Eine Frau sitzt alleine im Hildesheimer Dom. | Bildquelle: dpa

Debatte über Weihnachtsgottesdienste Draußen, drinnen oder ganz absagen?

Stand: 23.12.2020 11:26 Uhr

Reichen die Hygienekonzepte oder sollen Weihnachtsgottesdienste generell abgesagt werden? Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte hat dazu eine klare Meinung. Der EKD-Vorsitzende Bedford-Strohm will die Gemeinden selbst entscheiden lassen.

Weihnachten steht vor der Tür und die Debatte über Gottesdienst in Corona-Zeiten nimmt wieder Fahrt auf: Die Kirchen setzten auf Hygiene- und Abstandsregeln statt auf Komplettverbote. Die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst, Ute Teichert, appelliert allerdings wegen der weiterhin hohen Zahl der Corona-Infektionen an die Politik, Präsenzgottesdienste zu Weihnachten zu verbieten.

Gottesdienste in der Corona-Pandemie
tagesthemen 21:35 Uhr, 23.12.2020, Jan Koch, MDR

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"In diesem Jahr sollten Präsenzgottesdienste bundesweit untersagt werden", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Weil wir wissen, wie leicht sich das Virus gerade bei Gottesdiensten übertragen kann, dürfen wir zu Weihnachten angesichts der hohen Infektionszahlen kein zusätzliches Risiko eingehen", mahnte die Medizinerin.

Bedford-Strohm: Vor Ort entscheiden 

Für den evangelischen Landesbischof von Bayern, Heinrich Bedford-Strohm, ist das keine Option. Im Interview mit dem BR sagte er:  "Nein, keine generelle Absageempfehlung. Das muss jetzt vor Ort entschieden werden."  

Bedford-Strohm ist sich bewusst, dass das für die Gemeinden eine schwere Entscheidung ist. "Es gibt nur einen schmalen Korridor," betont er. Es gebe Menschen, für die ein Livestream-Gottesdienst eine ideale Alternative ist. Es gebe aber auch einsame Menschen, die einen Gottesdienst vor Ort benötigen, allerdings "nur unter den strengsten Hygieneauflagen." "Man muss schon sagen, es gäbe diese Ferienzeit nicht, es gäbe diese Feiertage nicht, es gäbe das alles nicht, wenn es nicht die Weihnachtsbotschaft gäbe", erläutert der evangelische Landesbischof seine Auffassung. "Es gibt schon gute Gründe, dass wir an diesem Weihnachtsfest auch die Möglichkeit haben, in den Kirchen die Weihnachtsbotschaft zu hören."

Der katholische Bischof Ulrich Neymeyr verteidigte das Grundrecht auf freie Religionsausübung auch in Pandemie-Zeiten. "Kirchen zu schließen, kommt gar nicht infrage", sagte der Bischof von Erfurt im MDR. Vielen Menschen sei es ein Anliegen, in die Kirche oder einen Gottesdienst zu gehen. "Wir brauchen solche Rückzugsorte."

CDU-Gesundheitspolitikerin: Würde Verbot mittragen

Die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Karin Maag, dagegen würde ein Verbot von Gottesdiensten in den Kirchen zu Weihnachten unterstützen. Maag sagte dem SWR: "Ich würde es in diesem Fall tatsächlich verbieten, weil wir in einer ganz schwierigen Lage sind.“ Sie gehe allerdings nicht davon aus, dass ein solches Verbot kommen wird. Eine Gottesdienst-Variante mit wenigen Gläubigen, viel Abstand, zugewiesenen Plätzen und keinem Gesang könne sie nachvollziehen, sagte Maag.

Dennoch appelliere sie an die Menschen, freiwillig auf die Teilnahme an Gottesdiensten zu Weihnachten zu verzichten: "Aus ärztlicher, virologischer und politischer Sicht wäre es schön, wenn wir dieses Jahr darauf verzichten und den Gottesdienst am Fernsehgerät verfolgen."

Auch der stellvertretende NRW-Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP) hatte die Kirchen aufgerufen, Präsenzgottesdienste über Weihnachten abzusagen. NRW- Ministerpräsident Armin Laschet überlässt es den Kirchen im Land trotz steigender Infektionszahlen, Weihnachtsgottesdienste stattfinden zu lassen. "Die Landesregierung wird keine Gottesdienste untersagen", sagt der CDU-Politiker. Es müssten aber strenge Regeln eingehalten werden. "Es gibt kein 'Oh du fröhliche'", betont der Politiker mit Blick auf das Gesangsverbot.

Vielerorts haben evangelische und katholische Gemeinden Präsenzgottesdienste zu Weihnachten abgesagt, ein staatliches Gottesdienstverbot gibt es jedoch in keinem der 16 Bundesländer. Wegen regionaler nächtlicher Ausgangssperren wurden Christmetten an Heiligabend teils vorverlegt.

Den Absprachen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder gemäß müssen Gottesdienstbesucher Abstand halten, Maske tragen und sich anmelden. Zudem ist Gemeindegesang untersagt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. Dezember 2020 um 10:33 Uhr.

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