Tatort nach dem Messerangriff auf Kölner OB-Kandidatin Reker

Messerattacke auf OB-Kandidatin Entsetzen - Hinweise auf politische Tat

Stand: 17.10.2015 15:16 Uhr

"Unfassbar und abscheulich", "ein Anschlag auf die Demokratie": Die Politik ist schockiert über den Angriff auf die Kölner OB-Kandidatin Reker. Zum Täter gibt es noch viele Fragen. Es gibt aber Hinweise, dass die Attacke politisch motiviert war. Reker ist außer Lebensgefahr.

Nach dem Messerangriff auf die Kölner Oberbürgermeisterkandidatin Henriette Reker herrscht bundesweit Entsetzen. Vizekanzler Sigmar Gabriel erklärte auf Facebook, er sei "schockiert über die hinterhältige Gewalttat".

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert twitterte: "Die Gedanken sind bei Henriette Reker und den anderen Verletzten des Messeranschlags." Bundesjustizminister Heiko Maas verurteilte die Tat als "unfassbar und abscheulich".

"Anschlag auf die Demokratie"

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sprach von einer "feigen und verabscheuungswürdigen Tat". Dies sei "auch ein Anschlag auf die Demokratie in unserem Land und damit auf uns alle".

Grünen-Chef Cem Özdemir sagte auf einem Parteitag der bayerischen Grünen: "Das macht einen schon ziemlich fassungslos, wenn man sieht, wie viel Gewaltpotenzial bei manchen Leuten in der Gesellschaft vorhanden ist."

Einen Tag vor der Kölner Oberbürgermeisterwahl hatte ein 44-jähriger Mann an einem CDU-Wahlkampfstand auf die parteilose Reker eingestochen. Reker und vier weitere Personen wurden verletzt. Der Angreifer wurde festgenommen und nach Angaben einer Polizeisprecherin verhört. Zum Gesundheitszustand Rekers sagte der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers: "Aktuell ist sie stabil, aber nicht über den Berg."

Offenbar Anzeichen für politisch motivierte Tat

Ersten Augenzeugenberichten zufolge hatte der Mann geistig verwirrt gewirkt. Nach WDR-Informationen soll er gegenüber Polizeibeamten als Grund für seine Tat die Flüchtlingspolitik der amtierenden Sozialdezernentin Reker genannt haben. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger erklärte nun, es gebe "erste Anzeichen für eine politisch motivierte Tat". Die Ermittlungen der Kölner Polizei und des Landeskriminalamtes liefen mit Hochdruck, ergänzte er. Medienberichten zufolge soll der Attentäter auch die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel als Motiv genannt haben.

Wahl findet wie geplant statt

Die Kölner Stadtverwaltung teilte mit, dass die Wahl trotz des Angriffs stattfinden wird. Eigentlich hätte schon Mitte September in der viertgrößten deutschen Stadt gewählt werden sollen. Die Bezirksregierung beanstandete aber die Stimmzettel, das Votum wurde um fünf Wochen verschoben.

Der Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann von der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität hält es für richtig, dass die Stadt an dem Wahltermin festhält. "Wir dürfen uns in unserer Demokratie nicht den Wahltermin vorgeben lassen von politischen oder psychisch gestörten Attentätern oder wem auch immer", sagte er im WDR.

Möglicherweise werde der Angriff auch Einfluss auf das Abstimmungsverhalten haben. "Sie wird wohl einen tragischen Bonus bekommen", sagte von Alemann. Allerdings sei Reker ohnehin die Favoritin gewesen, sodass die Wahl in ihrem Ausgang wohl nicht entscheidend verfälscht werde.

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