Die Spitzenkandidaten für die Hessen-Wahl (von links nach rechts): Janine Wissler (Die Linke), René Rock (FDP), Priska Hinz (Grüne), Volker Bouffier (CDU), Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD), und Rainer Rahn (AfD). | Bildquelle: dpa

Wahl in Hessen Wer könnte mit wem?

Stand: 24.10.2018 05:43 Uhr

Am Sonntag wird in Hessen gewählt. Für eine Fortsetzung von Schwarz-Grün könnte es knapp nicht reichen. Laut Umfragen sind nur Mehrheiten für Dreierbündnisse ziemlich sicher. Wie realistisch sind diese?

Von Sandra Tzschaschel, HR

Das Ende von Schwarz-Grün steht in Hessen wahrscheinlich bevor, und schuld daran wäre die derzeitige Schwäche der CDU. Sie hat in den Vorwahlbefragungen zuletzt massiv verloren, wohingegen die Grünen auch in Hessen einen Höhenflug erleben. Sie könnten sogar die SPD als zweitstärkste Kraft im Bundesland ablösen.

Die SPD verlor wie die CDU weiter an Zustimmung und verzeichnete zuletzt einen historischen Tiefstand. Eine Große Koalition hätte nach den jüngsten Umfragen ebenso wie Schwarz-Grün keine Mehrheit. Ein Dreierbündnis scheint der einzig gangbare Weg in Hessen zu sein, falls nicht eine der denkbaren Zweier-Koalitionen am Wahltag spürbar besser abschneidet als in den Vorwahlumfragen.

Grün-Rot-Rot oder Rot-Grün-Rot?

Rein rechnerisch würde es laut den aktuellsten Umfragen auf jeden Fall sowohl für Grün-Rot-Rot als auch für Rot-Grün-Rot reichen. Der Spitzenkandidat der Grünen, Tarek Al-Wazir, will kein Bündnis ausschließen - außer eines mit der AfD. Der Grund für seine Zurückhaltung ist die Ungewissheit, ob am Ende seine Partei tatsächlich zweitstärkste Kraft im Wiesbadener Landtag wird.

Inhaltlich gibt es Schnittmengen der drei Parteien: Wohnungsnot, Kita-Gebühren, Lehrermangel. Allerdings hielten die Grünen die Linkspartei zuletzt für nicht regierungsfähig, während Linken-Spitzenkandidatin Janine Wissler der Öko-Partei vorwarf, Mehrheitsbeschaffer für die CDU geworden zu sein. SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel schloss ein Bündnis mit der Linkspartei nicht aus. Er kämpft darum, Ministerpräsident in Hessen zu werden. Es ist sein dritter Anlauf auf das Amt.

Die Spitzenkandidaten für die Hessen-Wahl | Bildquelle: dpa
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Die Spitzenkandidaten für die Hessen-Wahl - aufgenommen vor einer TV-Diskussion. In der hinteren Reihe stehen (von links nach rechts gesehen) Rainer Rahn (AfD), Volker Bouffier (CDU) und Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD). In der vorderen Reihe: Priska Hinz (bildet zusammen mit Tarek Al-Wazir das grüne Spitzenduo), René Rock (FDP) und Janine Wissler (kandidiert zusammen mit Jan Schalauske für die Linkspartei). Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließen alle anderen Parteien aus, sonst sind diverse Bündnisse denkbar.

Jamaika - mit der FDP als "Anhängsel"?

Schwarz-Grün-Gelb wäre in Wiesbaden auch eine Option. Seit einer Legislaturperiode präsentieren sich CDU und Grüne als überraschend verlässliche Partner ohne große Meinungsverschiedenheiten. Auch jetzt im Wahlkampf werben beide Parteien mit dem gemeinsam Geleisteten.

Die FDP müsste quasi in das Bündnis nur noch einsortiert werden. Und genau dies könnte der Knackpunkt sein. Die FDP möchte nicht als Anhängsel einsortiert werden, sondern mit ihren Kernthemen punkten. Ihr Augenmerk richtet sich deshalb genau auf das Ministerium, das Grünen-Spitzenkandidat Al-Wazir führt: das Wirtschafts-, Verkehrs- und Energieministerium.

Wie dieser Konflikt in Koalitionsverhandlungen gelöst werden könnte, ist derzeit unklar. Der FDP-Spitzenkandidat René Rock betont vor allem die große Schnittmenge zwischen CDU und FDP. CDU-Chef Volker Bouffier hält Jamaika in Hessen für möglich und erinnert daran, dass er sich für Jamaika bei der Regierungsbildung im Bund stark gemacht hatte. Umso größer war seine Enttäuschung, als FDP-Chef Christian Lindner die Sondierung platzen ließ.

Eine Ampel - in zwei Varianten?

Den Umfragen zufolge sind auch zwei Varianten einer Ampelkoalition in Hessen denkbar - sowohl mit den Grünen als auch mit der SPD an der Spitze. SPD-Kandidat Schäfer-Gümbel schien lange dieses Bündnis als Lieblingsoption im Auge zu haben. Jetzt ist die Favoritenrolle allerdings ungeklärt.

Die FDP ist dem Bündnis nicht abgeneigt. Auch wenn Spitzenkandidat René Rock die Gemeinsamkeiten eher mit der CDU betont, schließt er eine Ampel nicht aus - allerdings nur unter Führung der SPD. Ein grüner Ministerpräsident Al-Wazir ist für die FDP nur schwer vorstellbar. Parteivorsitzender Lindner schloss dies sogar für seine hessischen Wahlkämpfer bereits aus. Die Grünen scheinen an einer tieferen Ampel-Diskussion kein großes Interesse zu haben. Sie erleben nach der Bayernwahl weiteren Aufwind und wären ohnehin bei allen möglichen Dreierbündnissen beteiligt.

Übrigens: Anders als in Bayern kennt die hessische Landesverfassung keine Frist für die Wahl des Regierungschefs und damit auch keine Frist für die Regierungsbildung insgesamt. Für Sondierungsgespräche bleibt also genügend Zeit.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 18. Oktober 2018 um 22:15 Uhr. Zudem berichtete über dieses Thema Deutschlandfunk am 22. Oktober 2018 um 05:53 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".

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