"Fridays for Future"-Demonstration in Köln | Bildquelle: Svea Wenderoth

Klimaproteste in Köln "Die Demo platzt aus allen Nähten"

Stand: 20.09.2019 19:55 Uhr

Rund 1,4 Millionen Menschen demonstrierten laut der Bewegung "Fridays-for-Future" deutschlandweit für das Klima. In Köln zog es 70.000 auf die Straße - längst sind es nicht mehr nur Schüler und Studenten.

Von Svea Wenderoth und Jan Koch, WDR

Aus den Lautsprechern dröhnt das Lied "Hurra, die Welt geht unter". Dann eine Durchsage: "Es ist unglaublich! Die Demo platzt aus allen Nähten."

Darauf, dass allein in Köln laut Veranstalter 70.000 Demonstranten teilnehmen, ist keiner vorbereitet: Auf den Treppen zur U-Bahn bilden sich lange Schlangen, einige versuchen sogar, Rolltreppen entgegen der Fahrtrichtung hoch zu laufen.

Achim Lebrun aus Köln geht seit knapp 50 Jahren demonstrieren und findet: "An solchen organisatorischen Stellen merkt man, dass die Aktion von jungen Menschen gestartet wurde. Aber es ist toll, dass sie das überhaupt organisieren."

"Fridays for Future"-Demonstration in Köln | Bildquelle: Svea Wenderoth
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Rund um den Globus gingen bei den Klimaprotesten zahllose Menschen auf die Straße, in Köln laut Veranstalter 70.000.

Alle sollen gegen die Klimakrise demonstrieren

Lebrun ist 64 Jahre alt und bei weitem nicht der einzige Erwachsene, der am weltweiten Klimastreik teilnimmt. Anfang August hatte Carla Reemtsma, eine der bekannten "Fridays For Future"-Aktivistinnen auf dem Kongress der Klimaaktivisten in Dortmund nochmals betont: "Wir wollen, dass nicht mehr nur Schülerinnen und Schüler und Studierende auf die Straße gehen, sondern, dass alle gegen die Klimakrise demonstrieren kommen."

Dieser Appell war erfolgreich. Viele Erwachsene sind - wie auch die 52-jährige Susanna Welsch - zum ersten Mal auf einer "Fridays for Future"-Demonstration. Das Besondere sei, dass sie als Erwachsene dieses Mal explizit eingeladen wurden. "Vorher habe ich das als eine Schüler-Bewegung wahrgenommen", stellt sie fest.

Urlaub für die Demo

Dass mehr Erwachsene demonstrieren gehen, liegt wohl auch daran, dass einige Firmen ihre Mitarbeiter dafür freigestellt haben. Viele Demonstranten erzählen aber auch, dass sie Überstunden abfeiern, selbstständig sind oder extra für die Demonstration Urlaub beantragt haben. Ein politisches Streikrecht, das eine Teilnahme ohne Konsequenzen ermöglicht, gibt es in Deutschland nämlich nicht.

Neben unterschiedlichen Altersgruppen ziehen in Köln auch verschiedene Interessengruppen durch die Stadt. Klimagerechtigkeit wird mit Antirassismus, Feminismus, Antimilitarismus und Antikapitalismus kombiniert. Auch die Gewerkschaften beteiligen sich an der Demonstration.

"Fridays for Future"-Demonstration in Köln | Bildquelle: Svea Wenderoth
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"Fridays for Future" hatte erstmals ausdrücklich auch Erwachsene aufgerufen, sich an den Freitagsprotesten zu beteiligen.

Mehr Vielfalt bei den Demos, mehr Druck beim Klima

Johannes Wiesner (27) aus Leipzig hinterfragt kritisch, wie vielfältig die Demonstration wirklich ist: "Es sind zwar nicht mehr nur Links-Grüne, aber ich nehme schon wahr, dass die Mehrheit einen akademischen Hintergrund hat und aus Mittelschichtsverhältnissen stammt. Es wäre schöner, wenn wir in Zukunft eine buntere Vielfalt erreichen könnten", erklärt er.

Als die ersten Informationen aus Berlin kommen, was das Klimapaket beinhalten wird, reagieren die Demonstranten kritisch. Das Klimapaket sei schon mal ein Schritt in die richtige Richtung, meint die 27-jährige Caro Pering. "Wie transparent das tatsächlich ist, wird man aber erst sehen, wenn es durchgesetzt wird. Es erhöht aber zumindest den Druck."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. September 2019 um 20:00 Uhr.

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