Räumung im Hambacher Forst mit Polizei

Streit um Braunkohlerevier Großeinsatz im Hambacher Forst

Stand: 06.09.2018 07:34 Uhr

  • RWE räumt im Hambacher Forst Barrikaden weg
  • Polizei nimmt fünf Aktivisten fest
  • Braunkohlegegner planen Mahnwache vor der Staatskanzlei

Zur Diskussion über die Räumungsaktion

Rund 200 RWE-Mitarbeiter haben am Mittwoch (05.09.2018) im Hambacher Forst Barrikaden weggeräumt. Es seien auch Gräben und Erdlöcher zugeschüttet und Müll entfernt worden, sagte ein RWE-Sprecher.

Im Laufe des Einsatzes waren insgesamt fünf Rodungsgegner von der Polizei festgenommen worden. Nach Polizeiangaben verlief der Einsatz weitgehend ohne Störungen. Eine angemeldete Demonstration am Hambacher Forst verlief am Mittwochabend friedlich.

Am Donnerstag (06.09.2018) werden die Aufräumarbeiten und der Polizeieinsatz im Hambacher Forst fortgesetzt. Zwischenfälle gab es nach Polizeiangaben bislang nicht. Währenddessen rufen Initiativen gegen den Braunkohleabbau und Umweltverbände zu einer gemeinsamen Mahnwache vor der Düsseldorfer Staatskanzlei am 13. September auf.

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Das große Aufräumen im Hambacher Forst

Die Polizei stehen in einem Camp von Umweltaktivisten..

Wenige Wochen vor einer möglichen Rodung im Hambacher Forst hat der Energiekonzern RWE am Mittwoch (05.09.2018) damit begonnen, in dem Wald aufzuräumen. Eskortiert wird das Unternehmen dabei von einem Großaufgebot der Polizei. | Bildquelle: dpa

Rodungsgegner festgenommen

Schon am Mittwoch wurden die Räumungsarbeiten von Hundertschaften der Aachener Polizei eskortiert. Laut Polizei waren die Beamten mit Pyrotechnik beschossen und von Holzplattformen mit Urin und Fäkalien bespritzt worden. Zudem seien Gegenstände zum Bau von Zwillen und Geschossen gefunden worden und ein mit Nägeln gespickter Autoreifen. Sechs Polizeifahrzeuge seien durch Metallkrampen und Krähenfüße beschädigt worden.

Die Polizei fand nach eigenen Angaben auch eine Bomben-Attrappe und ein nicht funktionsfähiges Katapult. Rodungsgegner, die in Baumhütten im Wald campen, forderten per Megafon den Abzug der Polizei. Eine Person hatte sich in einem knapp drei Meter tiefen Loch festgekettet. Zwei Beamte seien bei dem Einsatz leicht verletzt worden.

Ein Räumungsfahrzeug im Hambacher Forst
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Räumungsfahrzeug im Hambacher Forst

Räumung bis 1. Oktober

Zum 1. Oktober, wenn die Rodungen beginnen dürfen, soll der Wald geräumt sein. Der Aachener Polizeisprecher Paul Kemen sagte dem WDR: "Wir schützen diese Arbeiten als Polizei. Das ist unser Auftrag. Wir nehmen aber gleichzeitig die Gelegenheit wahr, nach der Gewalteskalation der letzten Tage alles sicherzustellen, was Polizeibeamten bei möglichen folgenden Einsätzen gefährlich werden kann - sprich: Molotowcocktails, Wurfgeschosse, Krähenfüße."

Brandsätze auf Polizisten geworfen

Jan Pütz vom Aktionsbündnis "Unterholz" kündigte an: "Sobald die Polizei NRW hier als Handlanger von RWE beginnen sollte, im Wald Bäume zu fällen oder Baumhäuser zu roden, werden wir mit Hunderten Menschen mit Aktionen zivilen Ungehorsams die Rodungen stören." Die Zahl der Rodungsgegner wird auf 60 bis 100 geschätzt. Etliche gehören der linksautonomen Szene an.

160 Hektar Wald will RWE bis März 2019 fällen. Das kann noch das Oberverwaltungsgericht Münster verhindern. Dort hat der "Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland" Klage eingereicht. Eine Entscheidung wird für Ende September erwartet.

Braunkohlegegner bei einer Mahnwache am Hambacher Forst
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Braunkohlegegner mit einer Mahnwache während der Räumungsaktion

Gegen die Abholzung gibt es seit Jahren Proteste. Umweltschützer fordern einen schnellen Ausstieg aus der schädlichen Braunkohle und zumindest ein Rodungsmoratorium, solange die bundesweite Kohlekommission tagt.

Großeinsatz im Hambacher Forst
wdr
06.09.2018 15:30 Uhr

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