Kommentar

Mundschutz-Empfehlung des RKI Unglücklich kommuniziert

Stand: 03.04.2020 14:36 Uhr

Die Argumentation des RKI beim Thema Mundschutz entbehrt jeder Logik. Selbst, wenn die Masken nur dem Gegenüber helfen: Hätten alle eine, wären auch alle besser geschützt.

Ein Kommentar von Thomas Kreutzmann, ARD-Hauptstadtstudio

Ja, was denn nun? Erst empfiehlt das Robert-Koch-Institut nur Menschen mit akuten Atemwegserkrankungen das Tragen eines Mundschutzes gegen das Coronavirus. Am Donnerstag dann die Kehrtwende: Nun hält auch das RKI das "vorsorgliche Tragen" eines Mund-Nasen-Schutzes in der Öffentlichkeit für empfehlenswert.

Doch am heutigen Freitag distanziert sich Institutspräsident Lothar H. Wieler wieder weitgehend davon. Er betont gleich mehrfach im Konjunktiv, das Tragen "textiler Behelfsmasken" könnte dabei helfen, Tröpfchen beim Husten oder Sprechen zurückzuhalten. Sie könnten dabei helfen, andere zu schützen. Aber sie würden nicht dabei helfen, den Maskenträger selbst zu schützen - denn dafür gebe es keine wissenschaftliche Evidenz.

Erst die Verharmlosung, dann das Masken-Hin und Her

Klar, es ist gut und notwendig, wenn der Mikrobiologe Wieler verhindern will, dass Normalbürger dem medizinischen Personal die derzeit händeringend gesuchten medizinischen Masken wegkaufen. Das zu tun, ist unethisch.

Aber Wieler kommuniziert nicht immer glücklich. Anfangs wurde ihm vorgeworfen, Corona zunächst verharmlost zu haben. Und nun das Hin und Her bei den Masken.

Der Mundschutz mahnt zur Vorsicht im Alltag

Die Argumentation des RKI widerspricht den Gesetzen der Logik. Selbst wenn Behelfsmasken nur dem Gegenüber des Maskenträgers einen Schutz vor Tröpfchen böten - und auch das sehen andere anders - dann ist es doch logisch: Hätten alle eine Maske, und seien es eben selbst gefertigte textile Schutzmasken, dann wären der Träger und alle Personen gegenüber deutlich besser geschützt.

Dass das zu einem falschen Sicherheitsgefühl beitrüge, wie Wieler und die WHO vermuten, kann im Einzelfall sein. Aber genauso gut ist denkbar, dass durch mehr Masken im Alltag auch der Letzte zur Vorsicht gemahnt und an die wichtigsten Regeln zum Schutz vor Corona erinnert werden würde, nämlich: zwei Meter Abstand zu halten, auf abgewandtes Niesen oder Husten zu achten, und auch auf sorgfältiges Händewaschen.

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. April 2020 um 12:00 Uhr.

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