Ein Mann sitzt in Frankfurt am Main auf einem Sessel und unterhält sich mit seiner Psychotherapeutin | Bildquelle: picture alliance / dpa Themendie

Ausbildung von Psychotherapeuten Schluss mit jahrelangem Hungerlohn?

Stand: 09.05.2019 11:53 Uhr

Studium, praktische Ausbildung, staatliche Prüfung: Wer Psychotherapeut werden will, braucht langen Atem - und Geld. Denn Lohn gibt's während der Ausbildung oft nur wenig. Ändert sich das nun?

Von Vera Wolfskämpf, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Eine Reform ist dringend nötig, findet Dominik Meinau. Er ist angehender Psychotherapeut aus Ulm. Der 26-Jährige steckt gerade mitten in der praktischen Ausbildung, die nach dem Studium absolviert werden muss und Jahre dauert. Erst danach ist eine Approbation möglich. "Die Bedingungen sind so, dass wir häufig kein Geld beziehen und einen Praktikantenstatus haben, obwohl wir ein Bachelor- und ein Masterstudium vorweisen können und eben die Arbeit machen, die ein approbierter Kollege auch macht", berichtet der junge Mann.

Die praktische Ausbildung muss sowohl in einer psychiatrischen Klinik und einer ambulanten Versorgungsstelle absolviert werden. Während seiner Ausbildungszeit in der Klinik bekam Meinau 300 Euro monatlich, lief unter dem Status eines Praktikanten und war nicht sozialversichert. Kein Einzelfall, zeigt eine Umfrage unter 3500 Psychotherapeuten in Ausbildung. Die hat Grünen-Politikerin Maria Klein-Schmeink vor zwei Jahren durchgeführt. Demnach verdient die Hälfte der Befragten während der praktischen Jahre weniger als 500 Euro im Monat.

Spahn plant Reform

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die Ausbildung nun reformieren: Es soll ein Direktstudium Psychotherapie geben, das mit Staatsexamen und Approbation endet. Erst im Anschluss an die Approbation sollen die drei bis fünf Jahre praktische Ausbildung folgen, dann aber ähnlich wie bei Assistenzärzten. "In der Weiterbildung werden die Leistungen in den Krankenhäusern wie in der Ambulanz vergütet, das heißt, sie können einen höheren Lohn bekommen als heute", erklärte Spahn vor einigen Wochen.

Jens Spahn | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX
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Gesundheitsminister Jens Spahn plant eine Reform für die Ausbildung von Psychotherapeuten.

Für diesen Plan bekommt der CDU-Minister Zustimmung sogar von der Opposition. "Das ist ein Fortschritt. Aber man muss leider kritisieren, dass dieser Gesetzentwurf auf halbem Wege stehenbleibt", kritisiert die Grünen-Abgeordnete Klein-Schmeink. Denn nur für die halbe Ausbildung sei die Finanzierung gesichert: nämlich den praktischen Teil in der Klinik. Nicht jedoch, wenn die angehenden Psychotherapeuten dann ambulant Patienten behandelten.

Mehr Geld nur im Klinikum

Das wollen die Grünen aber, damit "auch in dieser Phase sichergestellt ist, dass man in einem Angestelltenverhältnis, ohne Schulgeld und weitere Belastungen, eine Absicherung hat", sagt Klein-Schmeink. Es brauche eine Kostenübernahme. Denn neben dem geringen Einkommen haben die werdenden Psychotherapeuten auch hohe Ausgaben, für Supervision oder Lehranalysen. Insgesamt kann die Ausbildung zwischen 20.000 und 70.000 Euro kosten. Ohne Nebenjob, Unterstützung oder einen Kredit ist das kaum zu schaffen.

Dominik Meinau hat zusammen mit anderen Psychotherapeuten in Ausbildung eine Petition beim Bundestag gestartet. Ziel ist, dass auch die aktuellen Studierenden und Kollegen von der Reform profitieren. Denn bei der Umsetzung der Reform geht um eine Übergangszeit von bis zu zwölf Jahren. Heute beginnt die Debatte im Bundestag. Dann wird in den Ausschüssen und bei einer öffentlichen Anhörung über die Reform diskutiert. Der Bundesgesundheitsminister will sie noch vor der Sommerpause beschließen. Das neue Direktstudium Psychotherapie könnte dann im nächsten Jahr starten.

Reform der Psychotherapeutenausbildung im Bundestag
Vera Wolfskämpf, ARD Berlin
09.05.2019 09:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 09. Mai 2019 um 05:47 Uhr und 06:51 Uhr.

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