Markus Söder im Hofgarten der Bayerischen Staatskanzlei | Bildquelle: dpa

Ambitionen des CSU-Chefs Was und wohin will Söder?

Stand: 02.08.2020 02:01 Uhr

Bayern oder Berlin? Kanzlerkandidatur ja oder nein? Im Rennen um die Nachfolge Merkels liegt CSU-Chef Söder unionsintern vorne - zumindest in Umfragen. Doch die K-Frage hat das Potenzial, die Union zu spalten. Söder ist heute im ARD-Sommerinterview zu Gast.

Von Stephanie Stauss, ARD-Hauptstadtstudio

In der heißen Phase der Corona-Krise verging gefühlt kaum ein Tag, an dem sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder nicht zu Wort meldete. Söder schuf Fakten, preschte vor und setzte sich durch seine besondere Strenge in der Wahrnehmung vieler an die Spitze des Corona-Krisenmanagements.

Auch wenn seine Alleingänge im Kreis der Ministerpräsidenten teilweise auf Unmut stießen, präsentierte sich Söder als Taktgeber. Und er suchte sich Verbündete: erst Österreichs Kanzler Sebastian Kurz, dann seinen grünen Ministerpräsidenten-Kollegen Winfried Kretschmann und die Kanzlerin.

Wohlüberlegte Signale

Im ARD-DeutschlandTrend vom Mai sprachen sich 53 Prozent für den CSU-Chef als Unions-Kanzlerkandidaten aus. 33 Prozent sprachen sich für Friedrich Merz aus, auf Platz 3 und 4 folgten NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Norbert Röttgen. Wenn auch mit nachlassender Vehemenz, beteuert Söder seit Monaten gebetsmühlenartig: "Mein Platz ist in Bayern!"

Mit Blick auf die Kanzlerkandidatenfrage in der Union sendet er dennoch wohlüberlegte Signale: die Kutschfahrt mit der Kanzlerin, Merkels Besuch auf Schloss Herrenchiemsee. Oder auch diesen Satz: "Nur wer Krisen meistert, wer die Pflicht kann, der kann auch bei der Kür glänzen."

Söder will seinen Einfluss im Bund ausbauen, und nicht wenige interpretieren seine Vorstöße so, dass er sich weiter um die Kanzlerkandidatur im Gespräch halten will. Was will Söder? Diese Frage treibt auch die CSU um. Die Aussicht, dass ein Christsozialer Kanzler werden könnte, dürfte vielen in Söders eigener Partei gefallen. Wann, wenn nicht jetzt?

Eigenständigkeit der CSU wäre bedroht

Merkel geht, und bisher scheint es in der CDU keinen Bewerber zu geben, der völlig überzeugt. Aber in der CSU eben Söder. "Wenn er gefragt wird, dann muss er", heißt es aus CSU-Kreisen. Doch es gibt auch Zweifel und die Befürchtung, dass die CSU dann ihre Eigenständigkeit gegenüber der CDU verlieren könnte. Die jahrzehntelang eingeübten Querschüsse der Christsozialen gegen "Berlin" wären mit einem Kanzler Söder nicht mehr möglich.

Das über Jahrzehnte praktizierte "System CSU" müsste sich massiv verändern. Denn jahrelang gefiel sich die CSU darin, in Berlin mitzuregieren und gleichzeitig mit Vorhaben wie der PKW-Maut oder dem Familiengeld eine Sonderrolle einzunehmen.

Wer könnte in Bayern auf Söder folgen?

Und auch der Blick nach Bayern wirft in der Partei Fragen auf. Wer sollte Söder als Ministerpräsident nachfolgen? "Aufdrängen tut sich da derzeit keiner" ist zu der Frage aus der Partei zu hören. Auch dank Söder kommt die CSU im aktuellen BayernTrend des Bayerischen Rundfunks bei der Sonntagsfrage auf 49 Prozent. Wenn also jetzt Landtagswahl wäre, könnte sie mit einer absoluten Mehrheit rechnen.

Wer, wenn nicht Söder könne diese zurückgewinnen, nachdem die Partei vor zwei Jahren - unter Söder - noch das zweitschlechteste Landtagswahlergebnis ihrer Geschichte eingefahren hatte: Auch diese Frage stellt sich so mancher in der CSU. Söder selbst gibt sich ebenso eloquent-höflich wie defensiv. Konkreten Fragen nach seinen Ambitionen weicht er aus.

Angriffe aus der CDU lässt er unkommentiert. Angesprochen auf eine mögliche Kanzlerkandidatur Söders empörte sich kürzlich Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul mit den Worten: "Heiße Luft und eine Politik, die auf Inszenierung setzt." In München wurde diese Attacke sicherlich registriert, eine Reaktion gab es aus der CSU aber nicht.

Ebnet Söder den Weg für Schwarz-Grün?

Durchaus aber treibt einige in der Union Söders Politikstil um. Wie belastbar ist sein neuer Kurs, wie zum Beispiel sein vehementes Werben für mehr Klimaschutz? Tritt er ernsthaft dafür ein oder handelt er nur dann, wenn das Thema gerade die Schlagzeilen beherrscht? Oder ebnet er damit den Weg für Schwarz-Grün auf Bundesebene?

Auch haben viele nicht vergessen, wie Söder in der Vergangenheit aufgetreten ist: Provozierend, zuspitzend, polternd, je nach Amt und Funktion. Und ist die CDU bereit, bei den derzeitigen Umfragewerten der kleinen Schwester CSU den Kanzlerkandidaten zu überlassen? Zwei Zahlen dürften Söder geschmeichelt haben. Laut BR-BayernTrend sagen 77 Prozent der Menschen im Freistaat, der CSU-Chef wäre ein guter Kanzlerkandidat. 56 Prozent allerdings wollen ihn als Ministerpräsident in Bayern behalten.

Geht er oder geht er nicht? Vielleicht hilft bei der Beantwortung dieser Frage ein Satz, den man hin- und wieder aus seinem Umfeld hört: "Söder ist einer, der nie zufrieden ist, mit dem was er schon hat."

Das ARD-Sommerinterview ist heute im Livestream auf tagesschau.de ab 14:00 Uhr zu sehen. Anschließend stellt sich Söder bei "Frag selbst!" den Fragen der Userinnen und User. Im Ersten wird das Interview um 18:05 Uhr ausgestrahlt.

Über dieses Thema berichtete die Sendung "Bericht aus Berlin" am 02. August 2020 um 18:05 Uhr.

Korrespondentin

Stephanie Stauss, BR | Bildquelle: Tanja Schnitzler Logo BR

Stephanie Stauss, BR

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