Jan Hofer | Bildquelle: NDR/Thorsten Jander

Jan Hofer verlässt die tagesschau Vom "Konfirmanden" zum Rekordsprecher

Stand: 14.12.2020 08:56 Uhr

Niemand war so lange tagesschau-Sprecher wie Jan Hofer. Nun steht nach fast 36 Jahren seine letzte Sendung an. Im Interview erzählt er von den Anfängen, den Herausforderungen an die Sprecher - und wie eine Flasche Rotwein fast alles ruiniert hätte.

tagesschau.de: Fast 36 Jahre vor der Kamera - keiner hat so lange die Tagesschau gesprochen, wie Sie. Gibt es eine Sendung, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Jan Hofer: Ich erinnere mich besonders intensiv an den Tag des Mauerfalls. Ich habe an dem Tag die Nachrichten in den Tagesthemen gesprochen. Die eigentliche Nachricht war ja schon in der 20-Uhr-Sendung, die Jo Brauner gesprochen hatte. Und nun erwarteten alle, dass an der Grenze richtig viel los sein würde. Das war aber zum Zeitpunkt der Sendung längst nicht überall so.

Robin Lautenbach stand als Reporter am Übergang in der Invalidenstraße. Dort war zwar noch kein DDR-Bürger zu sehen, aber er konnte berichten, dass an verschiedenen Grenzübergängen die Menschen begannen, von Ost nach West zu gehen. Die Mauer wurde endlich durchlässig. Das war sehr bewegend.

Tagesthemen vom 09. November 1989

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Oberstes Gebot: Zurückhaltung

tagesschau.de: Wie schafft man es in so einer Situation, gelassen zu bleiben? Ein Kennzeichen der Tagesschau ist ja die Zurückgenommenheit.

Hofer: An solchen Tagen ist der Adrenalinspiegel hoch, weil man nicht weiß, was als Nächstes geschieht. Du hast gar keine Zeit zum Nachdenken, weil du die ganze Zeit damit beschäftigt bist, eine gute Sendung hinzubekommen. Da können gar keine Emotionen hochkommen. Und es ist ein journalistisches Prinzip: Derjenige, der vor der Kamera sitzt, hat sich gefälligst zurückzuhalten. Es wäre fatal, wenn ich durch Gestik oder Mimik eine Meinung äußern würde. Damit wäre die Glaubwürdigkeit der Sendung zerstört.

tagesschau.de: Dennoch: Wenn einen ein Thema anfasst, ist doch die Gefahr höher, dass man gedanklich abschweift.

Hofer: Mir geht es häufig so bei Meldungen über Verbrechen an Kindern. Ich habe selber vier Kinder, und bei solchen Meldungen fällt es mir schwer, die Ruhe zu bewahren. Aber wenn man über etwas nachdenkt, was vorher gelaufen ist, kommen die Versprecher. Das muss man sich abtrainieren. Man darf nicht eine Sekunde darüber nachdenken.

tagesschau.de: Als Redakteur weiß ich, bei welchen Wörtern ich mich garantiert verschreibe. Gibt es Wörter, bei denen Sie wissen: Da wartet der Versprecher schon auf mich?

Hofer: Die gibt es, und die muss man vorher richtig üben. Aber dann klappt es. Ich hatte vor kurzem eine Meldung, in der das Wort "institutionell" vorkam. Davor hatte ich einen ziemlichen Respekt. Ich dachte, da verspreche ich mich. Aber es ist mir dann gut rübergegangen.

Und auch hier gilt: Wenn du einen Versprecher hattest, denke nicht darüber nach. Der nächste ist sonst programmiert. Im Übrigen: Einen Versprecher nimmt einem keiner übel, wenn es nicht zur Gewohnheit wird. Nur wenn jemand sich ständig verspricht, würde ich als Chefsprecher das Gespräch mit ihm suchen. Aber das ist zum Glück nicht vorgekommen.

1/19

Jan Hofer nimmt nach 35 Jahren Abschied von der Tagesschau

Jan Hofer (Archivbild 1985)

35 Jahre war Jan Hofer bei der tagesschau. Seine Anfänge als Moderator hatte Hofer im Saarland. Dort legte er als Discjockey Musik auf und war Moderator beim Saarländischen Rundfunk, gefördert von der "Hitparade"-Legende Dieter Thomas Heck. Den Lehrjahren beim Saarländischen Rundfunk folgte 1985 der Einstieg bei der tagesschau mit dem Aufstieg knapp 20 Jahre später zum Chefsprecher. | Bildquelle: NDR/Drischel

Angebot beim Umtrunk

tagesschau.de: Sie sind ausgebildeter Journalist. Wie kamen Sie zur Tagesschau?

