Preisträger des Paul-Ehrlich-Preises: Anthony Cerami und David Wallach | Bildquelle: Brian Lemke/Lemke Design/dpa, Re

Paul-Ehrlich-Preis Pioniere der Entzündungstherapie ausgezeichnet

Stand: 23.01.2018 13:58 Uhr

Wie entstehen Krankheiten wie Rheuma oder Schuppenflechte und wie können sie bekämpft werden? Ein US-Amerikaner und ein Israeli haben dazu grundlegende Antworten geliefert. Dafür sind sie mit dem Paul-Ehrlich-Preis geehrt worden.

Von Gabor Paal, SWR

Der US-Amerikaner Anthony Cerami und der Israeli David Wallach teilen sich den mit 120.000 Euro dotierten Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Preis 2018. Das gab der Stiftungsrat in Frankfurt bekannt. Die beiden Wissenschaftler haben entscheidende Prozesse bei der Entstehung von Autoimmunerkrankungen wie Rheuma, Morbus Crohn, Schuppenflechte oder Morbus Bechterew entschlüsselt.

Bei all diesen Erkrankungen spielt der Signalstoff TNF eine wichtige Rolle. Die Abkürzung steht für "Tumor-Nekrose-Faktor". Es handelt sich um einen Botenstoff, der vom Immunsystem selbst produziert wird - und wiederum die Aktivität anderer Immunzellen reguliert. Er kann aber auch Zellen in den Tod schicken, den "programmierten Zelltod".

Forschungen führten zu TNF-Hemmern

Die Forschungen von Cerami und Wallach haben schließlich zur Entwicklung von TNF-Hemmern geführt, die heute zur Behandlung von Rheuma und anderen entzündlichen Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden. "Die Hemmung von TNF gilt als eines der wichtigsten Therapieprinzipien in der Medizin", erklärte die Paul-Ehrlich-Stiftung zur Begründung für die Preisvergabe.

Der 77 Jahre alte Anthony Cerami hatte seine Entdeckung bereits 1980 patentieren lassen und eine Pharmafirma gegründet. Der 72-jährige David Wallach arbeitet am Weizmann Institute of Science in Rehovot.

Nachwuchspreis geht an einen Deutschen

Biochemiker Tim J.Schulz | Bildquelle: dpakow/Faceland Photography/Kolk
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Der Biochemiker Tim J. Schulz wird für seine Arbeiten über weiße und braune Fettzellen ausgezeichnet.

Der Nachwuchspreis geht an den 38-jährigen Biochemiker Tim J. Schulz vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (Dife) in Potsdam. Schulz erforscht das menschliche Körperfett. Er hat maßgeblich zur inzwischen etablierten Unterscheidung zwischen "weißen" und "braunen" Fettzellen beigetragen. Braunes Fett schützt den Körper vor Auskühlung, weißes dient als Energiereserve.

Beide Fettzelltypen sind wichtig. Allerdings können beide auch dazu beitragen, Krankheiten zu begünstigen. Weiße Fettzellen können sich aufgrund falscher Ernährung oder aufgrund von Alterungsprozessen in Geweben ansammeln, in denen sie nicht hingehören. Bei fettreicher Kost produzieren zum Beispiel Knochenzellen im Alter vermehrt weißes Fett statt Knochengewebe.

Der altersbedingte Verlust von braunem Fett kann dazu beitragen, dass der Energieumsatz des Körpers sinkt, was wiederum das Risiko für Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten einhergeht.

Der Nachwuchspreis ist mit 60.000 Euro dotiert. Die Preise werden am 14. März in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Von den bisher 126 Geehrten haben später 22 den Nobelpreis erhalten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Januar 2018 um 17:00 Uhr.

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