comeback der Elbe-Elstern

Zuvor war Giffey in Finsterwalde in Brandenburg. "Comeback Elbe-Elster" heißt eine Rückkehrer-Initiative, die denen hilft, die wieder in die Region Finsterwalde zurückkommen wollen. Karla Fornoville ist so eine - sie hat lange im Ausland gelebt, ist jetzt wieder da. Sie hat einen Handel mit Stoffwindeln aufgemacht, und drückt Franziska Giffey gleich eine in die Hand:

"In Finsterwalde wurden mal die Windelüberhosen für die Babys zu DDR-Zeiten hergestellt und in die ganze Republik geliefert. Das passt natürlich super - weil: die Region Finsterwalde, die Windel kehrt zurück, ich kehre zurück…"

Giffey lauscht und lächelt. Aktive Frauen – -das gefällt ihr. Nachspüren - wie geht es den Menschen hier im Osten 30 Jahre nach dem Mauerfall? Das ist das Motto von Giffeys Tour durch Brandenburg und Sachsen. Sie kann Nähe vermitteln. Interessiert sich für ihre Gegenüber. Leidet ihre Glaubwürdigkeit unter der ungeklärten Doktortitel-Frage? 

Doktortitel-Debatte ein Problem? 

Bei ihrer ersten Station, in Eisenhüttenstadt, der geschrumpften Stahlstadt, kann der SPD-Stadtverordnete Wolfgang Perske darüber nur den Kopf schütteln. Mit oder ohne Doktortitel.  

"Nee, also, ich hätte kein Problem damit. Auf meine Einstellung zu Frau Giffey hätte das keinen Einfluss."

Anderswo waren viele enttäuscht, dass Giffey so viel aufgeben will, falls sie den Doktortitel verliert. Den Job als Familienministerin, die Chance auf den SPD-Vorsitz. Klar wisse sie um die Erwartungen, sagt Giffey, aber:

"Ich bin ja ein Mensch, der gerne für klare Worte steht. Und ich sag ja nicht, nur, weil ich nicht für den Parteivorsitz antrete, ich engagiere mich nicht. Sondern: Jeder Tag, jede Stunde meines Handelns ist für mich geprägt, auch etwas Gutes für die SPD zu tun!"

Perske jedenfalls wünscht Giffey, "dass sie das durchsteht und dass sie sich davon nicht unbedingt beeindrucken lässt". Er hoffe, dass sie nicht von der politischen Bühne verschwinde.

Verschwinden zu wollen - diesen Eindruck macht Giffey wahrlich nicht. Eher wirkt sie erleichtert, dass sie die Frage los ist, ob sie für den SPD-Vorsitz antreten will oder nicht. Doch die SPD bei den Landtagswahlen noch vor dem Absturz zu bewahren - das wird auch ihr kaum gelingen.

Chancen verbaut? Nö! Mit kämpferischer Franziska Giffey auf Sommertour
Angela Ulrich, ARD Berlin zzt. Riesa
22.08.2019 05:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. August 2019 um 06:20 Uhr.

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