Passanten gehen mit Plastiktüten eine Straße entlang. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Kampf gegen Plastiktüten "Verbot von Strohhalmen genügt nicht"

Stand: 10.05.2019 14:43 Uhr

Entwicklungsminister Müller fordert nicht nur eine Plastiksteuer, sondern ein sofortiges Verbot von Einwegtüten. "Sonst versinken wir im Müll", warnte er. Als Vorbild nannte der Minister Staaten in Afrika.

Entwicklungsminister Gerd Müller hat ein sofortiges Verbot von Plastiktüten gefordert. "Das Verbot von Plastik-Strohhalmen genügt nicht, Deutschland sollte nicht auf Europa warten und Einweg-Plastiktüten sofort verbieten", sagte der CSU-Politiker der "Augsburger Allgemeinen".  "Wenn wir so weiter machen, versinken wir im Müll", betonte Müller. Müll werde zur globalen Überlebensfrage wie der Klimawandel.

Im SPD-geführten Bundesumweltministerium, das dafür fachlich zuständig ist, zeigte man sich irritiert über den Vorstoß. Umweltministerin Svenja Schulze sei durchaus verwundert, denn es gebe ja schon eine Regelung für Plastiktüten in Deutschland, und ihre Zahl gehe stark zurück, sagte ein Sprecher. Es gehe dabei aber "im Grunde genommen um Peanuts": Plastiktüten machten weniger als ein Prozent des Plastik-Verpackungsaufkommens aus.

Verbote in afrikanischen Ländern

Entwicklungsminister Müller dagegen verwies auf afrikanische Länder, die bereits Plastiktüten verboten hätten. "Was Ruanda, Kenia und Uganda können, müssen wir auch schaffen", sagte er. "Es kann nicht unser Ziel sein, den Müll nun einfach in andere Länder wie Malaysia zu schicken." Müller hatte sich in der Vergangenheit zudem offen für eine Plastiksteuer gezeigt.

Plastikmüll ist ein globales Problem. Da die billigen Einwegprodukte nicht verrotten, belasten sie auf Jahrhunderte die Umwelt. Die EU will bis 2021 zahlreiche Plastikprodukte wie Einweggeschirr, Wattestäbchen und Luftballonhalter verbieten.  Die Bundesregierung will erreichen, dass nur noch sortierter und gut recycelbarer Kunststoffabfall ins Ausland verkauft werden darf. Hintergrund sind Berichte über Plastikvermüllung in Ländern wie Malaysia oder Indonesien, in die deutsche Unternehmen Abfall exportieren.

Komplett-Verbot in Mexiko-Stadt

In Mexiko-Stadt werden ab Ende kommenden Jahres Einweg-Plastiktüten aus den Supermärkten verbannt. Bislang erhalten die Kunden in den Geschäften der Millionenmetropole kostenlos Plastiktüten für ihre Einkäufe. Geschäfte und Unternehmer haben nun mehr als ein Jahr Zeit, auf biologisch abbaubare Produkte umzusteigen. Ab Januar 2021 sollen auch Plastikgeschirr, Strohhalme, Kaffeekapseln und Luftballons verboten werden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. Mai 2019 um 11:00 Uhr.

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