Inge Heimer | Bildquelle: SWR Mainz

Hass im Internet Wenn nur die "Haut aus Teflon" hilft

Stand: 19.02.2020 09:23 Uhr

Sie glaubt an Zivilcourage als Bürgerpflicht. Deshalb engagiert sich Inge Heimer bei den "Omas gegen Rechts" in Kandel. Dafür wird sie im Netz angefeindet - und hofft nun auf besseren rechtlichen Schutz.

Von Christian Kretschmer, SWR

"Inge ist eine alte Schabracke"
"Die soll sich verpissen und den Rand halten"
"Hexen hat man früher auf dem Scheiterhaufen verbrannt! Und die ist definitiv eine!"

Dieser Hass schlägt Inge Heimer entgegen, wenn sie durch Facebook scrollt oder Nachrichten über sich in öffentlichen Chatgruppen liest. Sie zeigt Screenshots auf ihrem Smartphone; fast alle Beleidigungen habe sie dokumentiert. Es seien "bestimmt um die 100 Stück", sagt Heimer und ergänzt: "Ich bin entsetzt, dass Menschen sich so gegenüber Mitmenschen äußern."

Hasskommentare im Internet gegen Inge Heimer | Bildquelle: SWR Mainz
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Mit Hasskommentaren wie diesen wird Inge Heimer wegen ihres Engagements bei den "Omas gegen Rechts" bedacht.

Woher kommt all der Hass?

Heimer ist Mitgründerin von "Omas gegen Rechts" im rheinland-pfälzischen Kandel. Sie selbst hat zwei kleine Enkelkinder. Gemeinsam mit etwa zehn anderen älteren Frauen geht sie regelmäßig gegen Rechtsextremismus auf die Straße. "Ich engagiere mich, weil ich nicht möchte, dass wir irgendwann wieder Zustände haben wie 1933. Weil ich unsere Demokratie verteidigen möchte", erzählt Heimer. "Und vor allem, weil ich nicht möchte, dass meine Enkelkinder irgendwann fragen: Oma, warum hast du nichts gemacht?"

Omas gegen Rechts
Morgenmagazin, 19.02.2020, Christian Kretschmer, SWR

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In Kandel, rund 15 Fahrminuten von Heimers Wohnort entfernt, ermordete im Dezember 2017 ein abgelehnter Asylbewerber die Schülerin Mia. Die pfälzische Kleinstadt hat sich seitdem zum Aufmarschort für rechte Gruppierungen entwickelt - von der NPD bis zum Kandler "Frauenbündnis". Dagegen wehrte sich Heimer von Beginn an, zunächst im Bündnis "Kandel gegen Rechts", seit Ende 2018 bei den "Omas gegen Rechts".

Hoffen auf härtere Strafen

Wegen dieses Engagements wird Heimer angefeindet. Körperlich bedroht worden sei sie noch nicht, dafür kämen häufig die Beleidigungen im Netz. Sie versuche, all die Schmähungen nicht an sich heran zu lassen: "Ich stelle mir vor, ich hätte eine Haut aus Teflon: Es prallt alles ab."

"Omas gegen Rechts" im rheinland-pfälzischen Kandel | Bildquelle: SWR Mainz
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Öffentlicher Protest als Bürgerpflicht: Heimer mit den "Omas gegen Rechts" im rheinland-pfälzischen Kandel

Die schlimmsten Beleidigungen hat sie trotzdem angezeigt, um die 30 seien es gewesen - aber die Staatsanwaltschaft habe die Ermittlungen bislang stets eingestellt. Heimer hofft, dass sich etwas ändert: "Ich würde mir sehr wünschen, dass diese Beleidigungen, dieser Hass, endlich stärker bestraft werden."

Genau das hat das Bundesjustizministerium vor, mit dem "Gesetz zur Bekämpfung des Rechtsextremismus und der Hasskriminalität". Das sieht unter anderem für öffentliche Beleidigungen im Netz bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe vor; bislang ist maximal ein Jahr vorgesehen. Heimer begrüßt das Gesetzesvorhaben, plädiert aber auch für eine konsequente Umsetzung seitens der Justiz. Ob das Gesetz allein dazu führt, dass die Verfasser von Hasskommentaren auch gefasst und Verfahren nicht einfach eingestellt werden, bleibt damit unklar.

"Jetzt erst recht"

Weiter demonstrieren gehen will Heimer in jedem Fall. Ihr Teppichklopfer, den sie zu einem Plakat umfunktioniert hat, liegt schon bereit. "Kandler Omas gegen Rechts" prangt darauf, in der Mitte zu sehen ist eine Oma mit Sonnenbrille und Boxhandschuhen. Angst wegen der Beleidigungen habe sie keine, sagt Heimer. "Es spornt mich eher an. Ich sage dann, jetzt erst recht. Ich lasse mich nicht kleinkriegen und schon gar nicht einschüchtern."

Über dieses Thema berichtete das Morgenamagazin am 19. Februar 2020 um 06:16 Uhr.

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