Orgelbauer in der Schlosskirche des Residenzschlosses in Ludwigsburg  | Bildquelle: picture alliance / Sebastian Gol

Bundestagsbeschluss Zurück zur Meisterpflicht - für manche

Stand: 12.12.2019 14:33 Uhr

Der Bundestag hat beschlossen, dass in zwölf Berufen wieder die Meisterpflicht gelten soll - zum Beispiel für Fliesenleger und Orgelbauer: Die Opposition kritisiert nicht nur die Auswahl der Berufe.

Von Anita Fünffinger, ARD-Hauptstadtstudio

Der Meisterbrief ist nicht irgendein Papier, es ist nach den Worten von Wirtschaftsminister Peter Altmaier sogar ein Wertpapier. Der CDU-Minister zitiert einen alten Werbespruch des Handwerks: "Das sicherste Wertpapier gibt es immer noch im Handwerk."

Und das sollen sich nach dem Willen der Großen Koalition wieder mehr Handwerker in ihre Werkstätten hängen. Die Meisterpflicht soll künftig wieder für Fliesen- und Parkettleger gelten, für Rollladenbauer, aber auch für Orgelbauer und Holzspielzeugmacher.

Handwerk ohne Meister - politisch gewollt?

Warum nur insgesamt zwölf und nicht gleich alle Berufe, denen vor 15 Jahren im Zuge der Agenda 2010 die Meisterpflicht gestrichen wurde? Das fragt bei der Debatte im Bundestag Tino Chrupalla, neuer AfD-Parteichef und Maler- und Lackierermeister. Nachvollziehbar sei diese Auswahl nicht. So solle der Orgel- und Harmonienbauer "aus Gründen der Gefahrengeneigtheit rückvermeistert werden. Warum soll denn der Klavier- und Cembalobauer oder der Geigenbauer nicht rückvermeistert werden? Antwort: kein Witz, weil eine Orgel schließlich auch mal brennen könne."

Susanne Tappe, NDR Wirtschaftsredaktion, zur Wiedereinführung der Meisterpflicht
tagesschau24 11:00 Uhr, 12.12.2019

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Tatsächlich sagt auch der Zentralverband des deutschen Handwerks, die Rückkehr zur Meisterpflicht für weitaus mehr Berufe sei politisch nicht gewollt. Altmaier zufolge stehen rechtliche - vor allem auch europarechtliche - Fragen dagegen.

Genau deswegen warnt Sabine Poschmann von der SPD vor einem Schnellschuss und vergleicht das mit dem Einkauf: "Wenn man kurz vor Ladenschluss an der Kasse mit seinen Klamotten steht und einem dann einfällt, ich könnte noch ein gelbes, grünes und rotes T-Shirt nehmen, sollte man erst überlegen, ob das auch zum Vorhandenen passt".

Grüne und Redner der Linkspartei beklagen die geringe Tarifbindung im Handwerk. Sie liegt bei nur 30 Prozent.

Meister und Bachelor - theoretisch gleichwertig

Und zu seltener Einigkeit schaffen es dann Grüne, Linke und die FDP: Manfred Todtenhausen von der FDP, von Beruf Elektroinstallateurmeister, sprach sich genauso für die Abschaffung der teuren Meisterschulengebühren aus wie Claudia Müller von den Grünen: Denn pro Prüfung und Prüfling fielen im Durchschnitt 6600 Euro an, dazu ein Zeitaufwand von durchschnittlich 1445 Stunden, was 180 vollen Arbeitstagen entspreche.

"Zur Stärkung der Meisterausbildung wäre es daher sinnvoller gewesen, erst einmal die gebührenfreie Meisterausbildung und Prüfung- und Vorbereitung einzuführen, denn das wäre eine echte Gleichbehandlung von Studium und beruflicher Aus- und Weiterbildung", sagt Müller. Denn zumindest in der Theorie sind ein Handwerksmeister und ein akademischer Bachelor gleichwertig.

Doch trotz aller Kritik stimmten sowohl die Linke als auch die FDP und die AfD dem Gesetz von Schwarz-Rot zu. Nur die Grünen enthielten sich.

Wirtschaftsminister Altmaier versprach, sich die Handwerksordnung in fünf Jahren noch einmal genau anzusehen. Dann könnten weitere Gewerke wieder unter die Meisterpflicht fallen.

Über dieses Thema berichteten am 12. Dezember 2019 tagesschau24 um 11:40 Uhr in der Wirtschaft und B5 aktuell um 13:00 Uhr.

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