Lychen in der Uckermark: Nudisten-Yoga verboten

tagesthemen mittendrin Streit um den hüllenlosen Badespaß

Stand: 03.07.2020 17:26 Uhr

Nackt in den See springen - das gehört in Lychen in der Uckermark dazu. Doch als an den Stränden Nackt-Yogis aufkreuzten, beschloss die Stadt ein Verbot. Über die neue Badeordnung ist ein erbitterter Streit entbrannt.

Von Griet von Petersdorff, RBB

Lychen in der Uckermark ist umgeben von Seen, die Lage ist traumhaft. Die Einheimischen lieben es, schnell mal in die Fluten zu springen, und das gerne hüllenlos. Da das Ganze offenbar ausuferte - man erzählt von Nackt-Volleyball und Nackt-Yoga an den öffentlichen Badestellen - beschloss die Stadtverwaltung, dem Treiben ein Ende zu setzen.

Mit knapper Mehrheit beschloss die Stadtverordnetenversammlung, dass die öffentlichen Badestellen ab nun Textilstrände sind. Das würde nicht nur für das Nackt-Yoga das Aus bedeuten - man könnte dann auch nicht mehr einfach mal eben schnell nackt ins Wasser springen. Bis zu 500 Euro könnte eine Zuwiderhandlung kosten.

tagesthemen mittendrin: Lychen im Streit um Nacktbadeverbot in der Uckermark
tagesthemen 21:45 Uhr, 03.07.2020, Griet von Petersdorff, RBB

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Rücktritt, Erpresserbrief und martialisches Vokabular

Diese Badeordnung wurde zwar wieder kassiert, allerdings aus formalrechtlichen Gründen, wie es heißt. Es wird also eine Badeordnung geben. In Lychen ist die Stimmung jedenfalls seit dem Erstbeschluss im Keller, es gibt heftigen Streit. Ein Stadtverordneter trat von seinen Ämtern zurück, es soll sogar einen Erpresserbrief gegeben haben, und die Bürgermeisterin erhielt einen offenen Brief.

Das Vokabular der Parteien ist martialisch. Man könnte meinen, es ginge darum, einen ganzen Ort abzureißen, sagt Carla Kniestedt, Betreiberin der "Mühlenwirtschaft". So heftig verliefen die Diskussionen. Ihren Mann Roland Resch, einst Bildungsminister Brandenburgs, amüsiert das Ganze: "Eigentlich arbeitet man hier nur im Lendenschurz", ruft er in die Küche der Gaststube.

Verblüffung über so viel Aufmerksamkeit

Michaela Ambellan, Keramikerin, bemalt mit Hingabe ihre Figuren, vorzugsweise badende Frauen. Heute bekommen sie blaue Streifen. Nein, mit der neuen Badeordnung habe das nichts zu tun. Sie sei der Meinung, ein friedliches Miteinander von Nackten und Angezogenen müsse doch möglich sein, am besten ohne Verbote. Aber Nackt-Yoga, das würde sie auch nicht unbedingt in unmittelbarer Nähe haben wollen.

Ihr Ehemann Mathias Ambellan ist verblüfft, wie viel Aufmerksamkeit dieses doch eher harmlose Thema erregt. Er selbst plant ein Museum, modern und fern allem Lokalpatriotischen: Lychen zwischen 1933 bis 1945. In seinem Privatarchiv hat er aber auch ein paar Ansichtskarten mit Badenden in Lychen aus dem Jahr 1916 - übrigens züchtig gekleidet.

Lychen in der Uckermark: Nacktbaden verboten
galerie

Lychen ist ein Idyll - doch der Streit um die neue Badeverordnung trübt die Stimmung.

"Exzesse am Badestrand"

Der Stadtverordnete Andreas Huth von der CDU-Fraktion hatte sich bei der Abstimmung enthalten, aber inhaltlich ist er für die Badeordnung. Er spricht von "Exzessen" am Badestrand, und dass man da hätte handeln müssen. Aber womöglich sei mit der rigiden Regelung das "Kind mit dem Bade" ausgeschüttet worden. Er kündigt eine Kompromisslösung an.

Siegfried Wintermann feiert seinen 70. Geburtstag. Geplant ist ein Aufenthalt an einer der schönen Badestellen von Lychen. Er ist bestens gelaunt, aber eines bedauert er: Dass es seit der Wiedervereinigung immer weniger FKK gebe. Was das Textilfreie betrifft, war die DDR erheblich freizügiger als Westdeutschland. Fröhlich springt er vor laufender Kamera in die umkämpften Fluten.

Eine Floßfahrt für den Frieden?

Robert Günther ist Künstler und Galerist: Er hat eine einstige Drogerie zu einer überregional bedeutenden Galerie umfunktioniert. Die Deckenbeleuchtung von damals, der Spionspiegel und ein Einkaufswagen sind noch da. Seit kurzem hängt dort auch das Bild einer Nacktbadenden in Lychener Gewässern.

Der Streit um das kalte Nass erhitze die Gemüter, stellt auch er fest. Doch Günther sieht das positiv: Womöglich helfe der Streit ums Nacktbaden auch, die offenbar verhärteten Fronten aufzulösen.

Jedenfalls gibt es nun die Idee, dass sich die zerstrittenen Stadtverordneten in dem sehr schönen Ort Lychen mit Flößertradition eben auf eine gemeinsame Floßfahrt begeben sollen. Dabei könnten sie Kompromisse finden - vielleicht auch zum Thema Nacktbaden.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 03. Juli 2020 um 21:45 Uhr.

Darstellung: