Menschen beim Kirchentagabschluss | Bildquelle: dpa

Abschluss des Kirchentags "Wir wollen und können anders"

Stand: 28.05.2017 22:32 Uhr

Mit Appellen an die Protestanten ist der Evangelische Kirchentag in der Luther-Stadt Wittenberg zu Ende gegangen. "Keine Angst vor Auseinandersetzungen" war die Botschaft der Kirchentagspräsidentin. Und der Erzbischof von Kapstadt rief die Jugend dazu auf, radikal zu sein.

Zum Abschluss des Evangelischen Kirchentages haben Zehntausende Gläubige einen Gottesdienst in Wittenberg gefeiert - in der Wiege der Reformation. Die bunte Feier unter strahlend blauem Himmel auf den Elbwiesen bildete einen Höhepunkt des fünftägigen Glaubensfestes. Die Veranstalter sprachen von 120.000 Gottesdienstbesuchern. Unter den Teilnehmern war auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Er sprach sich für eine noch engere Zusammenarbeit evangelischer und katholischer Christen aus. "Noch vor einem halben Jahrhundert wäre kaum denkbar gewesen, was wir nun an Gemeinschaft unter den christlichen Konfessionen erleben dürfen", sagte der Bundespräsident. "Der lebendige ökumenische Austausch zwischen den Konfessionen und die enge Zusammenarbeit der Christen tun dem ganzen Land gut. Das sollten wir fortsetzen. Verschieden ja, versöhnt auf jeden Fall. Auf jeden Fall mutig."

Erinnerung an Luther

Der Primas der Anglikanischen Kirche in Südafrika, Erzbischof Thabo Makgoba, erinnerte in seiner Predigt an die historische Leistung des Reformators Martin Luther. "Er war einer der wahren Väter demokratischer Freiheit", sagte er. Die Reformation sei ein theologischer Wendepunkt, aber auch ein entscheidender Moment für die gesellschaftliche und politische Entwicklung der Menschheit. Sie betreffe nicht nur die Vergangenheit. "Interpretiert im heutigen Kontext, kann sie unser Leitfaden, unser inspirierendes GPS, unser globales Positionierungssystem für die nächsten 500 Jahre werden." Er rief die Jugend dazu auf, die Welt zu verändern. "Seid radikal", rief er den jungen Menschen zu.

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, erinnerte im Schlussgottesdienst an die Reformation als Erneuerungsbewegung. Nach 500 Jahren werde vielleicht eine "neue Generation 2017" entstehen, die "aus dem Reformationsjubiläum einen Neuaufbruch zum Glauben mitnimmt", sagte Bedford-Strohn.

Bundespräsident Steinmeier beim evangelischen Kirchentag in Wittenberg | Bildquelle: REUTERS
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Bundespräsident Steinmeier beim Festgottesdienst in Wittenberg.

"Keine Angst vor Auseinandersetzungen"

Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au rief die Protestanten dazu auf, Auseinandersetzungen nicht zu scheuen. Dialog und Kontroversen gehörten zusammen, sagte die Theologin beim Festgottesdienst. Klar sei aber auch: "Wir suchen die Auseinandersetzung mit Worten, nicht mit Waffen. Und von Angesicht zu Angesicht, nicht anonym im Netz." In Anspielung auf den Luther zugeschriebenen Ausspruch "Hier stehe ich und kann nicht anders" sagte sie: "Hier stehen wir - und wollen anders. Jetzt gehen wir - und können anders."

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Der Kirchentag begann am Mittwoch in Berlin und umfasste rund 2500 Veranstaltungen, darunter Bibelarbeiten, Diskussionsrunden, Workshops, Konzerte und Kunstprojekte. Die Veranstalter zählten an den Programmtagen in Berlin etwa 106.000 Dauerteilnehmer sowie 30.000 Tagesgäste. "Stargast" war der frühere US-Präsident Barack Obama, der bei einer Podiumsdiskussion mit Kanzlerin Merkel über die Zukunft der Demokratie sprach.

Die Einbindung Wittenbergs war den Organisatoren wichtig, weil der Überlieferung nach Martin Luther hier am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen anschlug - dies gilt als Ausgangspunkt der Reformation. Die Evangelische Kirche feiert in diesem Jahr 500 Jahre Reformation.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. Mai 2017 um 14:00 Uhr.

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