Impfzentrum Wiesbaden | Bildquelle: Landeshauptstadt Wiesbaden / Sebastian Wenzel

Besuch in Wiesbaden Praxistest im Impfzentrum

Stand: 03.12.2020 13:16 Uhr

In ganz Deutschland werden Impfzentren aus dem Boden gestampft. Doch wie funktioniert eigentlich eine Impfstraße? Nach einem Praxistest in Wiesbaden ist klar: Es sind noch einige Probleme zu lösen.

Von Katja Sodomann, hr

Ein bisschen Stolz schwingt mit, als Marc Dieroff und Andreas Kleber, die Aufbauleiter des Wiesbadener Impfzentrums, ihre Fortschritte präsentieren: Die erste sogenannte Impfstraße im RheinMain CongressCenter in Wiesbaden ist fertig. Bis zum 11. Dezember sollen es acht sein. Ihr Aufbau-Team aus Freiwilliger Feuerwehr, DLRG, Technischem Hilfswerk und Messebauern liegt gut in der Zeit. Auch der erste Testdurchlauf hat funktioniert. Ähnlich wie hier wird es künftig in allen Impfzentren bundesweit ablaufen.

Zutritt gibt's nur fieberfrei

Am Halleneingang wird erst mal Fieber gemessen. Zutritt gibt’s nur fieberfrei. Anschließend werden die Daten der Impflinge geprüft und kontrolliert, ob sie eine Einladung zur Impfung bekommen haben. Erst dann kann man sich zur Impfung anmelden. Danach werden sie auf die Warteschlangen der acht Impfstraßen verteilt. Es ist ähnlich, wie beim Check-In am Flughafen - nur natürlich mit Abstand. Und mit Stühlen für jeden Impfling, denn vor allem zu Anfang werden viele ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen erwartet.

Aufbau von Impfzentren in Deutschland
tagesschau 12:00 Uhr, 03.12.2020, Katja Sodomann, HR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Flaschenhals: Aufklärungsgespräch

Pro Impfstraße gibt es vier Impfkabinen, in denen parallel geimpft werden kann. In einer davon steht auch eine Liege, falls jemand zum Beispiel zu Schwindel neigt. Doch vor der Impfung kommt das Aufklärungsgespräch. Dafür gibt es pro Impfstraße nur einen Raum, und jeder Impfwillige hat ein Anrecht darauf. Geschätzte Dauer: bis zu 15 Minuten. Marc Dieroff, der stellvertretende Leiter des Wiesbadener Gesundheitsamtes, nennt die Aufklärung den Flaschenhals des Impfvorganges, der die zeitlichen Vorgaben des Landes wohl sprengen könnte.

Die sind ohnehin eine große Herausforderung: Pro Tag sollen in der hessischen Landeshauptstadt 1500 Menschen geimpft werden, auch mit mobilen Impfteams aber vorwiegend im zentralen Impfzentrum. Jede der acht Impfstraßen soll 15 Stunden am Tag betrieben werden - in Doppelschichten von 7 bis 22 Uhr. "Pro Stunde müssen durch jede Impfstraße 12,5 Menschen, um die Vorgaben zu erfüllen, das macht knapp fünf Minuten pro Person", rechnet Dieroff aus. Dabei bräuchten manche Menschen schon fast solange, um sich aus den winterlichen Kleidungsschichten zu schälen und den Ärmel hochzukrempeln.

Impfzentrum Wiesbaden | Bildquelle: Landeshauptstadt Wiesbaden / Sebastian Wenzel
galerie

Pro Impfstraße gibt es vier Impfkabinen, in denen parallel geimpft werden kann.

Die Impfstraßen münden schließlich in einem geräumigen Beobachtungsbereich mit Stühlen. In der Mitte ist ein abgetrennter Notfallraum, falls Komplikationen auftreten. Die Empfehlung: hier nach der Impfung noch eine halbe Stunde abwarten.

Großer Personalbedarf

Doch bis es los gehen kann, sind noch einige Probleme zu lösen. Etwa das Personalproblem. "Woher sollen die Menschen kommen, die hier monatelang in Doppelschichten arbeiten sollen?", fragen sich wohl nicht nur Dieroff und sein Kollege Andreas Kleber vom Katastrophenschutz der Wiesbadener Feuerwehr.

Ordner, Helfer und vor allem medizinisches Personal werden gesucht, das aber jetzt auch in Praxen oder Krankenhäusern dringend benötigt wird. Pro Tag brauchen sie allein 16 Ärzte. Hessenweit werden rund 5000 Mediziner für die Impfzentren benötigt, schätzt Tobias Bräunlein, Leiter der hessischen Task Force Impfkoordination. Er hofft unter anderem auf den Einsatz von Ruheständlern. Eine bundesweite Schätzung oder Berechnung des Personalbedarfs gibt es laut Bundesgesundheitsministerium nicht. Es sieht die Verfügbarkeit von ärztlichem Personal als grundsätzlichen Engpass. Das Problem ist bei weitem nicht gelöst.

Bräunlein ist dennoch optimistisch. Der Vorsitzende des hessischen Hausärzteverbandes ist hingegen skeptisch. Schließlich seien die meisten Ärzte mehr als ausgelastet, sagt Armin Beck. Etwas anderes wäre es, wenn sie statt in Impfzentren wie sonst üblich nebenbei in der Praxis impfen könnten. Aber das ist zunächst noch nicht vorgesehen.

Impfzentrum Wiesbaden | Bildquelle: Landeshauptstadt Wiesbaden / Sebastian Wenzel
galerie

In Wiesbaden sind sie bald startklar, aber Impfstoff und Personal fehlen noch.

Woher kommt die Einladung zur Impfung?

Der Chef des Hausärzteverbands hat weitere Fragen, zum Beispiel: "Wie soll die Einladung der Impflinge erfolgen?" Denn zunächst sollen ja nur Bürger mit Einladung in die Impfzentren kommen. Wohl als erstes Risikogruppen, also ältere Menschen und solche mit Grunderkrankungen und anderen Risikofaktoren. Beim Alter könnte das Einwohnermeldeamt helfen. Doch wer informiert wen, wer die priorisierten Patienten mit Vorerkrankungen sind? Und das, ohne den Datenschutz zu verletzen? Die Krankenkassen? Die Hausärzte? Hierzu gab es noch keine Informationen, berichten sowohl Beck als auch Dieroff vom Impfzentrum.

Auch das hessische Innenministerium hat bislang noch keine Antwort auf diese Frage. Hier arbeitet man derzeit an einer IT-Lösung zur Erfassung der "priorisierten Personengruppen". Doch noch ist nicht mal festgelegt, wer genau diese Personengruppen sein sollen. Eine hessische oder gar bundeseinheitliche Umsetzung stehe daher noch aus.

Die Impfzentren wie das in Wiesbaden sind bald startklar sind, doch mit dem Aufbau allein ist es lange nicht getan. Der Impfstoff ist bei weitem nicht das einzige, was dann noch fehlt, damit die Covid-19 Impfungen auch wirklich starten und reibungslos ablaufen können.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Dezember 2020 um 12:00 Uhr.

Darstellung: