Wirtschaftsminister Altmaier | Bildquelle: dpa

Corona-Schutzmaßnahmen Keine Maske bei weniger als 100 Fällen?

Stand: 11.07.2020 11:06 Uhr

Im Kaufhaus eine Maske zu tragen, nervt viele Kunden - sagt der Handel und fordert eine Lockerung der Maskenpflicht. Wirtschaftsminister Altmaier hat nun angedeutet, unter welchen Bedingungen er sich das vorstellen kann.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hält eine Lockerung der Maskenpflicht für möglich, wenn die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro Tag auf unter 100 sinkt. Solange es in Deutschland im Durchschnitt täglich mehrere hundert neue Infizierte gebe, werde die Pflicht überall dort bleiben müssen, wo der Mindestabstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden könne, sagte der CDU-Politiker der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Auf Nachfrage fügte er an: "Wenn wir bei den Infektionen dauerhaft zweistellig sind, müssen Mediziner und Politik neu nachdenken."

Aktuell 378 Neuinfektionen in Deutschland

Tatsächlich ist die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland seit Tagen vergleichsweise gering, sie liegt aber noch klar über der Schwelle von 100 pro Tag. So wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) für die vergangenen 24 Stunden 378 neue Fälle gemeldet. Regional ist die Verteilung aber sehr unterschiedlich. Aus Mecklenburg-Vorpommern oder Thüringen wurde laut RKI jeweils nur ein neuer Fall gemeldet, aus Nordrhein-Westfalen hingegen 143.

Aktuell gilt bundesweit eine Maskenpflicht im Handel und im öffentlichen Nahverkehr. Vor allem Einzelhändler fordern eine Lockerung. Sie argumentieren, dass die Pflicht, im Geschäft einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, Kunde abschrecke. Die durch den wochenlangen Lockdown ohnehin schwierige Lage des Handels werde so weiter verschärft.

"Auch wenn die Regeln manch einen nerven"

In der Debatte vorgeprescht war Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe. Der CDU-Politiker hatte in der vergangenen Woche - mit Verweis auf die niedrigen Infektionszahlen im Nordosten - ein Ende der Maskenpflicht im Handel in seinem Bundesland gefordert. Er war damit aber auf breite Kritik gestoßen und von der Staatskanzlei seines Landes ausgebremst worden.

Auch Altmaier machte in dem Zeitungsinterview klar, dass es für eine generelle Abschaffung der Maskenpflicht "eindeutig zu früh" sei. Seine Kabinetts- und Parteikollegin Anja Karliczek wurde noch deutlicher. "Wir sollten jetzt nicht alle denkbaren Möglichkeiten der Lockerungen ausreizen, sondern immer mit einem gewissen Sicherheitspuffer handeln", sagte die Bundesbildungsministerin der "Passauer Neuen Presse".

Ein schwerer Rückschlag würde nicht nur die Gesundheit von Menschen gefährden, sondern auch der Wirtschaft schwer schaden, so Karliczek weiter. Deshalb müsse an man gegenwärtigen Maskenpflicht und den Abstandsregeln festhalten, "auch wenn die Regeln manch einen nerven".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Juli 2020 um 18:00 Uhr in den Nachrichten.

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