Missbrauchsfall Polizei Münster | Bildquelle: dpa

Missbrauchsverdacht in Münster Elf Festnahmen, drei Kinder identifiziert

Stand: 08.06.2020 15:39 Uhr

Nach Ermittlungen der Polizei Münster wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sind elf Tatverdächtige festgenommen worden. Bei dem Hauptverdächtigen handelt es sich um einen 27 Jahre alten IT-Techniker. Drei Kinder konnten identifiziert werden.

Bei den Ermittlungen in einem neuen bundesweiten Missbrauchsfall hat die Polizei elf Tatverdächtige festgenommen. Gegen sieben Beschuldigte wurde Untersuchungshaft angeordnet. Es handele sich um sechs Männer und eine Frau. Der Hauptbeschuldigte sei ein 27-Jähriger aus Münster.

Die Ermittler hätten große Mengen an Datenträgern gefunden, die hochprofessionell verschlüsselt worden seien, sagte Kriminalhauptkommissar Joachim Poll. Den Ermittlern sei es bis heute nicht gelungen, alle Daten zu entschlüsseln. Poll sprach von aufwendigen, kniffligen und mit viel Technik verbundenen Ermittlungen. Der 27-Jährige sei in einem landwirtschaftlichen Betrieb im Kreis Coesfeld für die IT-Technik tätig gewesen.

Hunderte Asservate IT-Technik

In einem Keller in Münster fanden die Ermittler einen komplett eingerichteten, klimatisierten Serverraum. Er sei dem 27-jährigen Tatverdächtigen zuzurechnen, sagte Poll. Das Speichervolumen der sichergestellten Daten liege nach ersten Erkenntnissen bei mehr als 500 Terabyte. Poll sprach von mehreren Hundert Asservaten an gefundener IT-Technik.

Polizei in Münster deckt Kindermissbrauchs-Netzwerk auf
tagesthemen 23:35 Uhr, 06.06.2020, Torsten Beermann, WDR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Drei Kinder identifiziert

Bei den Festgenommenen handele es sich neben dem Hauptverdächtigen um dessen Mutter aus Münster sowie um Männer aus Staufenberg, Hannover, Schorfheide, Kassel und Köln. Drei Kinder konnten als Opfer identifiziert werden. Sie seien 5, 10 und 12 Jahre alt, teilten die Ermittler in Münster mit.

Vier Männer sollen wechselweise einen 5- und 10-Jährigen Jungen in einer Gartenlaube über Stunden schwer sexuell missbraucht haben. Bei den Opfern handele es sich um den 10-jährigen Sohn der Lebensgefährtin des Münsteraners und um den 5-jährigen Sohn des Beschuldigten aus Staufenberg. Das habe die Auswertung einer bereits gelöschten Festplatte ergeben, die die Ermittler versteckt in einer Zwischendecke gefunden hatten. Die Missbrauchshandlungen sollen vom November 2018 bis Mai 2019 stattgefunden haben.

Die Gartenlaube sei von außen mit Überwachungskameras gesichert gewesen. Die Täter seien "hoch konspirativ" vorgegangen. Den Innenraum der Laube möchte die Polizei nicht zeigen.

Der 27-jährige aus Münster hätte auf Pädophilen-Foren im Darknet Kontakt gesucht. Hier habe er den 10-Jährigen zum Missbrauch angeboten. Er sei quasi verkauft worden, sagt Poll.

"Sie können es sich nicht vorstellen"

Auf einem Film seien sexuelle Handlungen schwerster Art an den Kindern zu sehen gewesen. Die Männer hätten sich wechselseitig an den Jungen "auf das Schlimmste" vergangen. "Sie können sich das nicht vorstellen", sagt Poll. Die Ermittler haben "unfassbare" Bilder sehen müssen, schildert Poll.

Die Kinder sollen vor den Taten betäubt worden sein. Körperliche Verletzungen hätten sie nicht davon getragen, sagte Poll. Die Kinder seien von Rechtsmedizinern untersucht worden und werden nun von den zuständigen Jugendämtern betreut.

Der 27-jährige Hauptbeschuldigte, der bereits am 14. Mai verhaftet wurde, ist strafrechtlich bekannt. Er wurde zweimal verurteilt. Es ging jeweils um das Zugänglichmachen von Kinderpornografie im Internet. Ihm wurde eine Therapie auferlegt wegen seiner pädophilen Neigungen. Er sei diesen Auflagen nachgekommmen. Die Urteile wurden jeweils zur Bewährung ausgesprochen.

Nordrhein-Westfalen war seit Anfang 2019 wegen mehrerer Fälle von schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern in die Schlagzeilen geraten. Auf einem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe hatten mehrere Männer Kinder hundertfach über Jahre schwer sexuell missbraucht. Ermittlungen zu einem bundesweiten Kinderpornografie-Tauschring hatten im Oktober 2019 in Bergisch Gladbach bei Köln begonnen und erstrecken sich mittlerweile auf sämtliche Bundesländer.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte nach dem Fall Lügde das Thema Kindesmissbrauch zur Chefsache erklärt und die Arbeit der Ermittlungsbehörden in diesem Bereich verstärkt.

Pressekonferenz zu Missbrauchsfällen in Münster
Markus Hollrichter, WDR
06.06.2020 17:34 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. Juni 2020 um 15:00 Uhr.

Darstellung: