Die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hebt die Hand ans Kinn, als sie konzentriert zuhört. | Bildquelle: AFP

Kramp-Karrenbauer und Medien Angst vor der "Schere im Kopf"

Stand: 17.06.2019 15:01 Uhr

Erst die Reaktion auf das Rezo-Video, nun ihr Görlitz-Tweet: CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer sorgte zuletzt mit öffentlichen Äußerungen häufig für Kritik. Nun räumte sie selbst Unsicherheiten gegenüber Medien ein.

Für ihre öffentliche Reaktion auf den Sieg des CDU-Kandidaten bei der Wahl des Oberbürgermeisters im sächsischen Görlitz hat CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer erneut Kritik geerntet.

Auf Twitter gratulierte die Parteivorsitzende und bezeichnete den Erfolg von Octavian Ursu als Beweis, dass die CDU die "bürgerliche Kraft gegen die AfD" sei. Es folgte prompt Protest - aus den Reihen der Grünen, der SPD und der Linkspartei. Denn: Die Grünen und die Linkspartei hatten ihren Kandidaten für die Wahl in Görlitz entweder zurückgezogen oder gar keinen aufgestellt, was die Chancen von Ursu deutlich erhöht hatte.

Reaktion auf Rezo-Video wird für "AKK" zum Bumerang

Es ist nicht das erste Mal, dass Kramp-Karrenbauer in letzter Zeit auf eigene Äußerungen deutliche Gegenwehr kassiert. Vor allem ihre Reaktion auf das YouTube-Video des Influencers Rezo wurde für die CDU-Chefin zum Debakel.

Das Video des YouTubers mit dem Titel "Die Zerstörung der CDU" ist millionenfach geklickt worden. Nach seiner Veröffentlichung hatte Kramp-Karrenbauer "Meinungsmache" im Netz kritisiert. Daraufhin war ihr vorgeworfen worden, sie versuche die Meinungsfreiheit einzuschränken.

"Was könnte daraus gemacht werden?"

In einem Interview mit NDR2 räumte die CDU-Chefin nun selbst ein, im Umgang mit den Medien unsicher zu sein:

"Man gibt ein Interview und denkt: "Das war jetzt ganz okay' - dann sieht man am nächsten Morgen die Schlagzeile."

Solche Erfahrungen würden laut Kramp-Karrenbauer dazu führen, dass bei Äußerungen gegenüber der Presse beständig in Gedanken die Frage auftauche: Was könnte daraus gemacht werden?

"Ab dem nächsten Interview redet man nur noch mit einer Schere im Kopf."

Phrasen statt Authentizität

Man greife dann zu "geprüften und sicheren Formulierungen" und zu Phrasen, sagte die Parteichefin weiter, dass Politiker "so abgeschliffen und ausgestanzt reden" würden - aus ihrer Sicht ein Lernprozess. Doch in der Öffentlichkeit gebe es einen "ausgeprägten Wunsch nach Authentizität".

"Allerdings ist die Bereitschaft, wenn jemand authentisch unterwegs ist, ihn in Grund und Boden zu stampfen, auch ausgeprägt."

Sohn als Ratgeber

Nochmal angesprochen auf das Rezo-Video räumt Kramp-Karrenbauer ein, die Situation unterschätzt zu haben. Ihr 21-jähriger Sohn sei wohl ein guter Ratgeber gewesen, doch durch ihre vielen Termine, hätten die beiden nicht über das Thema gesprochen - "hätte ich mal tun sollen", sagte Kramp-Karrenbauer.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Juni 2019 um 09:45 Uhr.

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