Merkel nach ihrer Wahl zur Parteichefin im Jahr 2000 | Bildquelle: dpa

Parteivorsitz und Kanzlerschaft Die Ära Merkel

Stand: 29.10.2018 18:16 Uhr

Sie ist die erste Frau an der Spitze der Christdemokraten und die erste Kanzlerin der Bundesrepublik. Angela Merkel trat ihr Amt in einer Zeit an, als die Kohl-CDU am Boden lag. Ein Rückblick.

Von Iris Marx, ARD-Hauptstadtstudio

"Ich bin nicht als Kanzlerin geboren", sagte Angela Merkel in ihrer Pressekonferenz. Das ist sie tatsächlich nicht. Sie wuchs langsam in diese Funktion herein - auch mit etwas Geduld. Helmut Kohls "Mädchen" wird im April 2000 zur Parteivorsitzenden gewählt. Die erste Frau auf diesem Posten. Ein Mädchen ist sie da nicht mehr, sie ist 46. Nach der schweren Spendenaffäre Ende der 1990er-Jahre war sie immerhin ein frisches Gesicht in an der Parteispitze.

Merkel und Kanzler Kohl 1991 beim CDU-Parteitag in Dresden | Bildquelle: dpa
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Damals war sie noch Familienministerin: Merkel und Kanzler Kohl beim CDU-Parteitag 1991 in Dresden.

Bei der nächsten Bundestagswahl 2002 greift Merkel nicht sofort nach dem Kanzleramt. Sie gibt CSU-Mann Edmund Stoiber den Vortritt. Es war noch nicht ihre Zeit, Stoibers aber offensichtlich auch nicht. Die CDU verliert gegen Schröders SPD. Merkel positioniert sich als Oppositionsführerin und holt sich zusätzlich den Fraktionsvorsitz im Bundestag. Ihr Vorgänger: Friedrich Merz. Der hat nicht freiwillig den Posten abgegeben.

Merkel als Oppositionsführerin

Es ist die große Zeit der Reformen, die "Agenda 2010" also Hartz-IV und Riester. Die CDU trägt sie unter Merkels Führung mit. Bei den folgenden Landtagswahlen wird die SPD dafür abgestraft. Nachdem die Sozialdemokraten auch im Mai 2005 in Nordrhein-Westfalen herbe Verluste einfahren, kommt es zu vorgezogenen Neuwahlen. Merkel wird dieses Mal Spitzenkandidatin. Sie gewinnt im Herbst 2005 historisch knapp. Gerhard Schröder will das zunächst nicht einräumen. Die sogenannte Elefantenrunde am Wahlabend ist seitdem legendär.

04.09.2005: Merkel und Schröder im TV-Duell
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Wahlkampf 2005: Aus dem TV-Duell gegen die damalige Kanzlerkandidatin Merkel ging Schröder als eindeutiger Sieger hervor. Umso ungläubiger reagierte er später auf das Wahlergebnis.

2005: Die Kanzlerin

Deutschland bekommt seine erste Bundeskanzlerin. Ihr Koalitionspartner: die SPD. Merkel regiert in dieser GroKo ruhig und sachlich. Politisch geht es um die Föderalismusreform, Gesundheit, Entbürokratisierung. Keine großen Dramen. Das ändert sich 2008 mit der weltweiten Finanzkrise. Aber auch hier behält Merkel die Nerven. Sie gibt den Deutschen eine Garantieerklärung für ihr Erspartes. Die Bundesrepublik kommt gut durch die Krise. Nicht so die CDU durch die nächsten Bundestagswahlen.

2009: Schwarz-Gelb

2009 verliert die CDU erneut. Aber es reicht für ein Bündnis mit der FDP. Merkels "Wunschkoalition" startet holprig. Die unterschiedliche steuerliche Bemessung für Hotels irritiert. Aber im zweiten Jahr wird Merkels Regieren klarer: klar liberaler.

Guido Westerwelle Merkel Seehofer: Koalitionsvertrag | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
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Westerwelle, Merkel und Seehofer unterschreiben am 26. September 2009 den schwarz-gelben Koalitionsvertrag.

2010 beschließt die CDU das Aussetzen der Wehrpflicht. Eine Entscheidung mit großer Symbolkraft für eine konservative Partei. Ein Jahr später kommt es zur Nuklearkatastrophe von Fukushima. Merkel ändert überraschend ihren Kurs in der Energiepolitik und verkündet den beschleunigten Ausstieg aus der Atomenergie.

Sie bricht danach mit noch einer christdemokratischen Selbstverständlichkeit: dem dreigliedrigen Schulsystem. Merkel wirbt 2011 auf einem Parteitag dafür, die Hauptschule abzuschaffen. Nicht alle in der Partei finden das gut. "Das gehört auch zum Kompass", sagte ein CDU-Mann aus Hessen. Der Abschied vom dreigliedrigen Schulsystem wird trotzdem beschlossen. Merkel gilt spätestens jetzt als Modernisiererin, die viele Positionen der Union entstaubt hat. Viel Gegenwind bekommt sie in diesem Moment nicht.

2013: GroKo reloaded

Bei der nächsten Bundestagswahl ist die CDU so stark wie seit Jahren nicht. Ihr Koalitionspartner FDP hingegen fliegt aus dem Parlament. Merkel wird jetzt gerne als "schwarze Witwe" bezeichnet, die ihre Partner nach der Zusammenkunft "auffrisst". Die SPD wird dennoch wieder zur Kanzlermacherin. Die "GroKo reloaded" geht an den Start. Ihre größte Herausforderung jetzt ist die Migration. Tausende Menschen machen sich auf den Weg nach Deutschland, viele fliehen vor dem Syrienkrieg.

Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt sich in Berlin mit Flüchtlingen fotografieren
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Im Herbst 2015 lässt sich Merkel in Berlin mit Flüchtlingen fotografieren.

Im Herbst 2015 erschüttert das Foto eines kleinen Jungen die Öffentlichkeit. Wie schlafend liegt das ertrunkene Kind an einem Strand in der Türkei. Merkel trifft in dieser Zeit die Entscheidung, die ankommenden Menschen nicht abzuweisen. Die deutschen Grenzen bleiben offen. Für ihr "Wir schaffen das" wird sie viel beklatscht, aber auch sehr gehasst. Bis heute hat Merkel es selbst nicht geschafft, diesen Satz wieder loszuwerden.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 29. Oktober 2018 um 18:35 Uhr.

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