Baumkronen in einem Waldstück in der baden-württembergischen Landeshauptstadt werden von der Morgensonne angestrahlt.  | Bildquelle: dpa

Aktionsplan der Bundesregierung Deutschland soll "klimafest" werden

Stand: 21.10.2020 16:56 Uhr

Starkregen, Hitze, Trockenheit: Der Klimawandel ist auch in Deutschland längst spürbar. Nun hat die Bundesregierung einen Aktionsplan vorgelegt - 1,5 Milliarden will sie für Vorsorgemaßnahmen ausgeben.

Von Marcel Heberlein, ARD-Hauptstadtstudio

Der Klimawandel ist ein besonders kniffliges Problem, wenn man bedenkt, wie wir Menschen konditioniert sind. Das weiß auch Dirk Messner, der Chef des Umweltbundesamts: "Wir wissen eigentlich ziemlich genau, was mit der Erderwärmung auf uns zukommt. Aber wir sind nicht besonders stark, wenn es darum geht, präventiv zu handeln." Üblicherweise reagierten die Menschen erst, wenn ihnen die Krisen "auf die Füße" fielen, so Messner.

Beim Klimawandel sollte das besser nicht so sein - denn wenn wir erst anfangen das Klima schützen, wenn die riesigen Schäden schon da sind, ist der Trend unumkehrbar. Und die Klimaschäden wären teurer als jetzt die Vorsorge, sagt Umweltministerin Svenja Schulze. Deshalb investieren Regierungen weltweit in mehr Klimaschutz. Doch sämtliche Klimaveränderungen werden sich damit nicht verhindern lassen.

Bundesumweltministerin Schulze | Bildquelle: REUTERS
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"Damit uns der Umgang mit den Folgen des Klimawandels in Zukunft besser gelingt, brauchen wir gute Planung", meint Bundesumweltministerin Schulze.

Geld für soziale Einrichtungen wie Altenheime

Deutschland will vorbereitet sein, sich wappnen für mehr extremes Wetter, für mehr Starkregen, aber auch mehr Hitze. Ein neues Förderprogramm soll beispielsweise Geld für soziale Einrichtungen wie Altenheime geben, so dass diese damit Sonnensegel kaufen, oder die Fassade begrünen können.

Das sei ein Programm, was ihr ganz besonders am Herzen liege, sagt die Umweltministerin. Denn es trage dazu bei, die Bedingungen in sozialen Einrichtungen zu verbessern. Außerdem "schützen wir damit ganz besonders diejenigen, die besonders gefährdet sind, also pflegebedürftige, chronisch kranke Menschen."

Mehr als eine Milliarde Euro sollen investiert werden

Über 180 Maßnahmen sind Teil der deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel. 1,5 Milliarden Euro können dafür in den nächsten fünf Jahren ausgegeben werden. Der deutsche Wald soll widerstandsfähiger werden gegen Hitze und Trockenheit. Weil Wasser mancherorts knapp werden könnte, will die Regierung Regeln erarbeiten, wie das Wenige dann sozial gerecht verteilt werden kann.

Außerdem sollen neue Ideen dazu beitragen, die Temperaturen in den Städten auch in Zukunft erträglich zu halten, erläutert der Chef des Umweltbundesamts:

"Der Temperaturunterschied zwischen Großstädten und dem Umland kann bis zu zehn Grad betragen. Doch inzwischen gibt es viele innovative Lösungen, damit Hitze in den Städten besser verarbeitet werden kann. So können zum Beispiel Radwege oder auch Plätze mit luft- oder wasserdurchlässigen Baustoffen gestaltet werden. Sie können Wasser speichern und sie können dazu beitragen, die Hitze in den Städten abzukühlen. Das ist blaue Infrastruktur." 

Mehr Parks, mehr Bäume

Aber auch grüner soll es in den Städten werden, mehr Parks sollen entstehen, mehr Bäume angepflanzt werden. Dadurch entsteht mehr Schatten, die Bäume verdunsten Wasser und das kühlt die Stadt.

Ohne ambitionierten Klimaschutz sei das zwar alles nichts, sagt Messner, der Chef des Umweltbundesamts. Aber im besten Fall schaffen Maßnahmen, wie mehr Bäume in den Städten zu pflanzen, gleich drei Dinge auf einmal: Sie tun etwas gegen den Klimawandel, sie machen uns alle widerstandsfähiger gegen die Klimaextreme von morgen und sie erhöhen dazu noch die Lebensqualität.

 

Aktionsplan zur Klimaanpassung: Mehr Bäume, mehr Schatten
Marcel Heberlein, ARD Berlin
21.10.2020 15:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 21. Oktober 2020 um 16:10 Uhr.

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