Beschädigungen auf Museumsinsel | Bildquelle: AFP

Beschädigte Kunstwerke Motivsuche auf der Museumsinsel

Stand: 21.10.2020 16:17 Uhr

Am Tag der Deutschen Einheit wurden auf der Berliner Museumsinsel mehr als 60 Ausstellungsstücke beschädigt. Warum und von wem? Das ist bisher unklar. Kulturstaatsministerin Grütters forderte eine Erklärung der Betreiber.

Nach dem Bekanntwerden von Vandalismus in mehreren Museen auf der Berliner Museumsinsel bleibt das Motiv der mutwilligen Beschädigung noch völlig offen.

Bereits am 3. Oktober wurden mindestens 63 Kunstwerke und Artefakte im Pergamonmuseum, im Neuen Museum und in der Alten Nationalgalerie mit einer öligen, durchsichtigen Flüssigkeit besprüht. Nach Angaben der stellvertretenden Generaldirektorin der Staatlichen Museen zu Berlin, Christina Haak, handelt es sich um den bisher "umfangreichsten Schaden an gesammelten Objekten bei den staatlichen Museen".

Luftaufnahme der Museumsinsel in Berlin | Bildquelle: dpa
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Die Gruppe aus Altem Museum, Bode-Museum, Alter Nationalgalerie, Neuem Museum und James-Simon-Galerie als jüngstem Bau zieht jährlich knapp 3,1 Millionen Menschen an.

Ermittlungen wegen Sachbeschädigung

Die betroffenen Museen informierten daraufhin das Landeskriminalamt. Ein Ermittlungsverfahren wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung sei eingeleitet worden.

Die Beschädigungen wurden laut LKA zunächst nicht öffentlich gemacht, zum einen aus ermittlungstechnischen Gründen, zum anderen aus Rücksicht vor den Besitzern einiger der Artefakte, die den Museen als Leihgaben zur Verfügung gestellt worden seien. Der Vandalismus war durch Berichte des Deutschlandfunks und der "Zeit" bekannt geworden.

Artefakte während offizieller Öffnungszeiten beschädigt

Die Polizei geht davon aus, dass der oder die Täter während der offiziellen Öffnungszeiten der Museen zwischen 10 und 18 Uhr zuschlugen. Ein Zusammenhang zwischen den beschädigten Ausstellungsstücken sei nicht ersichtlich, hieß es vom LKA weiter.

Die genaue Schadenshöhe durch den Vandalismus lässt sich noch nicht abschätzen. Betroffen seien ägyptische Sarkophage und Steinskulpturen sowie die Bilderrahmen von Ölgemälden, teilte die Direktorin des Ägyptischen Museums und der Papyrussammlung, Friederike Seyfried, mit. Einige Beschädigungen seien für Laien gar nicht zu erkennen. Die Restauration der Ausstellungsstücke werde sich sehr aufwendig gestalten, auch aufgrund der verschiedenen Materialien der Artefakte. "Man kann Öl nicht einfach abwischen", sagte Seyfried. Sie sprach von einer "schmerzlichen Erfahrung, mit der wir nicht gerechnet haben".

Wie der "Tagesspiegel" berichtete, suchen die Ermittler nun nach Zeugen. Demnach wurden Besucher, die für den 3. Oktober Museumstickets gebucht hatten, vom LKA angeschrieben und dringend um Mithilfe gebeten.

Spuren der Sachbeschädigungen an einem Sarkophag des Propheten Ahmose im Neuen Museum in Berlin | Bildquelle: dpa
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Auf dem Sarkophag des Propheten Ahmose im Neuen Museum sind ölige Flecken zu erkennen.

Verbindung zu Verschwörungsideologen?

Laut der Polizeibehörde werde "in alle Richtungen ermittelt". Zu Berichten, dass der Verschwörungsideologe Attila Hildmann eine Rolle spielen könnte, nahm das LKA keine Stellung. Die Spekulationen seien der Polizei aber bekannt.

Den Berichten zufolge hatte Hildmann im August und September auf seinem öffentlichen Telegram-Kanal verbreitet, dass sich im Pergamonmuseum der "Thron des Satans" befinde und es das Zentrum der "globalen Satanisten-Szene und Corona-Verbrecher" sei: "Hier machen sie nachts ihre Menschenopfer und schänden Kinder."

Im Juni hatte Hildmann zahlreiche Kundgebungen auf den Stufen des Alten Museums abgehalten, bevor die Versammlungsbehörde sie verbot. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz distanzierte sich unter anderem mit einem großen Banner am Eingangsportal des Alten Museums von den Demonstrationen.

Seit 1999 UNESCO-Weltkulturerbe

Das Bauensemble auf der Museumsinsel im Herzen der Hauptstadt beherbergt weltberühmte Sammlungen zur Kunst- und Kulturgeschichte Europas und der Mittelmeerregion. Sie gehört seit 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Anfang Oktober feierte das Pergamonmuseum seinen 90. Geburtstag. Benannt ist es nach seiner bekanntesten Attraktion, dem Pergamonaltar. Er stammt aus dem 2. Jahrhundert vor Christus und gehörte zur Residenz der mächtigen Könige von Pergamon, die im Westen der heutigen Türkei eine Kulturmetropole nach dem Vorbild Athens schufen. Als eines der wenigen Museen in Deutschland lockt das Haus jährlich mehr als eine Million Menschen an.

Grütters verurteilt Beschädigungen

Kulturstaatsministerin Monika Grütters forderte Aufklärung in Sachen Sicherheit. Die Staatlichen Museen zu Berlin müssten sich erneut Fragen nach ihren Sicherheitsvorkehrungen stellen lassen, erklärte Grütters. "Ich habe daher den Präsidenten umgehend gebeten, dem Stiftungsrat dazu einen umfassenden Bericht vorzulegen. Es ist zu klären, wie diese vielen Beschädigungen unbemerkt vonstattengehen konnten und wie solche Angriffe in Zukunft verhindert werden sollen."

Die vorsätzliche Beschädigung der Kunstwerke verurteilte Grütters aufs Schärfste. Sie richteten sich "auch gegen künstlerische Ausdrucksformen, gegen unser aller Kulturerbe, gegen zivile Formen der Auseinandersetzung und so gegen Grundsätze unseres demokratischen Selbstverständnisses". Neben der reinen Sachbeschädigung zeige sich bei solchen Angriffen immer auch eine tiefe Verachtung gegenüber Kunstwerken und kulturellen Leistungen insgesamt.

Bereits 2017 wurde die Museumsinsel zum Tatort: Damals wurde eine riesige Goldmünze gestohlen. Die Beute ist bis heute verschwunden und wurde vermutlich zerstückelt und verkauft.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Oktober 2020 um 16:00 Uhr.

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