Masern an Hildesheimer Schule Ungeimpften Kindern droht Schulausschluss

Stand: 11.03.2019 08:52 Uhr

Längst nicht alle Schüler haben ihren Impfpass mit in die Schule gebracht: Bei einer Kontrolle in der Oskar-Schindler-Gesamtschule in Hildesheim haben am Freitagvormittag 190 Personen keinen ausreichenden Schutz gegen Masern nachweisen können. Einige hatten ihre Ausweise vergessen, andere sind nicht immunisiert. Sie müssen den Nachweis nun bis Montagnachmittag nachreichen - oder dürfen bis zum 22. März die Schule nicht betreten. Das teilte der Landkreis Hildesheim mit. 510 Schüler, Lehrkräfte und weiteres Personal haben ihre Immunität gegen Masern nachgewiesen. Das sind laut Landkreis rund 73 Prozent.

Bereits 21 Masern-Fälle in diesem Jahr

Vier Teams des Gesundheitsamts überprüften am Freitag die Impfpässe aller rund 600 Schüler der Gesamtschule und aller Personen, die in der Schule arbeiten. Auch die Impfpässe von 70 Kindern an einer nahe gelegenen Grundschule wurden kontrolliert. Diese hatten "im möglichen Infektionszeitraum" in der Mensa der Gesamtschule gegessen, wie der Landkreis weiter mitteilte.

Grund für die ungewöhnliche Maßnahme ist die hohe Zahl an Masern-Erkrankungen. 21 Fälle sind im Landkreis Hildesheim seit Jahresbeginn bestätigt - unter den Erkrankten sind auch zwei Schüler der Oskar-Schindler-Gesamtschule. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden niedersachsenweit nur 18 Masern-Fälle registriert. Kontrollen hatte es vor zwei Wochen auch schon am Hildesheimer Gymnasium Andreanum gegeben. Dort war eine Schülerin an Masern erkrankt. Die Schule blieb zwei Tage geschlossen.

Schwerpunkt der Infektionen im Landkreis Hildesheim

Das niedersächsische Gesundheitsministerium teilte mit, die Schule müsse in Absprache mit der Kreisgesundheitsbehörde eine rechtliche Abwägung zwischen der Schulpflicht und dem Schutz der Kinder vornehmen. Auch ohne eine Impfpflicht gehe es darum, eine Ausbreitung der hochansteckenden und für ungeimpfte Menschen gefährlichen Krankheit zu verhindern. In Niedersachsen sind laut Landesgesundheitsamt bis Donnerstag 27 Masernerkrankungen nachgewiesen worden. Der Schwerpunkt liegt mit 21 Fällen im Landkreis Hildesheim. Im Landkreis Harburg sind bislang drei Fälle gemeldet worden, außerdem jeweils einer in der Region Hannover, im Landkreis Cuxhaven und im Landkreis Lüchow-Dannenberg.

Ministerien raten: Impfstatus überprüfen

Noch wissen die Mitarbeiter des Landesgesundheitsamtes nicht, wie es zur großen Fallzahl in Hildesheim kommt. Das könne erst im Nachhinein analysiert werden, so der Behördensprecher. Vorerst rechne die Behörde aber mit weiteren Masernfällen im Land. Entsprechend raten Kultusminister Grant Hendrik Tonne und Gesundheitsministerin Carola Reimann (beide SPD) Bürgern dazu, ihren Impfstatus zu prüfen und sich gegebenenfalls impfen zu lassen.

Landkreis: "Fehlende Impfung nachholen"

Masern sind extrem ansteckend: Fast alle Menschen, die mit der Krankheit konfrontiert werden und nicht immun sind, stecken sich an. Wer zweimal geimpft wurde oder einmal Masern hatte, ist in der Regel geschützt. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder. "Die Unterbrechung von Infektionsketten gelingt, wenn die Bevölkerung zu mindestens 95 Prozent immun ist", heißt es weiter. Der Landkreis mahnt: "Personen entsprechender Altersgruppen, die bisher nur einmal gegen Masern geimpft wurden, sollten die fehlende Impfung unverzüglich nachholen."

Hintergrund: Masern

Masern sind hochinfektiös. Das Virus wird durch das Einatmen von Tröpfchen, etwa beim Sprechen, Husten oder Niesen, übertragen. Die Symptome reichen von Schnupfen, Fieber und Husten bis hin zu rötlich-braunen Hautirritationen. Zudem wird das Immunsystem geschwächt. Dadurch kann es zu Folgeinfektionen kommen, etwa einer Hirnhautentzündung, teils mit langfristigen Schäden für das Zentrale Nervensystem. Zwei von 1.000 Patienten sterben laut Robert-Koch-Institut an den Folgen einer Masern-Infektion.

Dieses Thema im Programm:
NDR Fernsehen | Regional Hannover | 08.03.2019 | 17:00 Uhr

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