Betende Hände von Priestern | Bildquelle: picture alliance / dpa

Reaktionen auf Studie Machtmissbrauch "unerträglich"

Stand: 25.09.2018 17:08 Uhr

Tiefgreifende Veränderung in der Kirche, schonungslose Aufklärung und höhere Entschädigungen: Die Forderungen nach der Vorstellung der Studie zum Missbrauch in der katholischen Kirche sind eindeutig. Auch der Papst äußerte sich.

Nach der Veröffentlichung der Studie über Missbrauch in der katholischen Kirche haben Politiker und Wissenschaftler Konsequenzen angemahnt. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey forderte eine "ehrliche und umfassende Aufarbeitung". Zugleich betonte sie, dass das Thema Missbrauch nicht auf die Kirche beschränkt sei.

Justizministerin Katarina Barley spricht im Bundestag | Bildquelle: dpa
galerie

Justizministerin Katarina Barley forderte die Bistümer auf, Verantwortung zu übernehmen.

Bundesjustizministerin Katarina Barley forderte, die Bistümer und Orden müssten Verantwortung für jahrzehntelanges Vertuschen und Verleugnen übernehmen. "Wie massiv aus dem Inneren der Kirche heraus Vertrauen, Abhängigkeiten und Macht missbraucht wurden, ist unerträglich." Nur wenn sich die Kirche ernsthaft der Debatte über Machtstrukturen und Sexualmoral stelle, könne sie Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Barley verlangte, dass die Kirche jede Tat anzeigen müsse. Der Rechtsstaat könne nur funktionieren, wenn ihm Taten gemeldet würden.

"Kirche muss sich ändern"

Auch die frühere deutsche Vatikan-Botschafterin Annette Schavan plädierte für "tiefgreifende Veränderungen" in der Kirche. Papst Franziskus habe immer wieder Klerikalismus und Machtmissbrauch angeprangert, sagte sie im rbb.

Der Papst machte die Missbrauchsskandale dafür verantwortlich, dass sich viele junge Leute von der katholischen Kirche abwenden. Viele Jugendliche würden die Kirche nicht mehr als einen bedeutsamen Gesprächspartner wahrnehmen, sagte der Pontifex. Die Kirche müsse sich ändern, damit sie die Jugend nicht verliere.

"Manche wollen ausdrücklich in Ruhe gelassen werden, denn sie empfinden die Präsenz der Kirche als lästig, ja unangenehm. Sie sind empört über die Skandale sexueller und finanzieller Art, denen gegenüber sie keine klare Verurteilung sehen", sagte er.

Heiner Keupp, Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, zum Ausmaß
tagesschau24 15:00 Uhr, 25.09.2018

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Angemessene Entschädigung gefordert

Die Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch" verlangte eine unabhängige Aufarbeitung und eine angemessene Entschädigung für die Opfer. Bisher gewähre die Kirche auf Antrag lediglich eine so genannte "Materielle Leistung in Anerkennung des Leids" von durchschnittlich 3000 Euro. Im internationalen Vergleich sie dies sehr wenig, betonte Astrid Mayer von der internationalen Organisation ECA ("Ending Clergy Abuse"). Wichtig sei auch, dass die Kirche nicht alleine festlege, wie hoch die Summen sein müssten.

Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, zeigte sich gemeinsam mit Kardinal Reinhard Marx offen für höhere Entschädigungszahlungen. Marx erklärte, man werde auch über die Schaffung von "Wahrheits-Kommissionen" nachdenken, um nach der Erforschung nun auch die Aufarbeitung des Geschehens voranzubringen.

"Respektables Forschungsvorhaben"

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, machte sich für mehr Zusammenarbeit von Staat und Kirchen stark. Daran sollten auch unabhängige Experten beteiligt werden. Beispielsweise gehe es darum, genau festzulegen, welche Rechte Betroffene künftig haben müssten, etwa zur Akteneinsicht. Zugleich würdigte Rörig die Studie als "respektables Forschungsvorhaben".

Der Kriminologe Christian Pfeiffer forderte mehr Transparenz. Die Kirche müsse offenlegen, wo sie Fehler begangen habe, sagte er der "Passauer Neuen Presse". Die Studie sei vorbildlich und exzellent aufgearbeitet. "Aber das Entscheidende fehlt: Wir wissen nicht, wer die Verantwortlichen sind." Es sei zudem von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Über dieses Thema berichteten am 25. September 2018 tagesschau24 um 15:00 Uhr und die tagesschau um 16:00 Uhr.

Darstellung: