Greiz in Thüringen | Bildquelle: dpa

Corona-Neuinfektionen Nur Greiz reißt die Obergrenze

Stand: 07.05.2020 15:17 Uhr

Corona-Hotspot Greiz: Der Landkreis in Thüringen hat die vereinbarte Obergrenze für Neuinfektionen überschritten. Damit müsste Greiz eigentlich im Lockdown bleiben. Entwarnung kommt dagegen aus Rosenheim.

Der Kreis Greiz in Thüringen ist bundesweiter Spitzenreiter neuer Corona-Nachweise. Bis heute lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche bei 80,5 (Stand 7. Mai 0.00 Uhr), wie aus einer Übersicht des Robert Koch-Instituts hervorgeht.

Damit ist der Ostthüringer Landkreis unter allen Kreisen und kreisfreien Städten der einzige bundesweit, wo der kritische Wert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner noch überschritten wurde. Diese Quote hatten Bund und Länder gestern als Obergrenze vereinbart - wird sie überschritten, muss das öffentliche Leben in der Region wieder erheblich eingeschränkt werden.

Bleibt Greiz im Lockdown?

Welche Folgen das Infektionsgeschehen in Greiz für geplante Lockerungen der bisherigen Corona-Maßnahmen etwa in der Gastronomie konkret hat, ist derzeit unklar. Das Landratsamt will im Laufe des Tages dazu informieren.

Zu Wochenbeginn hatte die Quote im Kreis Greiz noch bei 59,1 gelegen. Allerdings hatte es am Wochenende einen Massentest auf das Coronavirus mit 855 genommenen Abstrichen gegeben, bei dem ersten Ergebnissen zufolge etliche Infektionen festgestellt wurden. Der Kreis ist seit Ausbruch der Corona-Pandemie ein Hotspot in Thüringen mit bisher mehr als 500 nachgewiesenen Infektionen und mehr als 30 Todesfällen in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Als Ausgangspunkt gelten größere Familienfeiern Ende Februar und Anfang März.

Rosenheim liegt unter der Obergrenze

Auch Rosenheim in Oberbayern hatte zuletzt kritisch hohe Infektionszahlen. Doch aktuell unterschreitet die Stadt die vereinbarte Obergrenze deutlich. Laut RKI lag die Zahl bei 36,3 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. "Damit sind wir weit entfernt von der Grenze der 50", sagte der Pressesprecher der Stadt, Thomas Bugl, auf Anfrage. "Rosenheim ist auf einem deutlichen Weg der Besserung, und wir haben mit Sicherheit nicht die Gefahr eines absehbaren neuerliche Lockdowns."

Am Vortag habe der Wert noch bei 49 gelegen. Grund seien Testungen in drei Flüchtlingsunterkünften in der Woche zuvor gewesen, deren Ergebnisse nun wegen der Sieben-Tages-Frist in der Berechnung nicht mehr berücksichtigt würden. Die Unterkünfte seien weiter unter Quarantäne. "Wir haben dort noch einzelne Infektionsfälle." Mehrere Bewohner seien aber bereits genesen.

Studenten nähen Mundschutz-Masken.
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Auch in Rosenheim werden Masken genäht. Die Zahl der Neuinfizierten sank zuletzt.

Obergrenze als Notbremse

Die Vereinbarung einer Obergrenze war die Voraussetzung dafür, dass der Bund den Ländern bei den Corona-Lockerungen weitgehend freie Hand gab. Die Landesregierungen bestimmen ihren Kurs in der Pandemie-Bekämpfung nun selbst - und tragen damit auch die Verantwortung für die die weitere Entwicklung. Steigen jedoch die Infektionszahlen über die kritische Grenze, greift die "Notbremse". Bayerns Regierungschef Markus Söder sprach von einer "Notfall-Police".

Die Länder müssen dann sicherstellen, dass in Landkreisen oder kreisfreien Städten mit rechnerisch mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen sofort wieder ein konsequentes Beschränkungskonzept umgesetzt wird. Bei einem lokalisierten und klar eingrenzbaren Infektionsgeschehen, zum Beispiel in einer Einrichtung, kann dieses Beschränkungskonzept nur die betroffene Einrichtung umfassen.

Über dieses Thema berichten die tagesthemen am 07. Mai 2020 um 22:30 Uhr.

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