CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer | Bildquelle: ALEXANDER BECHER/EPA-EFE/REX

Deutschlandtag der Jungen Union Die U-Frage

Stand: 11.10.2019 12:02 Uhr

Von wegen leichtes Heimspiel: Der Deutschlandtag der Jungen Union in Saarbrücken dürfte für CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer kein Selbstläufer werden. Die Debatte über eine Urwahl zur Kanzlerkandidatur könnte brisant werden.

Von Franka Welz, ARD-Hauptstadtstudio

Die Geister, die sie rief, halten Annegret Kramp-Karrenbauer auf Trab. Als frischgebackene CDU-Chefin hatte sie den Delegierten beim außerordentlichen Deutschlandtag der Jungen Union in Berlin noch zugerufen, die Union müsse politische Debatten bestimmen und sie nicht anderen überlassen. Außerdem forderte sie, die CDU werde das nur hinbekommen, wenn die Junge Union eine starke Stimme habe und diese starke Stimme auch zu Gehör bringe. Das war Mitte März.

Tilman Kuban von der Jungen Union | Bildquelle: dpa
galerie

Tilman Kuban, seit März Chef der Jungen Union, treibt die Debatte über eine Urwahl voran.

Urwahlfrage steht im Raum

Rund sieben Monate später nutzen Teile der Jungen Union ihre starke Stimme, um eine spezielle Version der Gretchenfrage zu stellen: Die Urwahlfrage. Tilman Kuban, im März zum neuen Chef gewählt, ist offen für diese Diskussion:

"Ich persönlich habe im Sommer schon eingefordert, dass wir ein Verfahren festlegen, bei dem wir klar machen, wie wir zur Kanzlerkandidatin, zum Kanzlerkandidaten als Union kommen. Jetzt gibt es einige Anträge aus Kreis- und Bezirksverbänden, aber auch unterstützt von einigen Landesverbänden, die die Urwahl einfordern - und wir werden genau das diskutieren."

CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer | Bildquelle: REUTERS
galerie

Als Parteichefin automatisch auch Kanzlerkandidatin? Die Diskussion könnte auch beim Parteitag in Leipzig eine Rolle spielen.

Eine Frage des Verfahrens

Die Frage, ob Parteimitglieder künftig über die Besetzung von Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur entscheiden sollen, will Kuban buchstäblich als Verfahrensfragen verstanden wissen und nicht etwa als Angriff auf Kramp-Karrenbauer. "Kramp-Karrenbauer ist unsere gewählte Bundesvorsitzende, und wir unterstützen sie auf ihrem Weg, die CDU zu erneuern. Und sie hat natürlich noch ein Zugriffsrecht als Parteivorsitzende."

Denn sollte der Antrag auf Urwahl in Saarbrücken eine Mehrheit bekommen, würde er satzungsgemäß beim CDU-Parteitag im November landen. Dort, in der Leipziger Messe, könnte die Sache eine Eigendynamik entwickeln, die die ohnehin schon angeschlagene Kramp-Karrenbauer, aber auch die Partei beschädigen könnte.

Keine Angst vor den Mitgliedern

Die Befürworter einer Urwahl in der Jungen Union sehen das naturgemäß anders. Wer Volkspartei sein wolle, dürfe keine Angst vor den Mitgliedern haben. Das meint etwa Christian Doleschal. Er ist Landeschef der CSU in Bayern und sitzt außerdem im Europaparlament. Wer die Mehrheit des Landes hinter sich bringen wolle, müsse zunächst die Partei auf seine Seite bringen, um erfolgreicher Kandidat zu sein, so Doleschal.

Ein solches Verfahren führe zu einer höheren demokratischen Legitimation und für Mitglieder könne es ein Anreiz sein, wenn sie auch bei großen Fragen mitbestimmen könnten, meint der Europapolitiker der CSU.

Merz, Laschet und Spahn bei der außerordentlichen Vorstandssitzung der NRW-CDU | Bildquelle: FREDERIC SCHEIDEMANN/EPA-EFE/REX
galerie

Merz, Laschet und Spahn (von links nach rechts) werden beim Deutschlandtag der Jungen Union erwartet.

Vorsitzende gegen Urwahl

Die CDU-Vorsitzende selbst lehnte die Idee der Urwahl vor wenigen Tagen im Gespräch mit dem Sender NTV recht eindeutig ab: "Die Union hat bisher mit guten Gründen immer gesagt, dass sie diesen Weg nicht folgt."

Man wird sehen, wie die Delegierten sich verhalten werden. In die Debatte eingreifen kann Kramp-Karrenbauer nicht. Die Abstimmung findet voraussichtlich Samstag statt. Die CDU-Chefin stößt aber erst am Sonntag hinzu.

Der im Wettbewerb um den CDU-Vorsitz knapp unterlegene Friedrich Merz spricht hingegen bereits am Freitag. Und für Samstag haben sich mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet und CSU-Chef Markus Söder weitere ambitionierte Unionspolitiker angekündigt.

Deutschlandtag Junge Union: Die Urwahlfrage
Franka Welz, ARD Berlin
11.10.2019 09:13 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Oktober 2019 um 09:00 Uhr.

Darstellung: