Ausschnitt eines Impfpasses mit den Wörteren:  "Masern, Röteln, Mumps" | Bildquelle: dpa

Ethikrat zu Impfquoten "Auch Erwachsene einbeziehen"

Stand: 05.05.2019 00:20 Uhr

Die Bundesregierung bereitet Vorschläge für eine Impfpflicht in Schulen und Kitas vor. Doch der Deutsche Ethikrat kritisiert: Wer die Impfquote erhöhen wolle, müsse auch an die Erwachsenen denken.

Der Deutsche Ethikrat hat die Debatte um eine Masern-Impfpflicht in Deutschland kritisiert. Die Forderung nach einer Pflicht für Kinder sei eine Verkürzung und daher verfehlt, heißt es in einer Erklärung.

Die Wissenschaftler beklagen zudem eine "Unschärfe" des Begriffs Impfpflicht, da unklar sei, wie sie durchgesetzt werden solle. "Denkbare Sanktionen wären je nach Adressaten etwa Bußgelder, Ausschluss aus Kindertagesstätten oder Schulen, Einschränkungen der ärztlichen Berufsfreiheit oder sogar körperliche Zwangseingriffe", heißt es in der Erklärung. Erst eine Präzisierung der Sanktionen ermögliche eine angemessene ethische und rechtliche Abwägung, mahnt der Ethikrat.

Ein Mensch wird geimpft.
galerie

Impfpflicht: Der Ethikrat fordert eine differenzierte Debatte.

Problem Zweitimpfung

Nach Ansicht des Ethikrates werde zu Recht über Maßnahmen zur Erhöhung der Impfquoten für Masern diskutiert. Das Gremium hob aber hervor, dass fast die Hälfte aller an Masern Erkrankten in Deutschland Erwachsene seien. "Maßnahmen mit dem Ziel, die Masernimpfquote zu erhöhen, müssen als Adressaten sowohl Kinder als auch Erwachsene einbeziehen."

Die Wissenschaftler beklagen zudem eine unzureichende Berücksichtigung der Datenlage. Die Quote bei Erstimpfungen in Deutschland zum Zeitpunkt der Einschulung liege bei 97,1 Prozent, führt der Ethikrat aus. Probleme entstünden durch die unzureichende Quote von 92,9 Prozent bei den Zweitimpfungen, die für eine dauerhafte Immunisierung nach Einschätzung der Impfexperten nötig sind.

Stellungnahme im Juli

Der sogenannte Gemeinschaftsschutz, bei dem auch nicht-geimpfte Personen mitgeschützt sind, liegt bei einer Quote von 95 Prozent. Der Ethikrat will nach eigenen Angaben noch vor der im Juli beginnenden Sommerpause des Bundestages eine umfangreichere Stellungnahme zu dem Thema vorlegen.

Das interdisziplinär besetzte, 26-köpfige Gremium diskutiert ethisch umstrittene Themen und berät mit seinen Stellungnahmen Bundestag und Bundesregierung.

Die Bundesregierung bereitet Vorschläge für eine Impfpflicht vor, die Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Mai vorlegen will. Er hatte sich grundsätzlich für verpflichtende Masern-Impfungen für Kinder in Kitas und Schulen ausgesprochen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 24. April 2019 um 10:45 Uhr.

Darstellung: