Eine Mitarbeiterin der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen beklebt in der Corona-Teststation für Urlaubsrückkehrer am Flughafen Dresden International einen Abstrich für einen Coronavirus-Test mit einem Strichcode. | Bildquelle: dpa

Fast 15.000 Neuinfektionen Debatte um einheitliche Corona-Regeln

Stand: 24.10.2020 12:50 Uhr

Wieder ein Höchststand bei den Neuinfektionen: Angesichts der Zahlen werden Forderungen lauter, die Corona-Regeln in den Bundesländern zu vereinheitlichen. Kritisiert wird in diesem Zusammenhang auch die Reaktionsfähigkeit der Länder.

Angesichts eines erneuten Höchststandes bei den Neuinfektionen mit dem Coronavirus nimmt die Debatte über schärfere und vor allem einheitliche Corona-Regeln in Deutschland wieder Fahrt auf.

Neue Maßnahmen?

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, die in der Pandemie einen besonders strikten Kurs fährt, sagte der "Bild", sie sehe den Anstieg der Zahlen mit Sorge. "Es ist gut, dass wir die Corona-Ampel eingeführt haben. Wir müssen aber nächste Woche bei der Konferenz der Ministerpräsidenten beraten, ob weitere Schritte erforderlich sind." Bei ihrer regulären Zusammenkunft am kommenden Freitag beraten die Regierungschefs der Bundesländer über die bundesweite Corona-Lage.

Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans bremste: Er will zunächst abwarten, ob die letzten Beschlüsse von Bund und Ländern wirken. Sein Land habe sie schnell umgesetzt. "Ob diese ausreichen, wird sich in den kommenden zehn bis vierzehn Tagen zeigen. Diese Zeit sollten wir abwarten, bevor wir weitere Schritte einleiten", sagte Hans ebenfalls der "Bild".

Mehr Kompetenzen für den Bund?

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sprach sich wie zuvor Bayerns Ministerpräsident Markus Söder dafür aus, notfalls mehr Kompetenzen bei den Corona-Maßnahmen auf den Bund zu verlagern. "Entscheidungen eines einzelnen Bundeslandes können Auswirkungen auf alle anderen Bundesländer haben. Deshalb brauchen wir dringend mehr gemeinsame Entscheidungen", erklärte er in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Entweder durch alle Länder zusammen oder - wo das zu schwerfällig ist - auf Bundesebene, wo die Länder ja durchaus beteiligt sind", fügte er offenbar mit Blick auf den Bundesrat hinzu.

Mit den Beschlüssen der vergangenen Bund-Länder-Runde zur Corona-Lage vor eineinhalb Wochen hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel unzufrieden gezeigt. Sie gingen ihr nicht weit genug.

Beschlüsse nicht umgesetzt

Landkreistagspräsident Reinhard Sager bemängelte inzwischen, dass die Länder die dort gefassten Beschlüsse teilweise noch nicht umgesetzt hätten.

So seien die Gesundheitsämter personell nicht verstärkt worden, trotz Problemen bei der Infektionsnachverfolgung. Auf Grundlage des Pakts von Bund und Ländern sei "derzeit noch keine Neueinstellung erfolgt", so Sager in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Seitens der Länder muss es hier um Schnelligkeit gehen."

Neuer Höchststand bei Neuinfektionen

Die Neuinfektionszahlen erreichten indes einen neuen Höchststand. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Samstagmorgen meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland innerhalb eines Tages 14.714 neue Corona-Fälle.

Zuvor war es am Donnerstag zeitweise zu Datenlücken bei der Übermittlung von Infektionszahlen gekommen. Ohne die Technikpanne hätte das Institut am Freitag einen noch höheren Wert ermittelt - womit die nun veröffentlichte Zahl niedriger gewesen wäre.

Mehr als 10.000 Tote

Insgesamt haben sich laut Angaben des RKI in Deutschland 418.005 Menschen mit dem Virus infiziert (Stand: 24.10., 00.00 Uhr). Zudem überstieg die Zahl der Toten erstmals die Schwelle von 10.000: Seit Beginn der Pandemie sind im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion insgesamt 10.003 Menschen gestorben. Das sind 49 mehr als am Vortag.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag in Deutschland laut RKI-Lagebericht vom Freitag bei 1,23 (Vortag: 1,11). Das bedeutet, dass zehn Infizierte etwa zwölf weitere Menschen anstecken.

Lauterbach: Kontakte herunterfahren

Wegen der stark gestiegenen Zahlen sieht SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nur zwei Möglichkeiten: freiwillige Kontaktbeschränkungen eines Jeden oder immer neue Zwangs-Lockdowns. "Wird das Virus laufen gelassen, schießen die Zahlen so schnell in die Höhe, dass die Krankenhäuser überfordert sind und viel zu viele Menschen an Corona sterben", sagte der Epidemiologe der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Wir müssen also ganz schnell die persönlichen Kontakte herunterfahren, damit wir nicht in einem Monat im Gesundheitsnotstand aufwachen."

Vizekanzler Olaf Scholz äußerte Verständnis für junge Menschen, die "hungrig aufs Leben" sind, mahnte aber die Einhaltung der Corona-Maßnahmen an. "Ich verstehe alle, die jeden Tag voll auskosten, die feiern und Freunde treffen wollen", sagte der Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat dem Nachrichtenportal "watson". Doch es brauche Geduld. "Die aktuellen Einschränkungen zum Schutz vor Corona sind für viele nervig, für andere bedrückend und für wieder andere auch wirtschaftlich eine Zumutung. Leider sind sie nötig, um Schlimmeres zu verhindern. Wir sollten weiter alles tun, um die zu schützen, die wir lieben und deren Gesundheit uns wichtig ist."

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