Wladimir Putin | Bildquelle: CHARLES PLATIAU/POOL/EPA-EFE/REX

Tötung im Tiergarten Putin nennt Mordopfer einen Banditen

Stand: 10.12.2019 08:54 Uhr

Russlands Präsident Putin hat den in Berlin ermordeten Georgier als "blutrünstigen Menschen" bezeichnet, der an Anschlägen beteiligt gewesen sei. Den deutschen Behörden machte er schwere Vorwürfe.

Bei der Pressekonferenz zu den Ukraine-Gesprächen hat sich der russische Präsident Wladimir Putin auch zu dem in Berlin ermordeten Georgier geäußert. Zelimkhan Khangoshvili sei ein "Bandit" gewesen, der selbst viele Menschen auf dem Gewissen habe.

"In Berlin wurde ein Krieger getötet, der in Russland gesucht wurde, ein blutrünstiger und brutaler Mensch", sagte Putin im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Georgier habe auf der Seite von Separatisten im Kaukasus gekämpft und dort alleine bei einem Anschlag den Tod von 98 Menschen verschuldet. Zudem sei er an einem Anschlag auf die Moskauer Metro beteiligt gewesen. Details nannte der russische Präsident nicht.

"Ich weiß nicht, was mit ihm passiert ist"

Den deutschen Behörden warf Putin vor, den "Verbrecher und Mörder" trotz entsprechender Gesuche aus Russland nicht ausgeliefert zu haben.

Dennoch zeigte er sich bereit, die deutschen Ermittler bei der Aufklärung des Mordes zu unterstützen. Zu den möglichen Hintergründen der Tat sagte Putin: "Ich weiß nicht, was mit ihm passiert ist. Das ist ein verbrecherisches Umfeld. Da kann alles Mögliche passieren."

Generalbundesanwalt ermittelt

Merkel hatte den Fall bei einem Einzelgespräch mit Putin vor dem Ukraine-Gipfel angesprochen. "Wir haben im Augenblick einen Anfangsverdacht des Generalbundesanwalts, nicht mehr und nicht weniger", sagte sie später auf der Pressekonferenz. Das habe sie dem russischen Präsidenten auch so mitgeteilt.

Auf die Frage, ob sie nun eine russische Kooperation bei den Ermittlungen erwarte, sagte die Kanzlerin: "Ich gehe davon aus, dass die russische Seite ihre Informationen uns zur Verfügung stellt, jedenfalls fände ich das gut."

Der Hauptverdächtige sitzt in Berlin in Untersuchungshaft und schweigt. Laut Pass handelt es sich um den russischen Staatsbürger Vadim Sokolov. Einmal soll er Besuch von Diplomaten aus der russischen Botschaft bekommen haben, die ihn konsularisch betreuen.

Frauen zeigen vor der deutschen Botschaft in Tiflis Fotos von Zelimkhan Khangoshvili, der in Berlin ermordet wurde. (Archiv: 10.9.2019) | Bildquelle: ZURAB KURTSIKIDZE/EPA-EFE/REX
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In der georgischen Hauptstadt Tiflis protestierten Frauen im September vor der deutschen Botschaft. Sie fordern die Aufklärung des Mordes an Khangoshvili.

Diplomaten sollen Russland verlassen

Die Bundesregierung wirft Russland fehlende Kooperation bei der Aufklärung des Falls vor und wies deshalb in der vergangenen Woche zwei russische Diplomaten aus.

Putin kündigte in Paris ebenfalls die Ausweisung deutscher Diplomaten an. Es sei ein ungeschriebenes Gesetz in solchen Fällen: "Ihr weist unsere Diplomaten aus, wir dann Eure."

Länger im Visier des FSB

Bereits vor der Ermordung im Berliner Tiergarten hatte der russische Geheimdienst FSB immer wieder Hinweise auf Kontakte Khangoshvilis zu Terroristen im Kaukasus gegeben. Er sei Anhänger des islamistischen "Kaukasischen Emirats" gewesen.

Khangoshvili kämpfte im zweiten Tschetschenienkrieg gegen die russischen Sicherheitskräfte. Er stammte aus dem georgischen Pankisi-Tal und gehört der muslimischen Minderheit der Kisten an, die mit den Tschetschenen in Russland verwandt sind.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. Dezember 2019 um 06:02 Uhr.

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