Impfstoff Test Moderna | Bildquelle: dpa

Vor Impfstart am 27. Dezember Bund kauft mehr Impfdosen

Stand: 20.12.2020 01:54 Uhr

Kurz vor dem geplanten Start von Impfungen gegen das Coronavirus hat die Bundesregierung mehr Dosen des Biontech-Impfstoffs und des US-Herstellers Moderna gesichert. Damit könnten 68,2 Millionen Menschen in 2021 geimpft werden.

Die Bundesregierung hat mehr Dosen für Impfungen gegen das Coronavirus für Deutschland gesichert. Vom ersten Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer kommen aus einer EU-weiten Bestellung nun 55,8 Millionen statt zunächst vorgesehener 40 Millionen Dosen, wie das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage in Berlin mitteilte. Zuerst berichtete die "Bild am Sonntag" darüber. Daneben wurden über nationale Zusagen auch schon weitere 30 Millionen Impfdosen dieses Präparats gesichert.

Neben diesen insgesamt 85,8 Millionen Dosen sind demnach über das EU-Kontingent nun 50,5 Millionen Dosen des Impfstoffes des US-Konzerns Moderna gesichert. Das Präparat hatte in den USA am Freitagabend eine Notfallzulassung erhalten.

Impfungen für 68,2 Millionen Bürger

Gesundheitsminister Jens Spahn erklärte auf Twitter, es solle jedem, der 2021 geimpft werden wolle, auch so bald wie möglich ein Impfangebot gemacht werden. "Dazu haben wir schon mit den beiden in Zulassung befindlichen Impfstoffen ausreichend Dosen."

Für die zwei Präparate der Mainzer Firma Biontech und des US-Herstellers Moderna sind dem Ministerium zufolge nun insgesamt 136,3 Millionen Dosen sicher, die nahezu alle 2021 geliefert werden könnten. Mit je zwei nötigen Dosen ließen sich so rechnerisch 68,2 Millionen Bürger impfen - bei 83 Millionen Einwohnern in Deutschland.

Söder fordert mehr Tempo

CSU-Chef Markus Söder kritisierte unterdessen die Strategie der Bundesregierung beim Einkauf von Corona-Impfstoffen. "Beim Impfstoff brauchen wir mehr Tempo", sagte der bayerische Ministerpräsident der "Bild am Sonntag". "Es muss alles darauf ausgerichtet werden, mehr Impfstoff zu bekommen, der dann schneller verteilt wird." Das müsse "absolute politische Priorität sein", forderte Söder.

Derweil beschleunigte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) den Prozess der Impfstoff-Chargenüberprüfung und stellte in Aussicht, dass die Chargenfreigabe noch am Tag der Zulassung erteilt werden könnte. Schon vor der Chargenzulassung könne bereits die Verteilung des Impfstoffes an die Impfzentren beginnen, teilte das Institut der "Bild am Sonntag" mit.

Beurteilung der EMA am Montag

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA will an diesem Montag ihre Beurteilung über den ersten Impfstoff von Biontech und seines US-Partners Pfizer abgeben. Danach wird eine Zulassung durch die EU-Kommission erwartet.

Bund und Länder stellen sich dann auf einen Beginn von Impfungen am 27. Dezember ein. Sie sollen auch wegen der anfangs nur begrenzten Impfstoffmengen in mehr als 400 regionalen Impfzentren der Länder anlaufen. Mobile Impfteams sollen in Pflegeheime und Kliniken gehen.

Die gesicherten Mengen werden aber nicht auf einen Schlag, sondern erst nach und nach im Laufe des kommenden Jahres erwartet. Für das erste Quartal 2021 rechnet der Bund zunächst mit 11 bis 13 Millionen Dosen. Deswegen wird eine Reihenfolge festgelegt, welche besonders schutzbedürftigen Gruppen sich vorrangig impfen lassen können.

Nach einer Verordnung von Bundesgesundheitsminister Spahn sollen Ältere über 80 sowie Bewohner und Personal in Pflegeheimen zuerst zum Zug kommen. "Höchste" Priorität hat daneben auch Gesundheitspersonal mit sehr hohem Infektionsrisiko, etwa in Intensivstationen und Notaufnahmen. Es folgen zwei weitere Festlegungen für Gruppen mit "hoher" und "erhöhter" Priorität.

Dobrindt: "Impfvorbild" statt "Impfprivileg"

Vizekanzler Olaf Scholz verteidigte die Priorisierung. "Natürlich wäre es am besten, wenn alle sofort geimpft werden könnten. Da das nicht geht, muss man eine Reihenfolge festlegen nach klaren wissenschaftlichen Kriterien", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es sei richtig, zunächst die zu impfen, die Schutz besonders nötig hätten.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt forderte, die Politik sollte mit Blick auf Impfskepsis in Teilen der Bevölkerung eine Vorbildfunktion übernehmen. "Es geht nicht um ein Impfprivileg, sondern es geht um ein Impfvorbild", sagte er der dpa.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Dezember 2020 um 17:00 Uhr.

Darstellung: