Werbung für ein Online-Glücksspiel auf einem Bildschirm | Bildquelle: picture alliance/dpa

Glücksspiel künftig legal Online-Zocken - erlaubt, aber überwacht

Stand: 22.01.2020 16:27 Uhr

Ab Mitte 2021 soll Zocken im Internet in Deutschland erlaubt sein. Experten für Spielsucht finden das grundsätzlich gut. Doch an Details der Regeln, auf die sich die Bundesländer geeinigt haben, gibt es Kritik.

Von Jens Eberl, WDR

Fast 70 Seiten ist er dick, der neue "Glücksspielneuregulierungsstaatsvertrag". Ein sperriges Wort, das aber die Welt der Online-Glücksspiele auf den Kopf stellt. Bislang hatte nur ein Bundesland - Schleswig-Holstein - Glücksspiele zugelassen. Nun wollen die anderen Bundesländer nachziehen.

Neue Regeln sind dringend nötig, denn in den vergangenen Jahren hat es einen regelrechten Boom von nicht regulierten Glücksspielen im Netz gegeben. Die Anbieter sitzen dann meist in einem anderen EU-Land, in dem das Glücksspiel erlaubt ist. Die Strategie lautet also: Lieber die Spiele auch hier erlauben, dafür aber kontrollieren. Dementsprechend schreibt der neue Staatsvertrag strenge Regeln vor.

Bei 1000 Euro ist Schluss

Pro Monat soll es ein Einzahlungslimit geben. Für jeden Spieler müssen Anbieter ein Spielkonto einrichten. Wenn der Nutzer 1000 Euro investiert hat, ist für ihn Schluss. Dann wird sein Benutzerkonto gesperrt. Mögliche Gewinne sollen auf dieses Limit aber nicht angerechnet werden.

Wolfgang Kursawe, Leiter der Fachstelle Glücksspielsucht bei der Drogenhilfe Köln, hält das Limit allerdings für etwas naiv. Seine Erfahrung sei, dass Spielsüchtige sehr kreativ seien, wenn es darum ginge entweder an Geld zu kommen oder Möglichkeiten zum Spielen zu finden.

"Die Spieler werden ein zweites oder drittes Konto bei einem weiteren Anbieter eröffnen - unter einem anderen Namen. Das halte ich für etwas blauäugig, dass da nicht mehr als 1000 Euro verspielt werden, wenn jemand süchtig ist", erzählt der Suchtberater aus seiner langjährigen Erfahrung.

Glücksspiel im Internet soll künftig legal sein
tagesthemen 22:15 Uhr, 22.01.2020, Jens Eberl, WDR

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Suchtberater: "Legalisierung ist richtig"

Insgesamt finde er aber gut, dass das Online-Glücksspiel nun legalisiert werde. "Ich denke, es ist nicht zeitgemäß, bestimmte Dinge online verbieten zu wollen. Jeden Tag kommen da Angebote aus Malta oder Österreich." So habe man nun zumindest die Möglichkeit, Maßnahmen zum Verbraucherschutz einzubauen.

Und das hat das Gesetz auch vor: Veranstalter von Sportwetten, Online-Casino-Spielen, Online-Poker und virtuellen Automatenspielen müssen ein "automatisiertes System" zur Früherkennung von glücksspielsuchtgefährdeten Spielern einsetzen. Nur unter bestimmten Voraussetzungen darf im Internet Werbung gemacht werden. Für Sportwetten soll es im Rundfunk und im Internet zwischen 6 und 21 Uhr ein Werbeverbot geben.

Zentrale Behörde soll Glücksspiel überwachen

Eine zentrale Glücksspielbehörde der Länder soll überwachen, dass im Netz alles korrekt läuft. Der Jugend- und Spielerschutz soll gewährleistet, das Entstehen von Wettsucht verhindert werden.

In einer Sperrdatei sollen künftig Zocker erfasst werden, die sich selbst freiwillig haben sperren lassen oder von einem Anbieter gesperrt wurden. Die Anbieter müssen alle Spieldaten für die Behörde zu Kontrollzwecken abrufbar halten. Diese soll so prüfen können, ob Spielverläufe zulasten von Spielern manipuliert oder die Vorgaben des Gesetzes verletzt wurden.

Die schleswig-holsteinische Landesregierung begrüßte die Verständigung als Durchbruch. Der künftige Staatsvertrag werde "Grundlage für ein ausreichend attraktives Onlineglücksspiel-Angebot sein, um die Kanalisierung des Glücksspiels in den legalen Markt zu sichern", sagte der Chef der Staatskanzlei, Dirk Schrödter.

Im Februar soll es Verhandlungskreisen zufolge eine Anhörung von Verbänden geben. Die Ministerpräsidenten sollen dem neuen Staatsvertrag Anfang März grundsätzlich zustimmen. Er muss dann noch von den einzelnen Landesparlamenten ratifiziert werden. Am 1. Juli 2021 soll der neue Staatsvertrag in Kraft treten - dann läuft der bisherige aus.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Januar 2020 um 17:00 Uhr.

Korrespondent

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Jens Eberl, WDR

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