Bundeswehrsoldaten stehen in Bad Reichenhall (Bayern) bei einer Übung in einer Reihe. | Bildquelle: dpa

Wegen Wachstumsplänen Bundeswehr will Liegenschaften behalten

Stand: 30.05.2018 17:38 Uhr

Eigentlich sollten zahlreiche Standorte schließen. Da die Bundeswehr bis 2024 wachsen soll, plant das Verteidigungsministerium jetzt mehr Liegenschaften zu behalten als geplant.

Von Christoph Prössl, NDR

In den kommenden Jahren soll die Bundeswehr wachsen - auf 198.000 Soldatinnen und Soldaten bis 2024. Im April zählte das Verteidigungsministerium 179.000. Auch wenn der Aufwuchs sich derzeit eher schwierig gestaltet, haben die Planungen Auswirkungen auf die Standorte und Liegenschaften der Bundeswehr.

Aus einer Liste, die das Ministerium heute veröffentlicht hat, geht hervor, dass einige Gebäude und Grundstücke nun doch nicht abgegeben werden sollen. Die Schließungspläne für zahlreiche Liegenschaften werden überdacht.

Größer gewordene Bundeswehr braucht mehr Platz

An fünf Standorten behält die Bundeswehr Gebäude, obwohl vorherige Planungen eine Schließung vorsahen. Dazu gehört ein Verwaltungszentrum in München, die Peter-Bamm-Kaserne in Munster, Niedersachsen, zwei Liegenschaften in Koblenz und eine Kaserne in Eckernförde, Schleswig-Holstein.

Es sei unbedingt notwendig, den Platzbedarf für die Bundeswehr nochmal zu überprüfen, um möglichst nichts mehr wegzugeben, was man noch brauchen könne, sagte Hans-Peter Bartels, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages dem ARD-Hauptstadtstudio. Die Kasernen seien, insbesondere was Unterkünfte angehe, in weiten Teilen zu klein geworden.

"Eine attraktive Bundeswehr, die ja ein kleines bisschen größer werden soll in der Zukunft - so eine größer gewordene Bundeswehr braucht etwas mehr Platz. Und wenn die Unterbringungssituation besser werden soll, braucht sie erst recht mehr Platz."

Soldaten in der Grundausbildung marschieren. | Bildquelle: dpa
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Weil die Zahl der Soldaten steigen soll, will die Bundeswehr den Erhalt von Liegenschaften prüfen.

Die neuen Planungen revidieren Entscheidungen aus dem Jahr 2011. Damals legte Verteidigungsminister Thomas de Maizière ein umfassendes Konzept vor. Liegenschaften und ganze Standorte sollten geschlossen werden.

Unklarheiten zügig beseitigen

Die neue Tabelle, die 48 Liegenschaften aufzählt, macht jedoch auch deutlich, dass an vielen Standorten noch einmal geprüft werden soll, ob die Bundeswehr die Gebäude und Grundstücke noch benötigt.

Der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen, Tobias Lindner sagte, die Bundeswehr auf der einen Seite, Kommunen und Gemeinden auf der anderen Seite müssten sich auf Ankündigungen verlassen können. Er kritisierte, dass noch immer viele Prüfungen laufen. Das Ministerium müsste Unklarheiten zügig beseitigen.

Für jeden Soldaten ein Bett und Spind

Für einige Liegenschaften sind die Unklarheiten nun beseitigt: Die Bergische Kaserne in Düsseldorf beispielsweise soll 2018 abgegeben werden. Die Stadt möchte dort Wohnungen errichten.

Die Bundeswehr benötigt auch mehr Platz, weil viele Soldatinnen und Soldaten nicht mehr in den Kasernen untergebracht sind und teilweise täglich lange Anfahrtswege in Kauf nehmen müssen. Der Wehrbeauftragte Bartels fordert für jeden Soldaten ein Bett und einen Spind. Er schätzt, dass bis zu 30.000 Pendler gerne diese Zusicherung hätten.

Bislang gilt: Ein Recht auf Unterbringung haben nur unter 25-Jährige. Ein Relikt aus alten Zeiten. Damals war die Wehrpflicht noch nicht ausgesetzt.

Bundeswehr will wachsen und Liegenschaften behalten
Christoph Prössl, ARD Berlin
30.05.2018 15:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 30. Mai 2018 um 17:48 Uhr.

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