Hofer: Ich arbeitete in den 1980er-Jahren beim Saarländischen Rundfunk, zunächst im Radio, und bekam dort die Chance, praktisch von heute auf morgen ohne Vorbereitung im regionalen Fernsehen zu moderieren. Eine meiner Sendungen sah dann der damalige Tagesschau-Chefsprecher Werner Veigel und sprach mich bei einem Umtrunk nach einem ARD-Treffen in Hamburg an. Er habe eine Vakanz, ob ich mir nicht vorstellen könne, zur Tagesschau zu kommen.

Ich dachte erst, Veigel wolle mich auf den Arm nehmen, drehte mich um - und stieß dabei eine Flasche Rotwein um, direkt auf die Hose von Veigel. Der NDR-Moderator Carlo von Tiedemann, der auch mit am Tisch war, sagte daraufhin zu mir: Damit ist die Karriere zu Ende, bevor sie begonnen hat. Es kam dann aber doch anders.

tagesschau.de: Sie kamen dann als Mittdreißiger ja in eine Riege sehr ehrwürdiger älterer, vor allem männlicher Kollegen und weniger Frauen - Karl-Heinz Köpcke, Veigel, Dagmar Berghoff, um nur einige zu nennen. Wie wird man da aufgenommen?

Hofer: Als ich zu meiner ersten Sendung morgens um zehn in der Redaktion erschien, sagte einer der älteren Redakteure: Was ist das denn - jetzt lassen die schon Konfirmanden hierher (lacht)! Aber natürlich haben die erst einmal versucht, mich zu testen. Ich habe bestimmt ein Jahr gebraucht, um mich wohl und heimisch zu fühlen. Das war eine eingeschworene Gemeinschaft. Es war schwer, da hineinzukommen.

Jan Hofer (Archivbild) | Bildquelle: NDR/Drischel
galerie

Die 1980er-Jahre bei der tagesschau - noch im alten Design, aber unverkennbar mit: Jan Hofer

tagesschau.de: Wenn Sie die 20-Uhr-Tagesschau sprechen - wann sind Sie dann in der Redaktion?

Hofer: Ich bin dann gegen 18 Uhr in der Redaktion, schaue mir vorherige Sendungen an, gehe in die Maske, lasse mich im Studio einleuchten und beschäftige mich dann mit den Texten. Ich spreche also mit den Redakteuren, die die Texte verfassen, ob diese gut sprechbar sind, ob man etwas ändern muss - wir haben da einen guten Dialog.

Den Einzelnen ansprechen

tagesschau.de: Und dann beginnt die Sendung, Sie sitzen alleine in einem hochtechnisierten Raum und wissen doch: Es schauen Ihnen zehn Millionen Menschen zu. Kommt Ihnen das nicht manchmal eigenartig vor?

Hofer: Diese Zahl darf für dich keine Rolle spielen. Ich sage meinen jüngeren Kollegen immer: Ihr macht Fernsehen nicht für zehn Millionen, ihr macht es für einen einzelnen Menschen, der euch sieht. Wenn du vor dem Fernseher sitzt, dann guckst du den Sprecher an und der guckt dich an. Der guckt keine zehn Millionen Menschen an. Du musst Fernsehen genau für den Einzelnen machen. Sonst besteht die Gefahr, dass du in einer Sendung mit nur 400.000 Zuschauern anders agierst.

tagesschau.de: Bekommen Sie viele Zuschriften von Zuschauern?

Hofer: Ich glaube, inzwischen hat mir jeder unserer Zuschauer einmal geschrieben ... (lacht) Früher hieß das Schreiben, Briefmarke aufkleben, Umschlag beschriften und war ein größerer Angang. Das hat manche abgehalten, bis der Zorn verraucht war. Diese Hemmschwelle gibt es in Zeiten von E-Mails nicht mehr.

Angriffe auf den Repräsentanten, nicht auf die Person

tagesschau.de: Ist der Ton rauer geworden?

