Eine Radfahrerin in der verlassenen Leipziger Innenstadt. | Bildquelle: AFP

Sachsen Sonntagsstimmung im Corona-Lockdown

Stand: 14.12.2020 19:01 Uhr

Sachsen ist zwei Tage vor allen anderen Bundesländern in den Lockdown gegangen. Schließungen und Ausgangsbeschränkungen legen das öffentliche Leben lahm - auch in Leipzig, wo die Inzidenz noch unter 200 liegt.

Von Hanna Lohoff, MDR

Den Weg entlang des Karl-Heine-Kanals am Rande des Jahrtausendfelds in Leipzig-Plagwitz hat die Stadt erst vor Kurzem neu gestaltet: Tischtennisplatten, Bänke und Turngeräte sind hier entstanden.

In der Mittagssonne gleicht der kleine Platz einem Pausenhof - aber einem für alle Altersgruppen. Kleine Bälle hüpfen von links nach rechts über die Platten. Kinder toben sich an den Sportgeräten aus. Auf den Bänken sitzen vereinzelt und mit Abstand zueinander Menschen, die aus Plastikboxen zu Mittag essen. Dass heute der erste Tag des Lockdowns in Sachsen ist - davon ist hier nicht viel zu spüren.

Insel im Corona-Hotspot Sachsen

Im Land mit den bundesweit höchsten Inzidenzwerten ist Leipzig wie eine Insel. 124 Fälle pro 100.000 Einwohner gab es hier in den vergangenen sieben Tagen. Mit Inzidenzwerten weit über der 500er-Marke sieht es in Landkreisen wie Görlitz, Zwickau oder Bautzen ganz anders aus. Sachsen ist der Corona-Brennpunkt Deutschlands, auf den Karten ein dunkelroter Fleck. Das Bundesland ist schon zwei Tage früher als alle anderen Bundesländer in den Lockdown gegangen.

Das bedeutet schon heute zum Beispiel: geschlossene Schulen, Kitas und Läden, Rausgehen nur mit triftigem Grund und Maske. Diese scheint im Viertel rund um den Kanal schon zum Alltagsbegleiter geworden zu sein - wenngleich hier längst nicht alle eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Ein paar Schritte weiter auf der sonst belebten Karl-Heine-Straße machen sich die neuen Regelungen bemerkbar. Dort sind nur vereinzelt Passantinnen und Passanten anzutreffen.

Geschlossene Läden und leere Straßen

Wo die Menschen am Samstag noch Schlange standen, um in den vielen kleinen Läden die letzten Weihnachtsgeschenke zu kaufen, sind jetzt die Gehwege leer und Ladentüren geschlossen. Vor einer Bäckerei wartet eine Handvoll Kundinnen und Kunden auf den Einlass. "Maximal fünf Personen" steht auf einem Schild am Fenster.

 "Das Schlimmste sind die immer wieder neuen Regelungen und die Unsicherheit darüber, was nun gilt und was nicht", sagt ein Mann, der mit Mantel, Mütze und Maske bekleidet neben seinem Auto steht. Auf der umgeklappten Rückbank liegt ein Weihnachtsbaum. Hinter ihm geht an einem Verkaufsstand eine Tanne nach der anderen durch die Trommel ins Netz. Weihnachtsbäume sind neben Lebensmitteln eines der wenigen Dinge, die in Sachsen in diesem Jahr noch über die Theken gehen dürfen.

Seine Geschenke habe er schon alle in der letzten Woche besorgt, als sich der Lockdown in Sachsen abzeichnete, erzählt der Mann. So habe er für das Fest nun alles beisammen. Er schlägt die Kofferraumtür zu, fährt los und macht den nächsten Kundinnen und Kunden Platz.

Sonntagsstimmung statt vorweihnachtlicher Hektik

Auch eine kleine Familie hat sich ihren Baum bereits ausgesucht und will sich auf den Weg zurück nach Hause machen. Das Paar mit den zwei Kindern kommt jedes Jahr zu dem Verkaufsstand im Leipziger Westen. "In diesem Jahr sind wir aber etwas früher hier. Nicht, dass man dann bald auch keinen Baum mehr kaufen darf", sagt der junge Vater.

Im Alltag habe sich für sie nicht viel geändert. Sie seien schon seit Monaten im Homeoffice. Dass die Kinder nun nicht mehr in die Kita können, scheinen die beiden gelassen zu nehmen: "Erprobt sind wir darin nicht. Aber so ist es nun eben", sagt die Mutter. Weihnachten feiert die Familie nur im kleinen Kreis ohne weiteren Verwandtschaftsbesuch.

Von hektischem, vorweihnachtlichem Treiben ist in Leipzig derweil nichts zu spüren. Fast leere Straßenbahnen rattern vorbei, an den Haltestellen warten kaum Fahrgäste. Nur wenige Autos sind unterwegs. Was auffällt, sind die vielen Eltern mit Kindern, die die Sonnenstunden nutzen, um am ersten Tag mit geschlossenen Kitas und Schulen ein bisschen frische Luft zu schnappen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 14. Dezember 2020 um 13:10 Uhr.

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