CSU-Chef Söder, Archivbild | Bildquelle: LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/Shutt

K-Fragen-Dilemma der Union Drei Fragezeichen, ein Ausrufezeichen

Stand: 24.07.2020 04:30 Uhr

Die Suche nach dem Kanzlerkandidaten der Union sorgt für Unruhe in CDU und CSU. Vor allem weil CSU-Chef Söder die möglichen Kandidaten der Schwester in den Schatten stellt. Die Folge: Teils kuriose Planspiele in der CDU.

Von Franka Welz, ARD-Hauptstadtstudio

Der Außenpolitiker Norbert Röttgen gilt nicht umsonst als eine der hellsten Kerzen in der CDU, allerdings nicht als Lichtgestalt, wollte allerdings auch nie eine sein. Die Führungsfrage werde in der CDU diskutiert, "als käme da der Messias, der alles irgendwie richtet. Das ist ein Irrglaube."

So rügte Röttgen schon, als er im Februar seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz erklärte. Statt eines Messias hat die Union nun eine Debatte am Hals, über die etwa CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak nur gequält lachen kann: "Das halte ich für eine Diskussion, die jetzt überhaupt nicht zielführend ist."

Söder stellt CDU-Riege in den Schatten

Zielführend oder nicht: Die Diskussion, ob der, der CDU-Chef werden will, auch Kanzler werden wollen muss, ist in der Welt und wirft ein Schlaglicht auf ein großes Dilemma bei der CDU: Die bisher drei Anwärter auf den Parteivorsitz, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet, Ex-Unions-Fraktionschef Friedrich Merz und der einstige Bundesumweltminister Norbert Röttgen wirken in der K-Frage derzeit eher wie die drei Fragezeichen, während das Ausrufezeichen sich klar verortet.

Bei CSU-Chef und dem bayerischen Ministerpräsident Markus Söder stimmt derzeit offenbar alles. Die Bilder: Söders blau-weiße Maske muss nicht jedem gefallen, aber sie sitzt. Armin Laschet konnte das nicht immer von sich behaupten und von Merz und Röttgen gibt es derzeit schlicht kaum Bilder. Das Corona-Management: Laschet hat mit seiner Variante seinen eigenen Höhenflug vorerst ausgebremst. Die Umfragewerte - eine deutliche Mehrheit der Deutschen kann sich Söder im Kanzleramt vorstellen. Merz, Laschet, Röttgen? Dagegen im Tiefflug. Natürlich müsse der künftige CDU-Chef den Anspruch haben, auch Kanzlerkandidat der Union zu werden, meint Röttgen, und setzt nach:

"Dass er aber, wenn die Entscheidung anders ausgeht, auch die andere Rolle annehmen wollen und können muss, nämlich CDU-Vorsitzender zu sein, aber nicht Kanzlerkandidat zu sein."

Spahns Rolle als möglicher CDU-Vorsitzender

Röttgen könnte sich also wohl mit der Söder-Option arrangieren. Team Laschet offenbar nicht - "heiße Luft" ätzte NRWs-Innenminister Herbert Reul gegen einen möglichen Kanzlerkandidaten Söder - ob das souverän war, mögen die Chronisten beurteilen. Zumal auch der stille Teilhaber im Team Laschet, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, als einer gilt, der im Zweifelsfall den CDU-Vorsitz übernehmen, die Kanzlerkandidatur aber etwa Söder überlassen könnte.

Zuletzt hieß es, manch einer in der CDU erwäge sogar, Laschet einen goldenen Fallschirm anzubieten - Landung in Schloss Bellevue als nächster Bundespräsident. Trostpreis Staatsoberhaupt - ein bemerkenswertes Planspiel, das aber niemand im Konrad-Adenauer-Haus offiziell bestätigen will.

"Es ist jetzt auch wichtig, dass wir diese Debatte um diese Personalfrage nicht dauernd befeuern. Das heißt, weniger über das Wohl einzelner Karrieren zu reden, als vielmehr sich um die Mehrzahl der Menschen zu sorgen."

So lautet derzeit wohl Söders frömmster Wunsch, denn eine zufriedene Mehrheit wählt, so die Hoffnung, im kommenden Jahr dann auch mehrheitlich die Union.

Landtagswahlen weiterer Risikofaktor

Hier liegt übrigens das nächste Risiko für den möglichen Kanzlerkandidaten. Denn vor der Bundestagswahl im Herbst liegen mehrere Landtagswahlen, unter anderem in Sachsen-Anhalt und Thüringen - ein schwaches Abschneiden der CDU wäre eine schwere Hypothek für einen Kanzlerkandidaten und Parteichef in Personalunion. Ein weiteres Argument für Söder? Der erwartet von seinen Parteifreunden vor allem, "dass sie nicht ständig über das eine Thema reden, sondern sich lieber um die Sachpolitik kümmern."

Die Frage bleibt: Kann die CDU Söders Höhenflug noch stoppen und will sie das überhaupt? Es wäre der dritte Versuch, einen CSU-Mann ins Kanzleramt zu bringen - und 2002 hätte das für Edmund Stoiber sogar fast geklappt - allerdings unter anderen Vorzeichen. Aber es gilt eben auch: Wer hoch fliegt, fällt unter Umständen tief. Und erlösen kann die CDU sich letztlich nur selbst.

Die K-Frage - Dilemma in der Union
Franka Welz, ARD Berlin
24.07.2020 06:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. Juli 2020 um 06:09 Uhr.

Korrespondentin

Franka Welz HR  | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo HR

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