Hofer: Ja. Früher haben mich Anfeindungen getroffen, bis ich begriffen habe, dass es eigentlich gar nicht so sehr um mich geht. Heute weiß ich, dass ich der Repräsentant eines Systems bin, das von einigen Menschen abgelehnt wird. Und da bin ich halt derjenige, der seinen Rücken hinhalten muss. Wenn ich wirklich bedroht werde, schalte ich unsere Rechtsabteilung ein.

Ich weiß im Übrigen, dass ich nicht bezahlt werde für die paar Minuten, die ich vor der Kamera sitze. Ich werde dafür bezahlt, dass ich an 24 Stunden, an 365 Tagen öffentlich bin und für diese Tagesschau und für dieses System stehe wie kein Zweiter.

tagesschau.de: Für Öffentlichkeit sorgen Sie aber auch selbst, indem Sie auf Social Media aktiv sind.

Hofer: Ich bin ein großer Fan von Instagram, weil man genau analysieren kann, wo die Follower sitzen und wer das ist. Und bei mir sind es in der Mehrzahl junge Leute zwischen 18 und 30 Jahren. Dass wir die erreichen, ist eine tolle Angelegenheit.

Aber es ist nicht nur Instagram. Wir haben vor Corona Veranstaltungen in Gegenden gemacht, wo wir viele Kritiker haben, wo "Pegida" und die AfD eine große Rolle spielen. Da ist mir immer unglaublich viel Sympathie und Vertrauen entgegengebracht worden. Und es ist uns, glaube ich, auch gelungen, den Menschen zu verdeutlichen, was wir als Tagesschau und öffentlich-rechtliches Medium eigentlich wollen, dass wir niemanden persönlich angreifen wollen, sondern einfach nur das darstellen, wie es nun mal ist.

Tagesschau on Tour in Mittweida: Professor Horst Müller, Dr. Kai Gniffke und Jan Hofer | Bildquelle: Helmut Hammer/Hochschule Mittwei
galerie

tagesschau on tour: In den vergangenen Jahren hat die Redaktion immer wieder auf regionalen Veranstaltungen den Kontakt zu den Zuschauern gesucht.

tagesschau.de: Eine weitere Facette des Sprecher-Daseins: Man wird prominent …

Hofer: … ob man will oder nicht. Wenn man es nicht will, sollte man den Job nicht machen. Es war für mich aber nicht schwierig, mich daran zu gewöhnen. Ich kannte es schon aus dem Saarland, wo ich bekannt wie ein bunter Hund war, und es potenzierte sich dann auf Bundesebene. Für diesen Job muss man ein bisschen ein Exhibitionist sein.

Im Blickfeld der Öffentlichkeit

tagesschau.de: Sie sind als Tagesschau-Sprecher immer auch ein bisschen Allgemeingut.

Hofer: Das ist so. Ich hatte unlängst Kontakt mit einem Menschen, der vor 45 Jahren in Saarbrücken einmal neben mir Laub geharkt hat und der festen Überzeugung war, ich müsse ihn noch kennen. Ich habe einen Moment gebraucht, bis ich verstanden habe, dass der mich weiterhin jeden Tag gesehen hat und ich ihm so nicht aus dem Gedächtnis entschwinden konnte.

tagesschau.de: Das bedeutet aber auch, dass alles, was Sie machen, öffentlich ist - jede Lebenswendung, jede Ehekrise, jede Hochzeit landet in den Boulevardmedien.

Hofer: Ich habe versucht, das soweit wie möglich aus der Öffentlichkeit zu halten. Es gibt zum Beispiel von meinen Kindern keine Fotos. Aber ganz lässt es sich nicht verhindern und da muss man durch - leider. Das waren Erfahrungen, die schmerzlich waren, weil Fotografen vor meinem Haus standen, weil es Berichte gab, die nicht stimmten.

tagesschau.de: Sie haben sich ein dickeres Fell zugelegt?

Hofer: Das muss du, sonst kannst du nicht mehr ruhig schlafen. Zwei Dinge sind für diesen Beruf wichtig: Man darf ihn nicht für sein Ego machen, weil man vielleicht berühmt werden will. Man muss die - vielen - Vorteile und die Nachteile aushalten können. Und man muss immer wissen, wo man herkommt. Ich bin ein Junge vom Niederrhein, mein Vater war Handwerker, wir lebten in normalen, bürgerlichen Verhältnissen, und das habe ich nie vergessen. Wer davonschwebt und sich für etwas Besonderes hält, ist schneller weg, als er glaubt.

tagesschau vor 20 Jahren, 11.11.1989
11. November 1989

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Wie sich die Nachrichtenwelt ändert

tagesschau.de: Das Nachrichtengeschäft hat sich in den vergangenen Jahren gravierend verändert. Was war für Sie die einschneidendste Änderung?

