Der Bürgermeister von Altena, Andreas Hollstein, spricht auf einer Pressekonferenz. | Bildquelle: dpa

Attacke auf Altenas Bürgermeister "Das Messer war für mich gedacht"

Stand: 28.11.2017 14:10 Uhr

Der Bürgermeister von Altena hat erstmals geschildert, wie es zu dem Messerangriff auf ihn kam. Er gehe von einer vorsätzlichen Tat aus, erklärte der für seine Flüchtlingspolitik bekannte CDU-Politiker. Zugleich beklagte er eine Verrohung des gesellschaftlichen Klimas.

Der mit einem Messer angegriffene Bürgermeister der nordrhein-westfälischen Stadt Altena, Andreas Hollstein, ist nach eigener Darstellung vor der Attacke vom Täter beschimpft worden. Dieser habe ihn in einem Imbiss zunächst fixiert und dann gefragt, ob er der Bürgermeister sei. Anschließend habe er gesagt: "Sie lassen mich verdursten und holen 200 Flüchtlinge nach Altena" - so schilderte der CDU-Politiker im Rathaus von Altena die Augenblicke vor der Tat am Montagabend.

Dann habe der Täter ein Messer gezogen und es ihm an den Hals gehalten. Er selbst habe das Messer weggedrückt, erklärte Hollstein. Die beiden Imbissbuden-Betreiber seien ihm zu Hilfe gekommen und hätten dem Angreifer das Messer abgerungen, ehe die herbeigerufene Polizei den Mann festnahm. Hollstein geht davon aus, dass der Täter vorsätzlich gehandelt habe: "Ich glaube, dass das Messer in der Tasche für mich gedacht war." Der ihm unbekannte Mann sei "steuerungsfähig" gewesen, er habe aber auch eine Alkoholfahne wahrgenommen.

Nur leichte Schnittverletzung am Hals

Seine Schnittwunde habe nur geklebt werden müssen, berichtete der 54-jährige Hollstein. Er sei glücklicherweise nur sehr leicht verletzt worden, werde aber zur Bewältigung des Vorfalls Hilfe suchen.

Eine Polizeistreife vor dem mutmaßlichen Tatort in Altona | Bildquelle: dpa
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Eine Polizeistreife fährt an der Dönerbude vorbei, die Tatort der Messerattacke gegen Altenas Bürgermeister Hollstein gewesen sein soll.

Hollstein warnte vor Hass in der politischen Auseinandersetzung. "Hass bringt uns nicht weiter. Diese Botschaft rüberzubringen, ist mir wichtig", sagte Hollstein. Er beklagte eine Verrohung des gesellschaftlichen Klimas und berichtete, ihn hätten bereits E-Mails erreicht, in denen die Tat gelobt werde.

Den Ermittlern zufolge griff der mutmaßliche Täter Hollstein mit einem 15 Zentimeter langen Messer an und fügte ihm eine Schnittwunde am Hals zu. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord vor.

Fremdenfeindliches Motiv wahrscheinlich

Der Polizeiliche Staatsschutz geht davon aus, dass der Angriff ein fremdenfeindliches Motiv hatte. Der Leiter des Polizeilichen Staatsschutzes, Andre Dobersch, sagte in Hagen, man gehe davon aus, dass es sich bei dem Messerangriff wegen vorliegender fremdenfeindlicher Motive um eine politische Straftat handele. Hollstein sei Opfer geworden, weil er durch besonderes Engagement durch Aufnahme von Flüchtlingen in Erscheinung getreten sei.

Der Täter habe den Angriff "ausdrücklich" damit gerechtfertigt, dass der Bürgermeister "200 Asylanten in die Stadt" geholt habe, sagte der Oberstaatsanwalt. Verbindungen in die rechte Szene seien bislang nicht festgestellt worden. Die Ermittler gingen zudem davon aus, dass es sich um eine "Spontantat" gehandelt habe.

Andreas Hollstein mit Kanzlerin Merkel | Bildquelle: dpa
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Der Bürgermeister von Altena, Andreas Hollstein und Kanzlerin Merkel bei der Verleihung des Nationalen Integrationspreises im Mai 2017.

Die 17.000 Einwohner zählende Stadt im Sauerland wurde bundesweit durch ihr Integrationskonzept "Vom Flüchtling zum Altenaer Mitbürger" bekannt. Teil des Konzepts war, dass Flüchtlinge in Wohnungen statt in Sammelunterkünften untergebracht werden.

Altena nahm zudem auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise freiwillig mehr Menschen auf, als der Stadt zugewiesen wurden. Damit soll unter anderem der starke Bevölkerungsschwund gestoppt werden. Mit seiner Politik, die auf eine schnelle Integration der Flüchtlinge ausgerichtet ist, machte sich Hollstein auch Feinde.

Merkel reagierte entsetzt

Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte entsetzt auf den Messerangriff. Sie sei aber zugleich "sehr erleichtert", dass Hollstein schon wieder bei seiner Familie sein könne, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter. Merkel hatte Altena erst im Mai mit einem Integrationspreis ausgezeichnet.

Über dieses Thema berichtete die Tagesschau am 28. November 2017 um 12:00 Uhr und tagesschau24 um 10:00 Uhr.

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