Transportflugzeug A400M der Bundeswehr

Bundeswehr-Airbus "Problemvogel" am Hindukusch

Stand: 24.07.2018 17:48 Uhr

Material mit Macken: Der schlechte Ruf des A400M hielt sich. Nun hat ihn die Bundeswehr erstmals erfolgreich auf einen Routineflug nach Afghanistan geschickt. Doch die Probleme beim Lufttransport bleiben.

Von Christian Thiels, ARD-Hauptstadtstudio

Jahrelang galt er als flügellahmer Problemvogel der Luftwaffe: der Airbus A400M. Das Transportflugzeug - ein milliardenschweres Prestigeprojekt - machte vor allem durch Qualitätsmängel und Pannen von sich reden. Nun vermeldet die Luftwaffe einen kleinen Erfolg mit ihrem Sorgenkind.

Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios landete jetzt erstmals ein A400M auf dem Flugplatz Masar-i-Scharif im Norden Afghanistans. Und dies nicht zu einem Testflug, sondern mit 75 Soldaten in einem Routinetransport aus Deutschland. Möglich wurde dies, weil die eingesetzte Maschine mit einer speziellen Schutzausstattung gegen Beschuss gesichert ist. Ohne dieses "Armoring Kit" hätte der Airbus aus Sicherheitsgründen nicht an den Hindukusch entsandt werden dürfen.

Transportflugzeug A400M der Bundeswehr | Bildquelle: Bundeswehr
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Störungsfreier Betrieb bei der Bundeswehr: Die Routine mit dem A400M macht es möglich.

Erfolgreich Manöver durchgeführt

Erst kürzlich hatte das Flugzeugmodell auch erfolgreich Luftbetankungsmanöver unter Einsatzbedingungen durchgeführt. Der neue Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz, spricht von einem "Meilenstein". Der Weg dahin war allerdings ziemlich beschwerlich. Dass die Luftwaffe einen A400M nun erstmals erfolgreich auch in ihrem Einsatzgebiet Afghanistan verwenden kann, liege an der gewachsenen Routine mit dem Flugzeug, heißt es aus der Bundeswehr. Inzwischen könnten viele technische Störungen und Probleme selbst behoben werden und nicht immer müsse dafür die Industrie nachbessern. Man bekomme die Maschine immer besser in den Griff, sagen Luftwaffen-Soldaten.

Erfolge oder wenigstens doch störungsfreien Alltagsbetrieb kann die Bundeswehr beim Lufttransport gut gebrauchen. Ihre betagten Transall-Transporter müssen dringend ersetzt werden. Nur noch mit viel Mühe und ebenso vielen Ersatzteilen werden die bis zu 50 Jahre alten Maschinen in der Luft gehalten.

Transporthubschrauber schlecht gealtert

Problematisch ist die Lage auch bei den CH-53-Transporthubschraubern. Die Helikopter sind die Arbeitspferde für Auslandseinsätze, und auch sie sind merklich in die Jahre gekommen. Doch im Haushalt für 2019 ist bislang kein Geld für den Beginn eines Austauschprogramms mit neuen Hubschraubern vorgesehen. "Noch ist die Finanzierung nicht gesichert", erklärt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, zu Besuch beim Hubschraubergeschwader 64 in Holzdorf. Sie hoffe auf das Haushaltsaufstellungsverfahren 2019, denn die Bundeswehr brauche den schweren Transporthubschrauber auch mit Blick auf die VJTF 2023, die schnelle Speerspitze.

Gemeint ist die schnelle NATO-Eingreiftruppe, an der Deutschland federführend beteiligt sein wird. Soll das Projekt für einen Nachfolger des CH-53 im kommenden Jahr angeschoben werden, müsste der Bundestag der Ministerin mehr Geld zuschieben. Doch dafür dürfte es Forderungen nach Einsparungen an anderer Stelle in ihrem Haushalt geben.

Transportflugzeug A400M der Bundeswehr bei der Landung.
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Der A400M konnte störungsfrei auf dem Flugplatz Masar-e-Sharif im Norden Afghanistans landen.

Schwierige Beschaffung

Für Tobias Lindner, der für die Grünen sowohl im Haushalts- als auch im Verteidigungsausschuss sitzt, ein wenig nachvollziehbares Prozedere: "Am Ende legt der Haushaltsausschuss dann aus Gründen der Finanzierbarkeit fest, welche Beschaffungen für die Bundeswehr Priorität haben. Mit Planung anhand militärisch erforderlicher Fähigkeiten hat das dann nichts mehr zu tun", so Lindner im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio.

Und auch von der Leyens Koalitionspartner SPD ist skeptisch und sieht andere Gründe für eine mögliche Verzögerung beim künftigen neuen Transporthubschrauber. Die Beschaffung sei schwergängig, im zuständigen Amt ein Viertel aller Stellen unbesetzt, schreibt SPD-Haushaltsexperte Johannes Kahrs via Twitter: "Kein Geld ist eine Ausrede", so Kahrs.

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