Hofer: Das war die Digitalisierung und die Schnelligkeit, mit der wir arbeiten. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wir haben 2011 Teile des Tsunamis und des Super-GAUs von Fukushima live übertragen. Wie lange hätten wir früher gebraucht, bis wir davon überhaupt erfahren und darüber berichtet hätten? Es hätte Tage gedauert, bis der Korrespondent vor Ort Bilder gehabt und diese nach Deutschland geschickt hätte.

Bis zu Beginn der 1990er-Jahre gab es eine Motorradstaffel, die Filme vom Flughafen abholte und dann in die Redaktion brachte, damit sie dort dann schnell bearbeitet werden konnten. Ich glaube, dass ein Teil der Unzufriedenheit mit den Medien heute auch daher rührt, dass wir alles jederzeit übertragen. Wir haben keine Atempause mehr.

tagesschau.de: Wird die Zurückgenommenheit und Neutralität auch in 20 Jahren noch das Kennzeichen der Tagesschau sein?

Hofer: Ich glaube, dass die Neutralität ein wichtiges Kriterium ist und sich in der Tagesschau nicht ändern wird. Die Tagesschau ist ja erfolgreicher als jemals zuvor, und wir haben das Glück, viele junge Zuschauer dazugewonnen zu haben. Das hat etwas mit Glaubwürdigkeit in Zeiten von Fake News zu tun. Dieses hohe Gut sollte man nicht aufs Spiel setzen.

tagesschau.de: Können Sie sich vorstellen, dass Ihre Kollegen mal durch künstliche Intelligenz ersetzt werden?

Hofer: Vor einigen Jahren haben wir auf tagesschau.de einen Aprilscherz gemacht, der darauf hinauslief, dass ich von einer neuseeländischen Spezialfirma biometrisch vermessen worden sei, damit ich demnächst von digitalen Avataren in Nachtsendungen ersetzt werden könne. Diese Meldung hat kaum einer als Aprilscherz wahrgenommen - selbst in der Redaktion. Viele halten das also schon für denkbar. Aber ein Computer kann nicht empathisch sein. Die kleinen Gesten, die ein Tagesschau-Sprecher machen kann, kann ein Computer - heute - noch nicht.

Einsatz kurz vor Neujahr

tagesschau.de: Kollegen sagen, Sie seien einer der verlässlichsten Menschen, den es gibt. Man könne Sie immer anrufen, egal, ob es in der Nacht oder an einem Feiertag ist - sie würden immer einspringen.

Hofer: Ich wohne ja auch in der Nähe. Ich bin auch schon Heiligabend eingesprungen oder am Silversterabend, als ich um zehn Minuten vor Mitternacht angerufen wurde, weil es den Verdacht auf ein Attentat gab. Wir hatten gerade die Sektflasche aufgemacht - um fünf nach zwölf war ich im Sender, und dann haben wir bis fünf Uhr morgens gesendet. Das ist mein Job, und das macht mir nichts aus.

tagesschau.de: Nun steht die letzte Sendung an. Mit welchen Gefühlen blicken Sie dem entgegen?

Hofer: Das weiß ich noch nicht genau. Aber ein bisschen mulmig wird mir schon. Die Tagesschau war ja auch ein bisschen Heimat mit Freunden, Kollegen und einem sozialen Umfeld. Daran werde ich sicher zu knapsen haben. Aber langweilig wird mir sicher nicht. Ich werde andere Dinge im TV machen, vielleicht auch einen Podcast - los werdet Ihr mich sicher nicht! Sicher ist nur: In den Dschungel gehe ich nicht! Außerdem habe ich einen kleinen Sohn, der mich fordert, und ich freue mich darauf, mehr Zeit für die Familie zu haben. Und ich werde zum ersten Mal seit Beginn meines Arbeitslebens ein Wochenende frei haben. Oder Silvester ...

Jan Hofer moderiert heute zum letzten Mal eine Tagesschau-Sendung - natürlich um 20.00 Uhr im Ersten.

Das Gespräch führte Eckart Aretz, tagesschau.de

Über dieses Thema berichtete die NDR Talk Show am 11. Dezember 2020 um 22:20 Uhr.

Darstellung: