Zwei Angestellte in Frankfurt trinken am Mainufer zum Feierabend Apfelwein  | Bildquelle: dpa

Vor der Landtagswahl Hessen geht es gut, aber ...

Stand: 22.10.2018 05:00 Uhr

Am kommenden Sonntag wählen die Hessen einen neuen Landtag. Dem Land geht es gut. Die Wirtschaft boomt. Doch auf der Kehrseite des Erfolgs steigen die Mieten. Straßen und der Bahnverkehr sind überlastet.

Von Sebastian Kisters, hr

In einem Durchschnittssommer scheint die Sonne in Hessen 586 Stunden lang. In diesem Jahr gab es 790 Sonnenstunden - gefolgt von einem goldenen Oktober. Das Wetter passt zu vielen Wirtschaftsdaten im Land.

Da ist zum Beispiel der Tourismus. Der Norden des Landes schmückt sich mit Rekorden. Seit Kassels Bergpark 2014 zum Welterbe der UNESCO ernannt wurde, ist die Stadt internationales Trendziel. Immer mehr Touristen machen in Kassel Station. Bedingt auch durch die Documenta gab es im vergangenen Jahr erstmals mehr als eine Million Übernachtungen.

Noch besser steht Willingen im Sauerland mit 1,3 Millionen Übernachtungen da. Zum Vergleich: Garmisch-Partenkirchen kam zuletzt auf rund 1,6 Millionen.

4,4 Prozent Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit in Hessen ist so gering wie seit einem halben Jahrhundert nicht. Durchschnittlich liegt sie bei 4,4 Prozent. Nur drei Bundesländer stehen besser da: Bayern (2,8 Prozent), Baden-Württemberg (3,1 Prozent) und Rheinland-Pfalz (4,2 Prozent).

Viele mittelständische Betriebe bringen auch in der Fläche Beschäftigung. Fulda im Osten Hessens meldete zuletzt beispielsweise nur einen Arbeitslosenquote von 2,7 Prozent.

Der Frankfurter Flughafen wächst

Verlässlicher Jobmotor im Rhein-Main-Gebiet ist der Frankfurter Flughafen. Mehr als 80.000 Menschen arbeiten am Airport. Vor der Sommersaison suchte der Betreiber Fraport im Land neues Personal. Vergeblich. Schließlich schaute man sich in Kroatien, Griechenland und Bulgarien um.

Und der Flughafen wächst weiter. Am 29. Juli dieses Jahres wurden 237.966 Passagiere gezählt. So viele wie niemals zuvor an einem Tag. Insgesamt werden in diesem Jahr rund 69 Millionen Fluggäste in Frankfurt starten oder landen.

Die Fraport baut gerade ein drittes Terminal. Das Besondere daran: Das Unternehmen stemmt das Projekt allein und ist dabei im Zeitplan. Zum Vergleich: Für den Berliner Flughafen sind bislang sieben Milliarden Euro Steuergelder geflossen. Der Frankfurter Flughafen zahlt Stadt und Land dagegen Gewinne aus. Der Airport ist zwar an der Börse notiert, jedoch mehrheitlich im Besitz des Landes und der Stadt Frankfurt. 71 Millionen Euro erhielten sie zuletzt aus der Dividenden-Ausschüttung.

Luftaufnahme des Flughafens Frankfurt | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Mehr als 80.000 Menschen arbeiten am Flughafen Frankfurt. Er gilt als Jobmotor im Rhein-Main-Gebiet und soll weiter ausgebaut werden.

Baukräne in der ganzen Stadt

Viele Menschen leben vom Flughafen. Gleichwohl leiden auch viele darunter. Seit 2011 demonstrieren jeden Montag Hunderte Ausbaugegner im Terminal, die unter Fluglärm leiden. Anders als noch bei der vergangenen Landtagswahl, ist der Flughafenausbau und das weiter erwartete Wachstum aber kein großes Thema im derzeitigen Wahlkampf.

Der Flughafen wird in Frankfurt als eigener Stadtteil geführt. Er ist nicht der einzige der boomt. Kräne in der ganzen Stadt strecken sich wie Ausrufezeichen in den Himmel: Diese Stadt wächst und lässt sich nicht bremsen.

Die Mieten steigen und steigen

Monat für Monat ziehen derzeit etwa 1000 Menschen in die Metropole am Main. Wer auf Wohnungssuche geht, hat es schwer. Die Mieten steigen und steigen. Die Preise für Bauland haben sich in nur zehn Jahren verdoppelt. Aus Unternehmen, die Häuser bauen, heißt es, dass bis zu 60 Prozent der Käufer eigentlich nicht nach Wohnungen, sondern einer Kapitalanlage suchen. Die Wut vieler Wohnungssuchender wächst. Laut einer Prognose der Landesregierung braucht Hessen bis 2040 eine halbe Million zusätzliche Wohnungen.

Und ins Umland ziehen? Dort steigen die Preise ebenfalls, und Schiene und Straßen sind jetzt schon überlastet. Frankfurt ist Deutschlands Pendlerhauptstadt. Laut einer IHK-Studie pendeln täglich 362.000 Menschen nach Frankfurt.

Der Brexit befeuert den Boom zusätzlich. Im Bankenbereich ist Frankfurt Hauptgewinner. Bis jetzt haben 25 Brexit-Banken den Finanzplatz am Main auserkoren, Paris kommt zurzeit auf sieben, Dublin und Luxemburg auf sechs.

Hessen geht es gut. Doch das Rhein-Main-Gebiet ächzt unter dem Erfolg.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 22. Oktober 2018 um 00:11 Uhr und 04:38 Uhr.

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