Gedenken an Hanau Merkel ruft zu Kampf gegen Rassismus auf

Stand: 18.02.2021 18:38 Uhr

In der kommenden Woche jährt sich das Attentat von Hanau. Kanzlerin Merkel hat ihren wöchentlichen Podcast genutzt, um an die neun Opfer zu erinnern und zum Kampf gegen Rassismus aufzurufen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vor dem ersten Jahrestag des rassistischen Anschlags in Hanau an die neun Todesopfer erinnert. Der Anschlag von Hanau sei ein Einschnitt für das friedliche Zusammenleben in der Gesellschaft und für den Zusammenhalt der Menschen in Deutschland gewesen, sagte Merkel in ihrem wöchentlichen Video-Podcast. "Es war ein Verbrechen aus Hass, aus rassistischem Hass." Alle, die in Deutschland friedlich miteinander leben wollten, stünden geeint gegen den Hass der Rassisten. "Wir stellen uns denen, die versuchen, Deutschland zu spalten, mit aller Kraft und Entschlossenheit entgegen."

Merkel nannte in ihrer Videobotschaft alle Opfer mit Namen: "Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Păun, Said Nesar Hashemi und Fatih Saraçoğlu". Der Mörder habe sie nicht gekannt, "er hasste sie nur wegen ihres Aussehens, der Herkunft ihrer Familien, weil sie Einwanderer oder die Kinder von Einwanderern waren", sagte sie. Die Trauerfeier und die Gespräche mit den Familien der Opfer werde sie nie vergessen.

"Rassismus ist ein Gift. Der Hass ist ein Gift."

Gewalttaten wie die Morde von Hanau, der Anschlag von Halle oder der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hätten auf schreckliche Weise vor Augen geführt, was der Rechtsextremismus anrichten könne, sagte Merkel. Sie wiederholte ihre Worte von der Trauerfeier vor einem Jahr: "Rassismus ist ein Gift. Der Hass ist ein Gift." Die Kanzlerin rief zu einem gemeinsamen Kampf gegen Rechtsextremismus auf. "Wir müssen alles daran setzen, um dieser verheerenden Ideologie den Boden zu entziehen."

Die Bundesregierung setze bereits eine Reihe von konkreten Maßnahmen um, betonte Merkel. Neben der Einsetzung des Kabinettausschusses zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus würden die Sicherheitsbehörden neu aufgestellt und gestärkt, Opfer besser unterstützt und die demokratische Zivilgesellschaft gefördert.

Zutiefst rassistische Gesinnung des Täters

Am 19. Februar 2020 hatte ein 43 Jahre alter Deutscher in Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Zuvor hatte der Mann Pamphlete und Videos mit Verschwörungstheorien und rassistischen Ansichten im Internet veröffentlicht. Nach der Tat soll der Mann auch seine Mutter umgebracht haben, bevor er sich selbst tötete.

Die Bundesanwaltschaft attestierte dem Täter eine zutiefst rassistische Gesinnung. Für den ersten Jahrestag ist in Hanau eine Gedenkfeier mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier geplant.

Merkel verurteilt Rechtsextremismus
Uwe Lueb, ARD Berlin
13.02.2021 14:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 13. Februar 2021 um 13:06 Uhr.

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