Grundschule | Bildquelle: dpa

Quereinsteiger an Schulen Ein "Verbrechen an den Kindern"

Stand: 30.12.2019 05:54 Uhr

Mit scharfen Worten hat der Präsident des Lehrerverbandes, Meidinger, den Einsatz von Quereinsteigern als Lehrer an Schulen kritisiert. Diese seien oft ungenügend dafür ausgebildet.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hat den Bundesländern vorgeworfen, Quereinsteiger in den Lehrerberuf unzureichend zu qualifizieren. Vielerorts würden pädagogische Laien ohne ausreichende Vorbereitung und ohne qualitätssichernde Vorgaben auf Schüler losgelassen. Das sei "ein Verbrechen an den Kindern", sagte Meidinger der "Welt".

"Innerhalb von zwei Wochen Uni-Absolventen, die noch nie etwas von Pädagogik und Didaktik gehört haben, per Crashkurs zur Grundschullehrkraft auszubilden, das ist doch absurd."

Das zeige, wie gering die notwendige Berufsprofessionalität von der Politik geschätzt werde. Dazu komme, dass es für die Quereinsteiger "keine ausreichende Zahl von Ausbildungslehrern" gebe. In den Ländern, wo der Mangel am größten sei, etwa in Berlin und in einigen östlichen Bundesländern, hätten die Ministerien oft gar kein Interesse, Quereinsteiger zunächst ordentlich auszubilden, weil sie dann nicht gleich voll in die Unterrichtsversorgung gesteckt werden könnten.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger hebt im Gespräch mit Journalisten die Hand in die Höhe. | Bildquelle: dpa
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Ist empört, unter welchen Bedingungen Quereinsteiger als Lehrer arbeiten sollen: der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger.

"Auf mittlerer Sicht" geht's nicht ohne

Der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU), sagte demselben Blatt jedoch: "Auf mittlere Sicht werden wir in einigen Ländern nicht ohne Quereinsteiger auskommen." Er fügte hinzu: "Wir sind uns darüber bewusst, dass diese auch entsprechend qualifiziert werden müssen." Im kommenden Jahr würden daher alle Länder ihre Bemühungen "weiter verstärken", Quereinsteiger gezielt fortzubilden und zu qualifizieren.

"Nicht im Sinne der Kinder"

Bärbel Bas, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag, sagte, es dürfe nicht sein, "dass immer mehr pädagogische Laien in der Schule eingesetzt werden. Das ist weder im Sinne der Kinder noch der Quereinsteiger selbst, die als Lehrkraft gute Arbeit leisten wollen." Sie forderte verbindliche Standards bei der Aus- und Weiterbildung.

Auch der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Thomas Sattelberger, sprach sich für eine kontinuierliche pädagogische Ausbildung für Quereinsteiger aus.

In Hamburg müsste jeder zehnte Abiturient Lehrer werden, um den Bedarf der wachsenden Stadt zu decken, betonte Bildungssenator Ties Rabe. Deshalb führte er weiter aus: "Wenn es besonders eng kommt, ist es sicherlich besser, in begrenztem Maße auch Quereinsteiger einzusetzen, als Unterricht ausfallen zu lassen."

Lehrermangel bundesweit

In ganz Deutschland gibt es einen großen Bedarf an Lehrern. Das Problem dürfte in den kommenden Jahren andauern. Gründe sind unter anderem Pensionierungen, steigende Geburtenzahlen und Zuwanderung.

Aus einer KMK-Prognose ging zuletzt hervor, dass bis 2030 vor allem Engpässe an Berufsschulen und Schulen der Sekundarstufe I (Haupt- und Realschulen) zu erwarten sind.

Debatte um Lehrer-Quereinsteiger
Kilian Pfeffer, ARD Berlin
30.12.2019 08:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. Dezember 2019 um 06:04 Uhr.

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