Merz will in den Bundestag Er kann's nicht lassen

Stand: 02.03.2021 19:57 Uhr

Nun ist es offiziell: Friedrich Merz will für die CDU in den Bundestag. Das Problem: In seinem Wahlkreis wird es wohl eine Kampfabstimmung geben. Und selbst wenn er sich durchsetzt, ist unklar, was Merz mit einem Mandat eigentlich vorhat.

Von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Es könnte jetzt genau das eintreten, was sich viele an der Basis der CDU immer gewünscht haben: Friedrich Merz stellt sich in den Dienst der Partei. Wenn er zurückkehren sollte in den Bundestag, so wie er es anstrebt, wäre das eine Option: Mit Parteifreunden und Parteifreundinnen Mehrheiten organisieren, die parlamentarische Debatte beleben durch emotionale und provokante Wortbeiträge, die politischen Gegner auf Abstand halten: Abgeordneten-Kärrnerarbeit leisten. Nur: So ist Merz nicht gestrickt.

Großes Ego, überschauberer Erfolg

Er ist in seiner politischen Karriere nie aufgefallen als Teamplayer oder Parteisoldat. Er gilt bei vielen als das Gegenteil: als erfolgsfixierter Einzelkämpfer - als "Ego-Merz". Große Erfolge gab es allerdings in den vergangenen zwölf Jahren nicht zu feiern: Angela Merkel schasste ihn 2002 als Fraktionsvorsitzenden, 2018 verlor er die Wahl zum Parteichef gegen Annegret Kramp-Karrenbauer, zwei Jahre später gegen Armin Laschet.

Merz ist 65 Jahre alt, aber immer noch motiviert. Sich ganz aus der Politik zu verabschieden und im Sauerland einfach nur noch Golf zu spielen, kommt für ihn offenbar nicht in Frage. Er sehnt sich noch immer nach der großen politischen Bühne. Und zwar nicht nach der im Sauerland: Der Stadtrat ist zu klein, der Kreistag zu piefig. Merz muss mehr. Merz muss Bundestag.

Kampfkandidatur gegen profilierten Abgeordneten

Dass eine parteinterne Bewerbung um ein Bundestagsmandat überhaupt Aufsehen erregt, liegt zum einen an der Person, zum anderen an der Art und Weise, wie sie zu Stande kommen soll. Merz muss nämlich einen Parteifreund verdrängen, der schon im Januar bekannt geben hat, dass er wieder für die CDU im Hochsauerland in den Bundestag will: Patrick Sensburg.

Er ist seit 2009 Abgeordneter und hat sich in Berlin einen Namen gemacht, so leitete er etwa den NSA-Untersuchungsausschuss. Sensburg gibt sich siegesgewiss, meint, er könnte eine Kampfabstimmung gegen Merz bei den Delegierten im Sauerland gewinnen.

Vor Ort halten viele dagegen. Möglich, dass Sensburg seinen Preis in die Höhe treiben will und auf einen attraktiven Posten hofft - im Gegenzug für seinen Verzicht. Nachvollziehbar ist auf jeden Fall, dass er nicht prompt zurückzieht, nur weil Merz sein Mandat anstrebt. Unwahrscheinlich ist es, dass am Ende doch Merz zurückzieht.

Kollegenschreck

Es ist innerhalb weniger Wochen das zweite Mal, dass Merz einem CDU-Freund das Amt streitig machen würde. Nach der Wahlniederlage zum Parteichef wollte er, dass Peter Altmaier das Kabinett verlässt, auf dass er, Merz, Wirtschaftsminister werden kann. Merkel lehnte ab. Und jetzt soll ein Parteifreund aus dem Sauerland Platz für ihn machen müssen.

Was wohl los wäre, würde man mit Merz so umgehen? Ob er auch hier, wie beim verschobenen Bundeswahlparteitag, "politische Intrigen des Establishments" wittern würde?

Was will Merz?

Das Establishment der CDU im Hochsauerland ist jedenfalls auf Merz' Seite. Die größten Stadtverbände haben sich für ihn ausgesprochen - und damit gegen Sensburg und auch gegen einen  dritten Kandidaten, der aber schon signalisiert haben soll, zugunsten von Merz verzichten zu wollen.

Offensichtlich versprechen sich die Sauerländer noch etwas von Merz. Nur was? Den Fraktionsvorsitz? Da hätte wohl der Amtsinhaber aus Ostwestfalen, Ralph Brinkhaus, etwas dagegen. Ein Ministeramt? Dafür braucht man kein Bundestagsmandat. Nur Merz weiß, was ihn antreibt. Der Reiz von Ausschussarbeit wird es definitiv nicht sein.

Mal schauen: Die CDU-Delegierten im Sauerland entscheiden erst im April, wer Kandidat für den Wahlkreis wird. Und wenn es tatsächlich zu einer Kampfkandidatur kommen sollte, und Merz den schlechten Lauf der letzten Jahre beibehält, wäre es irgendwie folgerichtig, wenn er auch bei dieser Wahl nur Zweiter würde.

 

Merz erwägt, für den Bundestag zu kandidieren
Vera Wolfskämpf, ARD Berlin
02.03.2021 21:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. März 2021 um 23:00 Uhr.

Korrespondentin

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Sabine Henkel, WDR

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