Grünen-Chef Robert Habeck und Spitzenkandidat Ludwig Hartmann springen von der Bühne im Münchner Wahlbüro. | Bildquelle: dpa

Wahl in Bayern Grüner Höhenflug

Stand: 15.10.2018 12:05 Uhr

Die Grünen sind die Gewinner der Landtagswahl in Bayern. Doch dass sie mitregieren dürfen, ist eher unwahrscheinlich. Dabei zeigen die Ergebnisse in Großstädten: Die Grünen enteilen den Volksparteien.

Rekordergebnis, grünes Konfetti, Stagediving auf der Wahlparty: Die Grünen gehören zu den Siegern der Bayern-Wahl. Mit 17,5 Prozent der Stimmen und 38 Abgeordenten im neuen Landtag wurden sie zweitstärkste Kraft nach der CSU.

Für Parteichef Robert Habeck ist das Ergebnis ein "Veränderungsauftrag". Er sieht seine Partei als neue Zentrumskraft. Nur - was wird aus dem grünen Selbstverständnis? Wie es aussieht, hat die Partei schlechte Chancen auf eine Regierungsbeteiligung. Denn Ministerpräsident Markus Söder sieht sich von der einstigen Öko-Partei "inhaltlich meilenweit entfernt".

Wahlparty der Grünen in München | Bildquelle: REUTERS
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Erleichterung um 18 Uhr: Die Grünen-Politiker Henrike Hahn, Robert Habeck und Anton Hofreiter feiern in München.

Zu attraktiv sind für die CSU die Freien Wähler als Koalitionspartner. "Das ist quasi eine Koalition der CSU mit sich selbst", sagt Habeck und schickt hinterher: "Ich glaube, das ist dem historischen Tag von Bayern einfach nicht angemessen."

Stark in den Städten

Das grüne Spitzenduo sagt zu den Gesprächen mit Söder: "Natürlich sind wir bereit, Verantwortung für dieses schöne Land zu übernehmen", sagt Spitzenkandidatin Katharina Schulze. Zusammen mit dem 40-jährigen Ludwig Hartmann steht die 33-Jährige für den grünen Aufbruch in Bayern.

Das Grüne Spitzenduo Katharina Schulze und Ludwig Hartmann | Bildquelle: LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/REX/S
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Das Grüne Spitzenduo Katharina Schulze und Ludwig Hartmann

Am deutlichsten zeigt der sich in den Städten: In München lösten die Grünen die CSU als stärkste Kraft bei einer Landtagswahl ab und holten 30,3 Prozent der Stimmen. Die CSU kam nur noch auf 25,2 Prozent.

Insgesamt konnten die Grünen sechs Direktmandate bei der Landtagswahl holen - fünf in der Landeshauptstadt, eines in Würzburg. Eine Premiere für die Grünen. Insgesamt legten sie im Vergleich zu 2013 in den Großstädten 16 Prozentpunkte zu.

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Umfragen zu den Grünen

Bild: Grünen-Wähler: Sehr wichtig für meine Wahlentscheidung

Laschets Angst vor der grünen Konkurrenz

In Großstädten sind die Grünen inzwischen so stark, dass so mancher Unionspolitiker sich der neuen Konkurrenz deutlich bewusst wird. So ließ sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im ARD-Morgenmagazin zu der Aussage hinreißen, dass die Grünen "in jeder Stadt über 100.000 Einwohner in Bayern vorne" lägen.

Ganz so stark ist die Partei aber doch nicht: Zwar haben sie in allen acht Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern in Bayern gut abgeschnitten - teilweise deutlich über 20 Prozent. Die CSU überholt haben sie jedoch nur in München.

Grüne gegen die "Bräsigkeit"

Zulauf bekommen die Grünen sowohl aus dem CSU-Lager als auch von enttäuschten SPD-Wählern. Gewählt werden sie weniger für ihr Personal, sondern für ihr Programm. Das zeigen die Befragungen von Infratest dimap.

Für die Parteispitze gilt es nun, den Rückenwind aus Bayern zu nutzen - für ein gutes Wahlergebnis in Hessen und eine eventuelle Neuwahl im Bund. Derzeit liegen die Grünen in der Sonntagsfrage bei 17 Prozent und scheinen der SPD den Rang abzulaufen.

Auch wenn Habeck nicht auf ein Scheitern der GroKo setzt und derzeit im Wartemodus verharren muss, sieht er seine Partei als Antreiber gegen die "Bräsigkeit". Die ehemaligen Volksparteien wüssten nicht, wie sie mit der Dynamik umgehen sollten. "Das liegt doch nicht daran, dass wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Oktober 2018 um 12:00 Uhr.

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