Eine Pflegekraft hilft in einem Seniorenzentrum einer Pflegehausbewohnerin sich hinzulegen. | Bildquelle: dpa

Mangel an Pflegekräften Ist Anwerbung aus dem Ausland die Lösung?

Stand: 17.08.2018 14:43 Uhr

Ein Ziel des Eckpunktepapiers zur Fachkräfteeinwanderung ist es, Pfleger zu gewinnen. Dabei zeigt die Erfahrung: Bürokratie und praktische Probleme behindern die Einstellung ausländischer Pflegekräfte.

Von Martin Polansky, ARD-Hauptstadtstudio

Judith Heepe ist die Pflegedirektorin der Berliner Charité. Sie ist die Chefin über 4500 Pflegekräfte. Um den Mitarbeitermangel anzugehen, wirbt die Uniklinik seit 2016 Pfleger aus Nicht-EU-Staaten an: gezielt in Albanien und Mexiko. In 74 Fällen hat das bisher funktioniert.

Diskussion über Einwanderungsgesetz: Fachkräfte fehlen
nachtmagazin 01:00 Uhr, 18.08.2018, David Ahlf, ARD Berlin

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Heepe beklagt die große Bürokratie bei der zuständigen Landesbehörde und der Arbeitsagentur: "Es geht beeindruckend langsam. Für uns heißt es warten und warten." Die Überprüfungen seien nicht standardisiert, jedes Mal müsse man von vorne beginnen. "Wir hatten einen Mexikaner, dessen Kopien seiner Arbeitszeugnisse nicht anerkannt wurden, obwohl die deutsche Botschaft vor Ort sie beglaubigt hatte", klagt sie. Sechs Monate dauere ein Verfahren im Schnitt.

60 Mitarbeiterinnen von den Philippinen

Ähnliche Erfahrungen hat Doris Schneider, die Geschäftsführerin des Bereichs Altenheime der Caritas München und Freising. In den 28 Altenheimen arbeiten rund 1000 Pflegefachkräfte. Seit 2015 hat die Caritas 60 Mitarbeiterinnen von den Philippinen angeworben. "Die Behörden in Oberbayern sind das Nadelöhr", sagt Schneider. Jedes Mal gebe es inzwischen eine Einzelfallprüfung, dabei seien die ausländischen Abschlüsse noch vor zwei Jahren als gleichwertig anerkannt worden.

Die Caritas hat für die Anwerbung mit "Triple Win" zusammengearbeitet, einem gemeinsamen Programm der Bundesagentur für Arbeit und der staatlichen Entwicklungsorganisation GIZ. Die wirbt seit fünf Jahren aktiv Pflegekräfte an. 2280 Personen wurden seitdem vermittelt, auf der Grundlage von Abkommen mit den Philippinen, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Tunesien. Eine eher geringe Zahl, gemessen am tatsächlichen Bedarf in Deutschland.

"Die Prozesse sind kleinteilig", sagt Maja Bernhardt, Leiterin des Projekts bei der GIZ. So müssten etwa ausreichend gute Deutschlehrer auf den Philippinen gefunden werden. "Insgesamt haben wir aber gute Erfahrungen gemacht. Die Pflegekräfte sind sehr motiviert." Das zeige sich schon daran, dass sie extra die deutsche Sprache erlernten.

Eine Altenpflegerin geht mit einer Seniorin durch einen Flur in einem Altenheim
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Der Bedarf an Pflegekräften ist in Deutschland sehr groß.

Beruf muss attraktiver werden

Wegen der praktischen Probleme glaubt Pflegedirektorin Heepe an der Berliner Charité nicht, dass absehbar in großer Zahl aus dem Ausland angeworben werden kann. "Die Lücken in kurzer Zeit zu stopfen, wird nicht funktionieren." So verlange die Charité den Abschluss einer vergleichbaren Pflegeausbildung im Herkunftsland und Deutschkenntnisse mit dem Sprachniveau B2. Keine häufige Kombination in Nicht-EU-Ländern.

Auch Doris Schneider von der Caritas München glaubt nicht an eine Beseitigung des Pflegermangels durch Anwerbung. Die ausländische Rekrutierung könne nur ein Baustein sein, um Pflegekräfte zu gewinnen. Vor allem müsse der Beruf hierzulande attraktiver gemacht werden.

Koalition debattiert über Ausgestaltung des neuen Einwanderungsgesetzes
tagesschau 20:00 Uhr, 17.08.2018, Ariane Reimers, ARD Berlin

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Pflege ist nicht für jeden etwas

In den diskutierten "Spurwechsel" vom Asylverfahren in reguläre Arbeitseinwanderung setzen die beiden Pflegeleiterinnen kaum Erwartungen. "Acht Flüchtlinge absolvieren bei uns an der Charité zur Zeit eine Pflegeausbildung", so Heepe. Deutlich mehr hätten Praktika absolviert und dann aufgehört.

Gerade für junge Männer aus den Fluchtländern sei es oft schwer vorstellbar, in der Pflege zu arbeiten. Bei der Caritas München lassen sich gerade eine Handvoll Flüchtlinge in der Pflege ausbilden. "Ich sehe da zwar ein gewisses Potenzial", sagt Schneider. "Aber nicht für jeden ist die Pflege etwas."

Eine junge Frau hält in einem Pflegeheim die Hand einer Seniorin. | Bildquelle: dpa
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Deutsche Sprachkenntnisse seien Voraussetzung für Pfleger aus dem Ausland, sagt Erwin Rüddel.

Griff nach jedem Strohhalm

Der Entwurf des Eckpunktepapiers zur Fachkräfteeinwanderung sieht zwar keinen "Spurwechsel" vor, aber schnellere Anerkennungsverfahren bei der Anwerbung aus dem Ausland sind ein wichtiges Ziel. Dass damit der Mangel an Pflegern schnell behoben werden kann, bezweifeln Fachpolitiker der Koalitionsparteien.

Nur in wenigen Ländern gäbe es eine vergleichbare Ausbildung, sagt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Und zum Thema Spurwechsel: "Der afghanische Flüchtling, der in die Pflege geht, ist eine Rarität."

Erwin Rüddel, der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, sagt, dass wegen des Pflegermangels nach jedem Strohhalm gegriffen werden müsse. Deutsche Sprachkenntnisse seien aber eine Grundvoraussetzung. Man müsse ohne große Schranken im Kopf über Anwerbung nachdenken, sagt der CDU-Politiker: "Ob jemand mit Ausbildung herkommt oder ohne und sie dann hier absolviert, da bin ich offen." Aber der deutlich größere Teil der Lücke müsse mit Leuten aus dem Inland geschlossen werden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. August 2018 um 15:00 Uhr.

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