Zuschauer in Regenkleidung in Köln | Bildquelle: dpa

Rosenmontag Der Sturm kam - der Zug auch

Stand: 04.03.2019 18:42 Uhr

Das Sturmtief "Bennet" konnte die meisten nicht schrecken: Die Karnevalisten machten bei den Rosenmontagszügen nur wenige Abstriche bei der Feierlaune. Allerdings gab es auch ein paar Absagen.

Die Narren haben dem Sturmtief "Bennet" getrotzt: Trotz heftiger Böen und Regenschauern bahnten sich die Karnevalszüge in den Hochburgen Köln, Mainz und Düsseldorf ihren Weg durch die Stadt - in leicht abgespeckter Form. So verzichteten die Karnevalisten in allen drei Städten auf Pferde.

Hunderttausende auf der Straße 

Der Mainzer Carneval-Verein schätzte, dass etwa 450.000 Menschen den Umzug am Straßenrand verfolgten, etwas weniger als sonst. Die Düsseldorfer gingen von ungefähr 600.000 Besuchern aus. In Köln hieß es, der Zulauf sei höher als im vergangenen Jahr. Eine seriöse Schätzung sei aber unmöglich.

Kölner Zug erst in letzter Minute genehmigt

Das Festkomitee Kölner Karneval hatte erst am Morgen endgültig entschieden, dass alle großen Motivwagen mitfahren konnten. Die Düsseldorfer mussten bis zum Schluss zittern, denn bei ihnen gilt für den Zug eine feste Grenze von Windstärke 7 - mehr darf nicht sein.

Narr mit Schirm | Bildquelle: AP
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In Köln ließen sich die Jecken durch das schlechte Wetter ihre Stimmung nicht vermiesen.

Allerdings mussten die Kölner Jecken wegen der Sturmwarnungen auf Schilder, Fahnen und tragbare Großfiguren verzichten; auch die Pferde der Reitercorps blieben im Stall. Später regnete und stürmte es aber auch in Köln, wo in diesem Jahr unter dem Motto "Uns Sproch es Heimat" gefeiert wurde.

Mehrere Züge abgesagt

In mehreren Städten wurden Karnevalszüge abgesagt, so in Bottrop und Hattingen im Ruhrgebiet oder in Fulda und Seligenstadt in Hessen. In vielen anderen Städten begannen die Züge später. Augsburg sagte wegen starker Böen eine Open-Air-Feier auf dem Rathausplatz ab.

Unfall in Aachen

Beim Rosenmontagszug in Aachen fiel ein 24-jähriger Mann aus einem Fenster etwa sieben Meter tief auf eine Zuschauerin. Beide kamen schwer verletzt in ein Krankenhaus. Die Polizei geht von einem Unfall aus.

Trump, AfD und GroKo beliebte Ziele des Spotts

Die beliebteste Zielscheibe der Narren war - wieder einmal - US-Präsident Donald Trump. In Düsseldorf hielt er als "Schmutzengel" seine schützenden Hände über den saudischen Prinzen Mohammed bin Salman mit einer bluttriefenden Kettensäge - eine Anspielung auf die Ermordung des saudischen Regierungskritikers Jamal Khashoggi. Die Mainzer zeigten Trump als klimavergiftendes Rindvieh, die Kölner als Golfspieler, der Klimaabkommen und Iran-Deal wegschießt.

Ein Motivwagen des Düsseldorfer Karnevals zeigt eine Figur von Joseph Goebbels, der eine Björn-Höcke-Figur wie ein Baby in den Armen hält. | Bildquelle: dpa
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Das provokante Motiv des Wagenbauers Tilly in Düsseldorf

Als besonders politisch und provokant erwiesen sich einmal mehr die Düsseldorfer Wagen von Jacques Tilly. Der rote Faden bei ihm war diesmal das Thema Rechtspopulismus - etwa in Italien, Polen und nicht zuletzt in Deutschland. So zeigte ein bis zuletzt geheim gehaltener Wagen den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke mit NS-Propagandaminister Joseph Goebbels. Höcke war als Baby in Windeln dargestellt, Goebbels hielt ihn in die Höhe wie ein Vater seinen Sohn. Das Motiv wurde bis zum Start auf die Zugstrecke unter einer Plane versteckt.

Natürlich bekam auch die Bundespolitik ihr Fett weg: Der SPD-Dampfer lief in Köln auf den Eisberg "Groko" auf, Kanzlerin Angela Merkel schredderte sich wie ein Bild des Künstlers Banksy. Im Düsseldorfer Zug war Merkel erstmals seit 2005 nicht mehr mit dabei.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. März 2019 um 12:00 Uhr.

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