Ein positiver Schwangerschaftstest | Bildquelle: picture alliance / dpa Themendie

Bundesärztekammer fordert Hilfe Immer weniger Abtreibungsärzte

Stand: 23.08.2018 08:44 Uhr

In Deutschland wird es immer schwieriger einen Arzt zu finden, der Abtreibungen vornimmt. Wie das ARD-Magazin Kontraste berichtet, ist die Zahl der Abtreibungsärzte seit 2003 um 40 Prozent zurückgegangen.

Bundesweit gibt es immer weniger Arztpraxen und Kliniken, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Die Zahl ist nach einer Berechnung des Statistischen Bundesamtes für das ARD-Politmagazin Kontraste seit 2003 um 40 Prozent zurückgegangen - von 2000 auf 1200 Stellen. In einigen Regionen Deutschlands geraten deshalb immer öfter Frauen in Not, weil sie keinen Arzt finden, der bei ihnen eine Abtreibung durchführt.

Starker Druck militanter Abtreibungsgegner

Für die Bundesärztekammer ist der zunehmende Druck militanter Abtreibungsgegner ein Grund dafür, dass immer weniger Ärzte zu Abtreibungen bereit sind. "Wir haben großes Verständnis für jeden Arzt, der unter den derzeit herrschenden Bedingungen keine Schwangerschaftsabbrüche vornehmen möchte“, sagte Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer. "Wir würden sehr begrüßen, wenn die Politik sicherstellt, dass Ärztinnen und Ärzte betroffene Frauen nach medizinischen Standards versorgen können, ohne von so genannten 'Lebensschützern' diffamiert und in der Ausübung ihres Berufes zum Teil massiv gestört zu werden."

Zu wenig Kontakdaten von Gynäkologen

Frauenarztpraxis | Bildquelle: picture-alliance / OKAPIA KG, Ge
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In manchen Regionen müssen Frauen für einen Schangerschaftsabbruch 200 Kilometer fahren.

Die Bundesländer sind gesetzlich dazu verpflichtet, eine ausreichende Versorgung sicherzustellen. Doch fast die Hälfte von ihnen erhebt nach den Recherchen noch nicht einmal Kontaktdaten von Gynäkologen, die Abbrüche durchführen. Darunter etwa Länder wie Baden-Württemberg, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Nur Berlin und Hamburg stellen bislang solche Listen online zur Verfügung.

"Die Länder sind für ein ausreichendes Angebot zuständig, die müssen jetzt handeln und irgendwas tun. Das endet sonst in einer Katastrophe“ fordert die Geschäftsführerin von pro Familia Bremen. So gibt es in Städten wie Trier oder Hamm mittlerweile keinen einzigen Arzt.

"200 Kilometer sind unzumutbar"

Der Gynäkologe Michael Spandau, der in ganz Niederbayern als einziger noch Abtreibungen durchführt, beschreibt, welche Folgen das für ungewollt Schwangere hat: "Mich rufen Frauen aus Augsburg an, weil sie keinen Arzt in ihrer Umgebung finden. Über 200 Kilometer zu einer Abtreibung fahren zu müssen, ist für die Betroffenen unzumutbar." Für die Frauen sei das eine zu große seelische und körperliche Belastung.

Mehr zu dem Thema im ARD-Politmagazin Kontraste um 21.45 Uhr.

Über dieses Thema berichtete das Magazin Kontraste am 23. August 2018 um 21:45 Uhr.

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