Ivanka Trump und Kanzlerin Angela Merkel (Archiv) | Bildquelle: dpa

Ivanka Trump trifft Merkel Nicht zu unterschätzen

Stand: 25.04.2017 10:00 Uhr

Ivanka Trump ist in Berlin eingetroffen - laut Weißem Haus reiste sie auf "direkte Einladung" von Kanzlerin Merkel an. Beide wollen am W20-Gipfel teilnehmen. Wie viel Einfluss hat Ivanka eigentlich auf den US-Präsidenten? Ein Porträt.

Von Rolf Büllmann, ARD-Studio Washington

Ivanka Trump hat mit gerade mal 35 Jahren eine beachtliche Karriere vorzuweisen. Sie ist Besitzerin einer nach ihr benannten Mode- und Lifestyle-Firma, deren Wert auf etwa 50 Millionen Dollar geschätzt wird. Sie war Executive Vice President der Trump Organization ihres Vaters,  sie hat mitgearbeitet in seiner Fernsehshow "The Apprentice". Und jetzt ist sie offizielle Beraterin von Donald J. Trump, dem 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, mit eigenem Büro im Weißen Haus. "Sie wird die Augen und Ohren für ihren Vater sein, und ihn beraten, wie sie es als Erwachsene immer getan hat", sagte Jamie Gorelick, Ivanka Trumps Anwältin im Sender NPR über Ivankas Aufgabe im Weißen Haus.

Kritiker werfen Ivanka Trump vor, sich bei umstrittenen Themen nicht klar genug gegen ihren Vater gestellt zu haben. Sie selber sagte dazu: Man solle die Abwesenheit öffentlicher Erklärungen nicht mit Schweigen verwechseln, und weiter: "Mein Vater weiß, wenn ich anderer Meinung bin, und ich sage das auch ganz klar. Aber wenn wir übereinstimmen, unterstütze ich ihn und hoffe, ihm eine Hilfe sein zu können."

Donald Trump und seine Tochter Ivanka | Bildquelle: AFP
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Ivankas Rat ist wichtig für Trump.

Ivanka soll auf Militärschlag gegen Syrien gedrängt haben

Und es ist klar erkennbar, dass Donald Trump den Rat seiner Tochter wertschätzt. Sie soll ihn dazu gedrängt haben, mit einem Militärschlag gegen das Assad-Regime auf den Giftgasangriff in Syrien zu reagieren. Und von Anfang an war sie bei wichtigen Treffen dabei, die er als Präsident einberufen hat. Ende März zum Beispiel hatte er Kleinunternehmerinnen zu Gast im Weißen Haus und sagte: es sei eine Ehre, so unglaubliche Frauen begrüßen zu können, seine Tochter eingeschlossen. "Wir sind dankbar, dass sie hier bei uns sind", sagte Ivanka selber -  und sprach damit eindeutig für das Weiße Haus. Dann übernahm sie auch gleich die Leitung der Diskussion.

Familienmitglieder waren schon oft wichtige Berater

Nun ist es per se nicht ungewöhnlich, dass Präsidenten eng mit Familienmitgliedern zusammenarbeiten. Bill Clinton hat sich immer auf den Rat seiner Frau Hillary verlassen, John F. Kennedy machte seinen Bruder zum Jusitzminister,  Eleanore Roosevelt galt als unverzichtbare Beraterin ihres Mannes Franklin Delano Roosevelt. Doch im Falle der Trump-Familie kommt eben dazu, dass alle - auch Ivanka - so sehr in die Geschäftswelt verstrickt sind, dass Interessenskonflikte schier unvermeidbar sind.

China erteilte Genehmigungen für Ivanka in Rekordzeit

So wurden mehrere Patente, die Ivanka Trumps Firma in China angemeldet hatte, gerade an dem Tag genehmigt, an dem sie gemeinsam mit ihrem Vater den chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Florida bewirtete. Die Genehmigung sei in Rekordzeit erteilt worden, sagte Peter Riebling, ein Patentanwalt aus Washington: "Die chinesische Regierung sollte einen Strafzettel für zu schnelles Fahren bekommen, ich habe mir den Nacken verrenkt, als ich mir das angeschaut habe - so schnell hat das geklappt." Und deshalb fällt es schwer, dabei an Zufall zu glauben.

Weshalb auch die Kritik daran nicht verstummt, von Kathleen Clark zum Beispiel, einer Expertin für politische Ethik an der Washington Universität in St. Louis: "Die größte Sorge ist weniger, ob Ivanka als Person ihre Position missbraucht, sondern dass das einfach noch ein Beispiel dafür ist, wie in diesem Weißen Haus Ethikregeln geschwächt werden."

"Women20 Summit"

Die W20 ("Women 20") sind offizielle Treffen frauenpolitischer Vertreterinnen und weiblicher Führungskräfte mit Repräsentanten der großen Industrie- und Schwellenländer (G20). Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt gemeinsam mit der Tochter des US-Präsidenten, Ivanka Trump, in Berlin am "Women20 Summit" teil. Ziel der Veranstalter ist, Frauen in eine bessere wirtschaftliche Lage zu versetzen, ihnen mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verschaffen sowie eine größere Beteiligung am Unternehmertum zu ermöglichen. Auch die Königin der Niederlande, Maxima, die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland und die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, kommen zu der Tagung. Insgesamt werden rund 100 Delegierte aus zahlreichen Ländern erwartet.

Ivankas Firmen boomen

Ivanka Trump jedenfalls hat von der Präsidentschaft profitiert. Die Geschäfte ihrer Firma boomen und haben in den vergangenen Monaten einen klaren Aufwärtstrend erlebt. Und ihr Einfluss ist größer denn je: Sie und ihr Mann Jared Kushner, auch er ein Berater des Präsidenten, gelten als das einflussreichste Paar Washingtons.  Und in gewisser Weise gilt für Ivanka Trump damit auch das, was Horst Seehofer mal über Angela Merkel gesagt hat: Wer sie unterschätzt, hat schon verloren.

Jared Kushner und Ivanka Trump | Bildquelle: dpa
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Jared Kushner und Ivanka Trump gelten als einflussreichstes Paar Washingtons.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. April 2017 um 05:17 Uhr.

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