Grimme-Preis | Bildquelle: dpa

Grimme-Preisträger Kroymann, Böhmermann und Schayani ausgezeichnet

Stand: 26.02.2019 13:55 Uhr

Der Grimme-Preis gilt als einer der wichtigsten Preise für Qualitätsfernsehen in Deutschland. Jetzt wurden die Preisträger bekannt gegeben. Von 16 Auszeichnungen gehen 13 an öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten.

Zum 55. Mal zeichnet das Grimme-Institut herausragende TV-Leistungen aus. In diesem Jahr sind 72 Produktionen und Einzelleistungen nominiert. Insgesamt werden 16 Preise in den vier Kategorien Fiktion, Unterhaltung, Information und Kultur sowie Kinder und Jugend vergeben. 13 davon gehen an öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten, drei an private Anbieter. Die Auszeichnungen werden am 5. April 2019 im Theater der Stadt Marl verliehen.

"Die Story im Ersten - Am rechten Rand" hat sich in der Wettbewerbs-Kategorie "Information und Kultur" durchgesetzt. Der NDR- Journalist Michael Richter und die MDR-Journalistin Jana Merkel gehen mit Anton Maegerle der Frage nach, wie weit rechts die AfD steht. Die Begründung der Jury lautet, die NDR/MDR-Dokumentation sei "politische Auflärung auf höchstem Niveau". Es sei die "beste Reportage" über die AfD, "die im deutschen Fernsehen bisher zu sehen war". Weiter heißt es: "Präzise und pointiert, gut recherchiert und immer untermauert durch harte Belege decken Jana Merkel und Michael Richter die Verflechtungen der AfD mit vielen eindeutig rechtsradikalen und verfassungsfeindlichen Gruppierungen auf."

Szene aus ''Die Story im Ersten - Am rechten Rand'' | Bildquelle: NDR/Sebastian Heidelberger
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"Die Story im Ersten - Am rechten Rand" sei die "beste Reportage" über die AfD, so die Jury.

Publikumspreis für Netzwelt-Doku

Der Grimme-Publikumspreis geht an die Dokumentation "Im Schatten der Netzwelt - The Cleaners", eine Ko-Produktion von WDR, NDR und rbb. Hans Block und Moritz Riesewieck decken darin auf, welchen Einfluss die Online-Zensur sozialer Netzwerke auf unser Denken hat und wie die Schattenindustrie aufgebaut ist, die sie betreibt. Die Jury des Grimme-Preises lobte owohl die inhaltliche Aufbereitung als auch die gestalterische Umsetzung. Es fände Aufklärung im besten Sinne statt.

Szene aus ''Im Schatten der Netzwelt – The Cleaners'' | Bildquelle: WDR/gebrueder beetz filmprodukti
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Die Dokumentation "Im Schatten der Netzwelt - The Cleaners" deckt auf, welchen Einfluss die Online-Zensur sozialer Netzwerke auf unser Denken hat.

Mit dem Preis für eine "Besondere Journalistische Leistung" in der Kategorie Information und Kultur wird die Journalistin Isabel Schayani ausgezeichnet. Die Jury lobte die besondere Qualität ihrer Tagesthemen-Kommentare, Weltspiegel-Moderationen und WDRforyou-Beiträge. Schayani hat unter anderem einen Facebook-Livestream für das Portal WDRforyou gemacht, das sich in vier Sprachen insbesondere an Geflüchtete richtet.

Isabel Schayani
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Für "Besondere Journalistische Leistung" wird die Journalistin Isabel Schayani ausgezeichnet.

Außerdem zählt der Dokumentarfilm "Kulenkampffs Schuhe" (SWR/HR) zu den Preisträgern in der Kategorie Information und Kultur. Regisseurin Regina Schilling zeichnet darin am Beispiel beliebter TV-Shows die Nachkriegszeit und ihre eigene Familiengeschichte nach. Ausgezeichnet wurde auch die Dokumentation "Betrug - Aufstieg und Fall eines Hochstaplers" (SWR). Ein Spezialpreis geht an den WDR-Dreiteiler "Ungleichland - Reichtum, Chancen, Macht" und das dazugehörige Online-Konzept.

"Kroymann" wieder ausgezeichnet

In der Kategorie "Unterhaltung" geht erneut ein Grimme-Preis an die Comedyserie "Kroymann" von Radio Bremen, SWR und NDR. Nach der Debüt-Folge im vergangenen Jahr werden nun auch die Folgen zwei bis sechs ausgezeichnet. In diesem Jahr hat die Serie außerdem bereits den Deutschen Fernsehpreis als "Beste Comedy" erhalten. In der nach ihr benannten Sendung nehmen Maren Kroymann und Headautor Sebastian Colley alles auseinander, was politisch korrekt wirkt. Zur Begründung heißt es, in all ihren Rollen lege Kroymann eine wunderbare Vielfältigkeit an den Tag, sowohl was den Humor als auch das Schauspiel betreffe.

Maren Kroymann | Bildquelle: Radio Bremen
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In der Comedyserie "Kroymann" lege Kroymann eine wunderbare Vielfältigkeit an den Tag, urteilte die Jury.

Außerdem befand die Jury die Sat.1-Sendung "CATCH!" mit Comedian Luke Mockridge für preiswürdig.

Der bereits mehrfach ausgezeichnete Moderator und Fernsehmacher Jan Böhmermann und sein Team erhalten die begehrte Fernsehauszeichnung in diesem Jahr für "Lass dich überwachen! - Die Prism Is A Dancer Show" vom ZDF/ZDFneo zum Umgang mit persönlichen Daten im Internet.

Jan Böhmermann | Bildquelle: dpa
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Braucht bald einen größeren Vitrinenschrank: Zu Jan Böhmermanns vier Grimme-Preisen kommt ein weiterer hinzu.

2019 sei aber auch erneut ein starkes Serienjahr, befand die Jury. In der Kategorie Fiktion werden beispielsweise "Hackerville" (HBO Europe/TNT Serie), "Bad Banks" (ZDF/Arte) und "Beat" (Amazon Prime Video) mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Im Fiktionswettbewerb zeichnet die Jury neben den drei Serien auch die ARD-Komödie "Familie Lotzmann auf den Barrikaden" und den Berliner "Tatort: Meta" aus.

In der Kategorie "Kinder und Jugend" wird zum ersten Mal ein Spezialpreis vergeben: Die Jury zeichnet Marco Giacopuzzi "für seine herausragende Autorenleistung, sein Gespür für Themen und Protagonisten und die sensible und berührende Umsetzung von Beiträgen" zur Reihe "Schau in meine Welt" (HR) aus. Für das funk-Format "Bohemian Browser Ballett" (SWR) gibt es ebenso einen Preis wie für die vom SWR verantwortete KiKA-Reihe "Animanimals".

Gegenwartsthemen im Fokus

Instituts-Direktorin Frauke Gerlach stellte bei der Bekanntgabe der Grimme-Preisträger einen besonderen Fokus auf Gegenwartsthemen fest. Es habe sich in allen Kategorien beobachten lassen, "wie aktuelle Diskurse um Cyberkriminalität, Rechtspopulismus oder soziale Ungerechtigkeit durch mitreißend inszenierte, umfassend recherchierte, aber auch humoristische Geschichten transportiert werden".

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 26. Februar 2019 um 12:04 Uhr.

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