Armin Laschet Der Abwägende

Stand: 20.04.2021 01:10 Uhr

Abwarten, überlegen, entscheiden: Armin Laschet hat Politik stets mit Bedacht geplant. Doch immer wieder musste er auch Rückschläge hinnehmen. Der CDU-Bundesvorstand hat nun für ihn als Kanzlerkandidaten gestimmt.

Von Franka Welz, ARD-Hauptstadtstudio

Eigentlich ist es paradox: Armin Laschet ist Bundesvorsitzender und nun wahrscheinlich auch Kanzlerkandidat einer Partei, in die er ursprünglich gar nicht eintreten wollte. "Irgendwann hat einer gesagt: Willst du nicht bei uns mitmachen, hier in der Jungen Union?", erzählte Laschet einmal. Doch das habe er erst nicht so richtig gewollt.

Aber der hartnäckige Freund ließ nicht locker. Mehrfach soll er ihm den Mitgliedsantrag in den Briefkasten geworfen haben. Laschet fand das lästig, sagte er später. Er trat aber tatsächlich als 18-Jähriger Ende der 1970er-Jahre in die CDU ein.

Andere rüttelten an Zäunen oder führen Erweckungserlebnisse an. Laschet hat erstmal "Nein" gesagt. Er dürfte der einzige deutsche Spitzenpolitiker sein, der mit der Politik anfing, um in Ruhe gelassen zu werden. Abwarten, taxieren, überlegen, dann erst entscheiden. Diesen Stil hat er beibehalten.

Nicht nur nach starren Regeln

Laschet, 60, gebürtig aus Aachen, katholisch, ist ein Workaholic der besonderen Art: "Im Rheinland ist man nie rigoros", hat er einmal gesagt. "Man versucht, Lösungen zu finden und man versucht, nicht nur nach starren Regeln zu folgen, denn das Leben ist oft anders als eine starre Regel."

In der Vergangenheit sind einige von Laschets Lösungen nach hinten losgegangen. 2015 gab Laschet nach 16 Jahren sein Ehrenamt als Lehrbeauftragter an der Technischen Hochschule Aachen auf. Zuvor hatte er Klausuren von Studierenden verloren und dann freihändig Ersatznoten rekonstruiert - auch für Studierende, die gar nicht mitgeschrieben hatten. Dadurch fiel die eigenwillige Notenvergabe erst auf. In der Laschet-Biografie "Der Machtmenschliche" wird ein ehemaliger Mitarbeiter mit den Worten zitiert, aus einem Laschet könne man drei Rheinländer machen.

Das C der CDU

Wenn Laschet über das C im Namen der Christlich Demokratischen Union spricht, ist das mehr als ein Lippenbekenntnis. In seinem Glauben scheint Laschet viele Antworten auf programmatische Fragen zu finden, die sich in seinem Alltag ständig stellen. "Natürlich hat das mein Leben geprägt. Von der frühesten Jugend an, über das Engagement in der Pfarrgemeinde, in Dritte-Welt-Gruppen", sagt er 2016 dem ZDF. "Bis heute, wo natürlich auch Politik aus einem christlichen Menschenbild gemacht werden muss."

Als Laschet dies dem ZDF-Reporter sagte, saßen die beiden übrigens im Aachener Dom. Er sprach mit gedämpfter Stimme. Das hätte wohl nicht jeder so gemacht. Während andere in der Politik ihre Botschaften immer polierter und marktgängiger machen, leistet Laschet sich seit Jahren den Luxus, auch über Religion zu reden.

"Ich bin Armin Laschet"

Neu erfunden hat Laschet sich nie. Er sagt eher, er sei wie er sei. "Ich bin vielleicht nicht der Mann der perfekten Inszenierung, aber ich bin Armin Laschet und darauf können Sie sich verlassen."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. April 2021 um 10:00 Uhr.

Korrespondentin

Franka Welz HR  | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo HR

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