Corona-Hilfe für Eltern Extra Kinderkrankentage - ohne Attest

Stand: 12.01.2021 15:11 Uhr

Für Familien gibt es nun mehr Klarheit bei den geplanten zusätzlichen Kinderkrankentagen in diesem Jahr. Der Anspruch besteht auch für die Corona-bedingte Kinderbetreuung zu Hause. Allerdings gilt er nur für gesetzlich Versicherte.

Die Bundesregierung hat eine weitere finanzielle Hilfe für Eltern auf den Weg gebracht, die ihre Kinder wegen aus Infektionsschutzgründen geschlossener Schulen und Kitas zu Hause betreuen und dafür frei nehmen müssen. Mittels eines erweiterten Kinderkrankengeldes kann jedes Elternteil nun zusätzlich zu den bisherigen zehn Kinderkrankengeldtagen weitere zehn Arbeitstage im Jahr 2021 zu Hause bleiben, ohne ganz auf Einkommen verzichten zu müssen. Bei Alleinerziehenden verdoppelt sich der Anspruch. Ersetzt werden wie beim regulären Krankengeld 90 Prozent des Nettogehalts.

Nur gesetzlich Versicherte profitieren

Dieser Anspruch gilt jedoch nur für gesetzlich krankenversicherte Eltern. Das Kind muss ebenfalls gesetzlich versichert sein. Die Eltern können den Anspruch bei ihren Krankenkassen geltend machen, um einen Teil ihres Lohnausfalls erstattet zu bekommen. Hierfür reicht eine Bescheinigung der Schule oder Kita - ein ärztliches Attest wie bei den regulären Kinderkrankentagen ist nicht erforderlich.

Finanziert wird die Maßnahme aus Steuergeldern. Der Bund bewilligte 300 Millionen Euro aus Steuermitteln für die Liquiditätsrücklage der Kassen sowie eine "Spitzabrechnung" der tatsächlich dann gestellten Antragszahl Ende Juli mit eventuell weiterem Bundeszuschuss. Sie gilt rückwirkend ab dem 5. Januar 2021 für Kinder bis zum 12. Lebensjahr und bei Kindern, die eine Behinderung haben, auch über das 12. Lebensjahr hinaus.

Gesetzesänderung muss noch durch den Bundestag

Damit hat das Bundeskabinett seine Entscheidung per "Umlagebeschluss" bereits einen Tag vor der morgigen, regulären Sitzung auf den Weg gebracht, so dass sie auch diese Woche noch den Bundestag passieren kann. Im Grundsatz hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder diese Maßnahme vergangene Woche beschlossen.

So sollen Eltern nun zwischen einer Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz, dem "Corona-Sonderurlaub" mit einer Entschädigung von 67 Prozent des Nettogehalts, und dem Kinderkrankengeld wählen können. Das Kinderkrankengeld soll bereits gewährt werden, wenn die Präsenzpflicht an der Schule eingeschränkt ist, der Zugang zur Kita eingeschränkt wurde. Hierfür reicht eine Bescheinigung der Einrichtung - während Berufstätige beim "Corona-Sonderurlaub" nachweisen müssen, dass sie keine zumutbare Betreuung für die unter 13-jährigen Kinder sicherstellen konnten, etwa durch Großeltern, andere Familien oder die Notbetreuung der Schule oder Kita.

Millionen Menschen dürften darauf warten

Kinderkrankengeld zahlt die gesetzliche Krankenkasse normalerweise, wenn Eltern wegen der Pflege eines kranken Kindes nicht arbeiten gehen können. Millionen Menschen dürften darauf warten. Vor allem in Haushalten, in denen beide Elternteile berufstätig sind, dürfte es große Probleme geben, Arbeit und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen. Laut Statistischem Bundesamt waren 2019 in knapp 3,2 Millionen Familien mit jüngeren Kindern beide Elternteile erwerbstätig. Das entspricht gut zwei Dritteln (68 Prozent) aller Paarfamilien mit Kindern unter elf Jahren.

Auch Alleinerziehende stehen vor großen Problemen. Den Zahlen der Statistiker zufolge lebten zuletzt 1,1 Millionen Kinder im Kita- und Grundschulalter bei einem Elternteil. 581.000 Alleinerziehende mit Kindern unter elf Jahren waren 2019 erwerbstätig. Davon arbeiteten 41 Prozent in Vollzeit (241.000), die übrigen in Teilzeit. Der überwiegende Teil der erwerbstätigen Alleinerziehenden mit jüngeren Kindern waren Frauen (90 Prozent).

Fakten zum Kinderkrankengeld
Christopher Jähnert, ARD Berlin
12.01.2021 19:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. Januar 2021 um 16:40 Uhr.

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